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Zum 10. Todestag von Film-Legende Bernd Eichinger

„Er fehlt uns jeden Tag“

Bernd Eichinger Filmproduzent Verleihung Deutscher Filmpreis 2010
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Bernd Eichinger bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2010

Am 24. Januar 2011 starb Filmproduzent Bernd Eichinger völlig überraschend an einem Herzinfarkt. An diesem Abend in Los Angeles dabei: Sein Freund und Kollege Martin Moszkowicz, heute Vorstandsvorsitzender der Constantin Film. Im Gespräch mit der tz erinnert sich der 62-Jährige an Bernd Eichinger, der mit seinen Blockbustern Filmgeschichte schrieb.

Was machen Sie an diesem Sonntag, an Bernd Eichingers Todestag?

Moszkowicz: Ich werde wohl nicht in München sein. Ich verbring’ solche Tage auch am liebsten im Kreis meiner Familie. Gerade jetzt, pandemiebedingt, bietet es sich nicht an, etwas Größeres zu machen. Sonst hätten wir bestimmt eine Gedenkveranstaltung organisiert.

Denken Sie noch oft an diesen Abend, beim Italiener in Los Angeles, als Bernd Eichinger einen Herzinfarkt erlitt?

Moszkowicz Ja, leider zu oft. Das ist ein Erlebnis, das nicht mehr aus dem Kopf geht. Gerade, weil es so ein persönlicher Abend unter Freunden und mit der Familie war. Es war ein schwerer Einschnitt.

Hat Bernd Eichinger jemals über den Tod gesprochen?

Moszkowicz: Wir haben eher so gesprochen: Sollten wir mal vor dem Bärtigen da oben stehen, ob die Entscheidungen, die wir treffen, richtig sind. Über den Tod selbst? Nein, da waren wir wohl viel zu jung.

Sie haben zwanzig Jahre zusammengearbeitet. Was haben Sie von ihm gelernt, was nehmen Sie mit aus der gemeinsamen Zeit?

Moszkowicz: Gelernt habe ich jeden Tag was, Bernd übrigens auch. Wir haben die Constantin Film aufgebaut. In Bezug auf die Firma muss ich sagen, Bernd war fast schon manisch bemüht, unsere Unabhängigkeit zu erhalten. Und jetzt bemühe ich mich, gemeinsam mit den Kollegen, die Firma in diesem Sinne weiterzuführen. Es ist uns auch extrem gut gelungen. ­Constantin Film hat in den letzten zehn Jahren die wirtschaftlich erfolgreichste Phase der Geschichte gehabt.

Ansonsten gibt es noch eine Sache, die in der Branche nicht normal ist. Bernd war unglaublich loyal gegenüber allen Menschen, die ihm nahestanden. Und den klassischen Neid, den hatte er überhaupt nicht. Er hat sich über jeden Erfolg gefreut, er war extrem gönnend. Er hat auch Konkurrenten angerufen und zu ihrem Erfolg gratuliert. Ich finde, das würde uns allen heute auch gut zu Gesicht stehen.

Was würde Bernd Eichinger jetzt in dieser, fürs Kino besonders schweren Zeit, tun?

Moszkowicz: Ich glaube, er würde genau das tun, was wir jetzt machen. Wir versuchen mit möglichst wenig Blessuren durch die Zeit zu kommen.Bernd würde einen großen Optimismus ausstrahlen. Auch ich verfalle jetzt nicht in Endzeit-Gedanken, denn ich bin sicher, dass das Kino, das Bernd so sehr am Herzen lag, wieder kommen wird und dass man diese Durststrecke überstehen muss. Bernd hat mir mal in einer Zeit, in der es Constantin nicht so gut ging, gesagt: Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, darf man den Kopf nicht hängen lassen. Ich bin mir sicher, wir kommen da schon raus, es wird halt ein bisschen dauern.

Welche Bedeutung hat Eichinger für die Filmbranche? Welche Spuren hat er hinterlassen?

Moszkowicz: Zunächst lebt er ja in seinen Filmen weiter. Und dann hat er in seiner Karriere ganz viele Leute gefördert, Leute, die heute Stars sind. Ich tue mich mit einem Resümee immer schwer, weil ich zu nah dran war. Zum einen war Bernd mein Chef und zum gleichen Teil ein Freund. Das, was Bernd mir mitgegeben hat und was wir zusammen erarbeitet haben, ist heute noch eines der großen Zentren in meinem Leben. Was alle großartig finden und fanden, ist seine Leidenschaft fürs Kino, für die Branche, für die Menschen, die darin arbeiten. Darin lebt er weiter. Er ist einer der größten Produzenten in Deutschland, die es je gegeben hat.

Gibt es einen Platz, der noch heute nur für Eichinger reserviert ist? Angeblich ein Platz im hauseigenen Kino...

Moszkowicz: Nein, das ist ein Märchen. Es gibt ein großes Porträt von Bernd Eichinger, das hängt bei uns im Treppenhaus, da muss praktisch jeder mehrmals am Tag vorbei. Es gibt natürlich jetzt auch Mitarbeiter, die kannten ihn gar nicht und wir sind auch viel mehr geworden. Aber ich denke, dass der Spirit in der Firma spürbar ist. Die Constantin hat ein anderes Grundgefühl, wir sehen uns als Constantiner, als enges Team. Das hat Bernd auch geprägt.

Eichinger hat unzählige Preise bekommen, dafür bräuchte es ja ein eigenes Zimmer...

Moszkowicz Das gibt’s ja! Katja und Nina Eichinger haben uns dankenswerterweise die Preise zur Verfügung gestellt. Wir haben sie im Eingangsbereich und in einem der großen Konferenzräume aufgebaut. Wir zeigen sie auch stolz her.

Das Interview führte

Maria Zsolnay

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