Rauschendes Fest

Vilsmaier Überraschungsparty zum 75. Geburtstag

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Joseph Vilsmaier in seinem Büro.

München - Er hat immer gern gefeiert: ein neues Projekt, einen neuen Film oder einfach nur so – aber nie sich selbst. Aber am Freitag, wenn er 75 wird, macht Joseph Vilsmaier eine Ausnahme und gönnt sich erstmals in seinem Leben eine rauschende Geburtstagsparty.

In Ottobrunn, im Helikopter-Hangar seines Freundes Hans Ostler, dem Mann, mit der für seinen Film Bavaria – seine ganz persönliche Hommage an sein geliebtes Bayern – so viele Stunden im Hubschrauber saß, um die grandiosen Aufnahmen aus der Vogelperspektive zu bekommen. Wie viele Bilder er wohl in seinem langen Leben als Kameramann und Regisseur schon eingefangen hat? So viele, dass er an seinem Geburtstag jedenfalls keine sehen will. „Ich will keine Beweihräucherung, keinen Film und auch keine Bilder aus der Kindheit. Nicht, dass das nicht auch schön sein kann. Aber ich hab zu meinen Freunden gesagt: Ich will das nicht, ich brauch’ das nicht.“ Und auch sonst legt er keinen Wert auf Überraschungen.

Wenn am Freitag jemand Überraschungen erleben wird, „dann sind das meine Gäste“, lacht er. Vilsmaier mag’s, wenn er alles im Griff hat. In den 80er-Jahren hat sein Freund Alfred Holighaus, heute Geschäftsführer der Deutschen Filmakademie, damals noch Filmkritiker beim Berliner TIP, auf vier Seiten den Circus Vilsmaier beschrieben und dessen Direktor ist Vilsmaier noch heute, auch wenn er schmunzelnd meint: „Manchmal bin ich auch der Clown.“ Das ändern? Nie! Klar hängt alles an ihm, von der Akquise der Sponsoren bis hin zur Vermarktung. Aber genau das ist es ja , was ihm Spaß macht. So viel, dass er darüber fast vergisst, dass er am Freitag 75 wird. 75!  „Ganz ehrlich“, sagt er, „die Zahl stört mich ein bisserl. Mir wär’s lieber, wenn ich jetzt noch 50 wär.“

Wenn man hört, was er immer noch alles plant, anschiebt und verwirklicht, könnt er’s glatt noch sein: Gerade erst ist er aus Brasilien zurück, wo er fürs Fernsehen gedreht hat. Einen 90-Minuten-Spielfilm. Mehr will und darf er nicht verraten. „In vier Wochen gibt’s dazu mehr.“ Aber klar: Es geht um Fußball. Der Film endet, wo Mitte Juli hoffentlich auch Jogi Löws Jungs spielen werden, im legendären Maracana-Stadion, einem Heiligtum des Fußballs. Noch im Sommer soll dann ein Vilsmaier-Film die Kinos in Österreich erobern, wenn Austria anlaufen wird, das Pendant zu Bavaria. Dass er als Bayer den Österreichern ihr Land zeigen darf, das freut in wie einen Lausbub. Und noch ein Projekt steht kurz vor der Vollendung: ein Buch voll mit Vilsmaier’schen Anekdoten. „Das schreib ich mit Robert Schneider, dem Autor von Schlafes Bruder …“ Eigentlich hätte das Buch längst fertig sein sollen – spätestens zu seinem 75. – aber wenn Vilsmaier was nicht mag, dann ist es Hektik oder wenn ihn jemand drängelt. Und die eine oder andere Geschichte kann man ja auch schon so erzählen …

Zum Beispiel, dass Vilsmaier in den 60er-Jahren als Handlungsreisender unterwegs war. Mit einem Opel Record, der bis unters Dach voll mit bunter Irisette Bettwäsche und knallfarbigen Teppichen war. Bevorzugtes Klientel: Pfarrersköchinnen.  Und das mit Erfolg: „An einem Tag, die Abrechnung hab ich noch heute, hab ich einmal 1420 Mark verdient!“ Und damit hat er dann drei Wochen lang im Freibad in Füssen eine Clique von 30, 40 jungen Leiten frei gehalten …. Oder wussten Sie, dass Vils

maier einmal als Kameramann von Regisseur ­Michael Pfleghar, (Wünsch Dir was, Klimbim) – mit dem Rücken zum Fahrer auf einem Motorrad – den Giro d’Italia und den legendären Radgiganten Eddi Merckx begleitete? Radprofi wäre er übrigens gern selbst geworden. Statt der eigenen Trophäen stehen nun zwei Radl in seinem Keller: Eines fuhr  der legendäre Sechs-Tage-König Sigi Renz und mit dem anderen gewann unser gefallener Pedalheld Jan Ullrich im Jahr 2000 in Sydney Olympia-Gold! Vilsmaier und seine Talente, das ist ein ganz eigenes Kapitel. Als Leichtathlet schaffte er es über 5000 und 10 000 Meter bis zu den Bayerischen Meisterschaften und wäre er nicht beim Film gelandet, dann wohl am Konzertflügel. Immerhin studierte er neun Jahre am Konservatorium München – Schwerpunkt Klavier. „Aber ein Oscar Peterson wär’ ich wohl nicht geworden“, wiegelt Jazz-Liebhaber Vilsmaier ab. Immerhin: Auch heute haut er ab und zu in die Tasten. „Zuletzt am Sonntag, Bluesvariationen“, erzählt er.

Talente sind das eine, Glück das andere. Und das, sagt Vilsmeier, hab ich mein ganzes Leben lang gehabt. Und dass ihm der Krebs 2009 seine Frau Dana – gerade 41 Jahre alt – und seinen drei Töchtern Janina, Theresa und Josefina die Mutter genommen hat? „So ist das Leben“, sagt Vilsmaier. „Man kann in solchen Situationen sagen, dass man nicht mehr leben will, aber das Leben geht halt weiter.“ Und ist immer noch schön. Und wie! Vor zweieinhalb Jahren hat er sich wieder verliebt, in die BR-Journalistin Birgit Muth. Für Vilsmaier eine Überraschung, ein Geschenk. „So was weiß man ja nicht, man geht ja nicht auf die Suche. Das war Zufall. Man kann sich vielleicht so was wünschen, aber ob’s dann in Erfüllung geht?  Ich find’s jedenfalls klasse“, sagt er. „Sie ist ein richtiger Partner, auf den man sich prima verlassen kann.“ Alles andere ist privat, nur noch so viel: Vilsmaier ist ein Beziehungsmensch. Sich ab und zu mal zu sehen, kommt für ihn nicht in Frage. Wenn Beziehung, dann voll und ganz:  „Mit Liebe, Leid, Glück – eben allen Facetten des Lebens!“

Übrigens: Auch mit 75 hat man noch Träume – und natürlich geht’s bei Joseph Vilsmaier dabei um einen Film, um ein Drama aus dem 1. Weltkrieg. Seit zehn Jahren beschäftigt ihn diese Geschichte, als die Italiener den Col di Lana in die Luft sprengten, um den Vormarsch der Österreicher zu stoppen. Luis Trenker verfilmte dieses Epos 1931 unter dem Titel Berge in Flammen, Vilsmaier hätte fürs Remake ein „Superdrehbuch. Aber das kostet zehn Millionen. Aber vielleicht ist es auch ein Glück, wenn ich die nicht zusammenbringe. Weil das – so wie bei bei Nanga Parbat oder Stalingrad auch – halt eine Mordsschinderei wäre …“

Wolfgang de Ponte

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