Berühmter Zweiteiler

Viel Aufregung um wenig Stoff: Der Bikini wird 75

Micheline Bernardini
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Micheline Bernardini, eine Nackttänzerin des Pariser Casinos, präsentiert am 5. Juli 1946 in einem Schwimmbad in Paris den ersten Bikini, den der französische Ingenieur Louis Reard entwickelt hatte. Zunächst erhielt das als schamlos empfundene Kleidungsstück vielerorts Badeverbot.

Inzwischen ist er längst mehrheitsfähig, doch 1946 war es schwer, eine Frau zu finden, die ihn der Welt vorstellte: den Bikini. Nun wird der einst verbotene Zweiteiler 75 Jahre alt.

Düsseldorf/Paris - Sein Name verrät, dass seinem Schöpfer LouisRéard die gesellschaftliche Sprengkraft seiner Erfindung bewusst war.Als am 5. Juli 1946 in Paris ein knapper Zweiteiler als Bademodenamens Bikini vorgestellt wurde, hatten die USA wenige Tage zuvor aufdem gleichnamigen Atoll im Pazifik eine Atombombe getestet.

Keines der seriösen Mannequins, wie Models damals hießen, war einJahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs bereit, die modische Innovationdes Franzosen Réard zu präsentieren. So war es NackttänzerinMicheline Bernardini vorbehalten, der Weltöffentlichkeit im PariserSchwimmbad Molitor den ersten Bikini vorzustellen.

An vielen Stränden Badeverbot

Noch in den 1950er und 1960er Jahren hatte der für seine Zeitatemberaubend aufreizende Zweiteiler an vielen Stränden Badeverbot.Es dauerte und bedurfte einiger prominenter Trägerinnen wie BrigitteBardot, Marilyn Monroe und Ursula Andress, bis er seinen weltweitenSiegeszug an Stränden und in Schwimmbädern antrat.

1962 war die Zeit reif für den legendären Leinwand-Auftritt vonUrsula Andress als Bond-Girl Honey Ryder. In einem Bikini-Modell, dasheute eher prüde daher käme, entstieg sie singend dem Meer und JamesBond, alias Sean Connery, kam aus dem Staunen nicht heraus.

„Der Bikini stößt an die Grenzen des Möglichen“, befandModedesignerin Ursula Templin. „Er beschwichtigt eine Gesellschaft,die Nacktheit verbietet und ist dabei aber viel aufreizender.“

Das Stück Stoff, das Andress damals trug, blieb vor einigen Monatenin Los Angeles bei einer Versteigerung zwar als Ladenhüter liegen -was aber am üppigen Mindestgebot von 300.000 US-Dollar gelegen habenmag: 2001 hatte der Dr.-No-Bikini noch für 60.000 Dollar den Besitzergewechselt - damals Rekord für ein Stück Badekleidung.

Freizügigkeit der 1968er-Generation

Der Bikini, den Maschinenbau-Ingenieur Réard vorführen ließ, hateinen Imagewandel vollzogen: von schamlos und skandalös bis sexy undemanzipatorisch. Spätestens mit der sexuellen Befreiung der1968er-Generation, der Oben-ohne-Welle und dem Nudismus ging dieFreizügigkeit deutlich über Réards Schöpfung hinaus.

Inzwischen selbstverständlich

In den 1980er und 1990er Jahren wurden Bikinis ganzselbstverständlich von Supermodels wie Claudia Schiffer und NaomiCampbell präsentiert. Inzwischen hat der Bikini einige Ablegerbekommen: Microkini, Monokini, Mixkini, Tankini und Burkini.

Bikini-Kollektion im Stil von Brigitte Bardot.

Durfte ein Badetextil Anfang des 20. Jahrhunderts nicht zu knappausfallen, wollten manche im 21. Jahrhundert die Gegenbewegungaufhalten: Das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs stoppte 2016das geplante Verbot des Burkinis und der Volleyball-Weltverbandschrieb seinen Sportlerinnen 2012 vor, dass ihre Höschen nichtbreiter als sieben Zentimeter zu sein haben.

Bikini Art Museum

Im vergangenen Jahr wurde dem Bikini in Deutschland schließlichrechtzeitig vor dem 75. ein ganzes Museum gewidmet. Das Bikini ArtMuseum im baden-württembergischen Bad Rappenau hat einen Fundus vonimmerhin 1200 Ausstellungsstücken und 2000 QuadratmeterAusstellungsfläche.

Schauspielerin Ursula Andress trug Bikini im Thriller „James Bond jagt Dr. No“. Im Jahr 2001 hatte dieser Dr.-No-Bikini für 60.000 Dollar den Besitzer gewechselt.

Der Bikini hat Réard trotz des Welterfolgs nicht so reich gemacht,wie er sich erhofft hatte: Zu hemmungslos war der von ihm alsGebrauchsmuster Nr. 19431 geschützte Ur-Bikini kopiert worden. DerFranzose starb 1984 in Lausanne in der Schweiz und wurde dortbeigesetzt wie schon vor 50 Jahren Französin Gabrielle „Coco“ Chanel,die Erfinderin einer anderen Mode-Ikone, des „kleinen Schwarzen“. dpa

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