Verhaftung Polanskis könnte zur Befreiung werden

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Roman Polanski : Wird das Verfahren gegen den Regisseur jetzt eingestellt?

Bern - Für Roman Polanski, der am Wochenende von einem über 30 Jahre alten US-Haftbefehl wegen Vergewaltigung eingeholt wurde, könnten sich die jüngsten Entwicklungen als Ausweg in die Freiheit erweisen.

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Möglicherweise bringt die Verhaftung auf dem Weg zum Filmfestival in Zürich, wo Polanski für sein Lebenswerk geehrt werden sollte, die Bemühungen seiner Anwälte um eine Einstellung des Verfahrens voran, das ihn seit Jahrzehnten verfolgt. Doch könnte die Angelegenheit auch zu internationalen Verwicklungen unter Beteiligung der Schweiz, der USA , Frankreichs und Polens auswachsen und eine Auslieferung noch komplizierter machen.

Polizeifotos von US-Stars

Donnie Wahlberg
Donnie Wahlberg von New Kids on the Block bei seiner Festnahme im April 1992. © ap
Al Pacino
Schauspieler Al Pacino kam schon 1961 wegen einer versteckten Waffe mit der Polizei in Konflikt. Dabei entstand dieses Bild. © ap
Polizeifotos von US-Stars
Die Prostituierte Divine Brown hat sich 1995 bei unzüchtigem Verhalten erwischen lassen. Mit dabei und ebenfalls verhaftet: Schauspieler Hugh Grant. © ap
Hugh Grant
Wegen eines Blow Jobs mit Divine Brown auf Hollywoods Sunset Boulevard musste auch Hugh Grant in die Polizeikamera blicken. Ein Skandal. Gilt der britische Schauspieler doch als Schwiegermutter-Traum. © ap
Polizeifotos von US-Stars
Hatten auch schon mit der Polizei zu tun (von Links): Nick Nolte, Mel Gibson, Hugh Grant, O. J. Simpson, Paris Hilton und Nicole Richie und Lindsay Lohan. © ap
Jane Fonda
1970 hatte auch Jane Fonda ein Date auf dem Polizeirevier. Sie wurde wegen einer Körperverletzung aktenkundig. © ap
Jennifer Capriati und Tom Wineland
Tennisstar Jennifer Capriati gewann 1992 olympisches Gold. 1994 wurde sie mit Marihuana erwischt. Ihre Karriere konnte sie nach der Haft aber fortsetzen. Auch ihr Begleiter Tom Wineland, der wegen Drogenprobelmen auf Bewährung war, wurde festgenommen. © ap
Jim Courier
Und noch ein Tennisstar: Jim Courier lacht auf dem Polizeifoto trotz einer Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer 1999. © ap
Kid Rock
Sänger Kid Rock albert herum. Er wurde 1995 festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen DJ in einem Club verprügelt hat. © ap
Lawrence Taylor
NHL-Star Lawrence Taylor versuchte Crack im Wert von 100 Dollar zu kaufen und wurde erwischt. © ap
Michael "Dynamite" Dokes
Der Boxer Michael "Dynamite" Dokes hat sich schwerer Vergehen verdächtig gemacht: sexuelle Nötigung und versuchter Mord standen 1998 auf der Liste beim Polizeipräsidium in Las Vegas. © ap
Michael Lookinland
Michael Lookinland spielt den Bobby in der Serie The Brady Bunch". Im echten Leben hat er sich betrunken beim Autofahren erwischen lassen. © ap
Nicole Richie
Nicole Richie war nicht nur einmal im Gefängnis. 2007 ist sie unter Drogeneinfluss Auto gefahren. © ap
Paul Reubens
Schauspieler Paul Reubens ist bekannt als Pee-Wee Herman und fiel in einem Theater unangenehm auf. © ap
Randy Moss
Der Football-Spieler Randy Moss wurde beschuldigt, einen Polizeibeamten absichtlich angefahren zu haben als der ihn anhalten wollte. © ap
Ricky Willaims
Und wieder ein Football-Spieler, der sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten hat: Ricky Willaims spielt bei den New Orleans Saints. © ap
Sophia Loren
Schauspielerin Sophia Loren mit ihrer Sekretärin Inez Bruscia. Sie verlassen auf dem Bild das Polizeipräsidium. Loren wurde zu Hause ausgeraubt und ihre Sekretärin dabei verletzt.  © ap
Tony Phillips
Baseball-Spieler Tony Phillips hat versucht Drogen von einem Undercover-Polizisten zu kaufen. Dumm gelaufen. © ap
Wynonna Judd
Wynonna Judd ist angeklagt, weil sie betrunken Auto gefahren ist. © ap

“Die große Frage ist, ob er nicht besser ausgehandelt hätte, sich zu stellen, als er noch die Chance hatte“, meint Juraprofessorin Laurie Levenson von der Loyola Universität. “Jetzt spielt es sich auf internationaler Ebene ab, und die Staatsanwaltschaft steht vielleicht unter Druck, sich nicht auf einen Deal einzulassen. Die haben sich solche Mühe gemacht, die Schweiz hineinzuziehen. Das könnte es ihm schwerer machen.“

Klärender Auftritt vor Gericht erwartet

Dennoch glaubt mancher, dass die Verhaftung des 76-jährigen Oscar-Preisträgers eine Lösungsmöglichkeit eröffnet, die es ihm gestattet, künftig wieder frei zu reisen. “Ich denke, er wird letztlich seinen Auftritt vor Gericht bekommen“, vermutet der Strafverteidiger Steve Cron. Es könne gut sein, dass dann das Verfahren eingestellt werde oder die Strafe als verbüßt gelte. “Das Gute für ihn ist: All die Jahre schwebte dräuend die Frage über ihm, wer zuschlagen und ihn festnehmen würde“, meint Cron. “Jetzt kann er diese Sache endlich zu Ende bringen.“

1978 hatte der Regisseur von Filmklassikern wie “Chinatown“ und “Rosemarys Baby“ in den USA wegen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens in einem Sensationsprozess vor Gericht gestanden. Er ging einen Handel ein und bekannte sich des Sexualverkehrs mit einer Minderjährigen schuldig. Als der Richter aber ein höheres Strafmaß als vereinbart in Aussicht stellte, setzte er sich vor der Urteilsverkündung nach Frankreich ab und ließ sich nie wieder in den USA sehen.

Frankreich hat kein Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Bei seinen Reisen in Europa blieb der französische Staatsbürger Polanski unbehelligt. Unklar ist auch, wie nachdrücklich die US-Behörden tatsächlich seiner habhaft werden wollten. Nach Angaben des schweizerischen Justizministeriums ist er seit 2005 weltweit zur Verhaftung ausgeschrieben, obgleich er doch schon viel länger flüchtig ist.

Frühere Festnahmeversuche außerhalb Frankreichs scheiterten nach Angaben von Ermittlern daran, dass man zu spät von seinem Aufenthalt erfahren habe oder er die Reise gar nicht angetreten habe. Die Staatsanwaltschaft Los Angeles habe auch bei früheren Gerüchten über Auslandsreisen schon Haftbefehle übermittelt, erklärte Sprecherin Sandi Gibbons. Diesmal sei Polanski die Auszeichnung für sein Lebenswerk zum Verhängnis geworden: “Es wurde im Internet veröffentlicht, dass er beim Zurich Film Festival sein würde. Sie haben online Eintrittskarten verkauft.“

Bewegung in den Fall Polanski hatte Ende letzten Jahres eine amerikanisch TV-Dokumentation gebracht, die dem - inzwischen gestorbenen - Richter, der seinerzeit die Vereinbarung platzen ließ, Fehlverhalten vorwarf. Angesichts der neuen Beweislage ließ Polanski durch Anwälte in Los Angeles Verfahrenseinstellung beantragen. Ein Richter räumte zwar ein, dass es bei dem Strafprozess “ernstliches Fehlverhalten“ gegeben hatte, bestand aber darauf, dass Polanski sein Anliegen persönlich vor Gericht vorbringen müsse. Der jedoch wollte lieber nie wieder amerikanischen Boden betreten, als eine Verhaftung zu riskieren.

Auch Opfer will endlich Ruhe

Das damalige Opfer Samantha Geimer hat sich längst selbst zu erkennen gegeben. Sie hatte Polanski verklagt und eine Einigung erzielt, über deren Inhalt nichts bekanntwurde. Auch Geimer, die in Kilauea in Hawaii lebt, setzt sich für eine Einstellung des Verfahrens ein, damit die Sache endlich ein Ende habe. Sie hatte sogar angeboten, selbst an Polanskis statt vor Gericht aufzutreten und um Einstellung des Verfahrens zu bitten.

ap

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