"Mein altes Leben ist zebröselt"

Was macht eigentlich.... Michael Schanze?

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Michael Schanze in den Kulissen von „Othello darf nicht platzen“.

München - Als ausgebildeter Musiker, Sänger und Schauspieler war er ein Könner der guten Fernseh­unterhaltung. Bis Michael Schanze vor 15 Jahren erst von der Mattscheibe und dann von den roten Teppichen verschwand ...

Plopp! Mit dem Backenschnalzer brachte Michael Schanze (67) die gute Laune in die Wohnzimmer der Nation. Egal, ob 1,2 oder 3, die Michael-Schanze-Show, ­Flitterabend oder Kinderquatsch – 30 Jahre lang gehörte der Entertainer zu unser aller Leben wie ein guter Freund – charmant, witzig, aber nie zwanghaft lustig. Als ausgebildeter Musiker, Sänger und Schauspieler war er ein Könner der guten Fernseh­unterhaltung. Bis Michael Schanze vor 15 Jahren erst von der Mattscheibe und dann von den roten Teppichen verschwand ... Um dann an anderer Stelle neu aufzutauchen: erst auf einer Boulevardtheater-Bühne in Berlin, dann in ernsten Rollen auf Festivals – und als ­anderer Mensch.

Körperlicher. Nicht mehr zwangsläufig der Gute-Laune-Bär. Aber gefeiert! An seiner Hand glänzt heute nicht mehr der Ehering – dafür der Ring des Publikumspreises der Bad Hersfelder Festspiele – für Schanzes Rolle als Tevje im Musical Anatevka. Den Silberring trägt der Schauspieler mit Stolz – das Erfolgssymbol seines neuen Lebens!

"1995 hat mein neues Leben angefangen"

„Das ist mein Schlagring gegen die Selbstzweifel“, sagt ­Michael Schanze im Interview mit tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt – am Rande der Proben zur Komödie Othello darf nicht platzen, die am Mittwoch in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere feiert. „Ein archetypisches Boulevardstück mit Verwechslung und Lachen ohne Ende.“ Michael Schanze hat aber in den vergangenen Jahren auch dunkle Charakterrollen gespielt und holte Seiten aus sich heraus, die andere nicht für möglich gehalten hätten ...

„1995 hat mein neues Leben angefangen – das andere ist zerbröselt – meine Ehe ist auseinandergegangen, und dann hat es noch eine Zeitlang gedauert, bis ich mich neu gefunden und mir eingestanden habe: ,Michael, du musst zu neuen Ufern aufbrechen!‘ Ich konnte einfach nicht mehr, ich musste mit Altem brechen und mutig etwas Neues machen.“

Mit dem Schauspiel-Diplom der Hochschule für Fernsehen und Film hatte Michael Schanze beste Voraussetzungen für einen Neuanfang, und er hatte ja auch schon in den 70er-Jahren in Filmen gespielt wie Sie nannten ihn Krambambuli. Doch den Sprung von der leichten Unterhaltung in tiefere Gewässer hat er dem damaligen Leiter der Carl-Orff-Festspiele in Andechs, Prof. Hellmuth ­Matiasek zu verdanken: „Er hat mir die Rolle eines bitterbösen menschenverachtenden Gauklers angedient. Und das war ein großer Erfolg – in einem Fach das mir sonst niemand zugetraut hatte. Damit ging für mich eine neue Tür auf.“

"In Monte Carlo kümmerte Michael Schanze niemand"

Weitere ernste Rollen folgten, die letzten Jahre war Schanze teilweise an bis zu drei Theatern gleichzeitig in drei verschiedenen Rollen engagiert. „Im vergangen Jahr war ich von meinem Geburtstag am 15. Janaur bis zum 5. August nur drei Tage in München. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt hier jeden Abend in eine völlig abs­truse Figur schlüpfen darf.“ Als Othello – in der Boulevardkomödie, die seit der Uraufführung 1985 am Broadway einen Siegeszug um die Weltgemacht hat. „Aber man darf nicht erwarten, dass man aus dem Stück gescheiter herauskommt“, lacht Schanze, der nicht mehr die große Showbühne braucht, um das Herz seines Publikums zu erobern. Und auch nicht mehr die große Leichtigkeit, die dem ehemals leidenschaftlichen Sportler mit einem schweren Skiunfall 2003 abhanden gekommen ist.

„Ich habe die Zeit im Fernsehen gehabt, und jetzt ist heute. Ich kann sehr gut damit leben, dass sich die Leute auf der Straße nicht mehr nach mir umdrehen. Früher war das der Grund, warum wir nach Frankreich gezogen sind: Weil ich mich nicht wohlfühlte, wenn mir jeder auf die Schultern geklopft hat. In Monte Carlo kümmerte Michael Schanze niemand.“

Auch den roten Teppich vermisst der Schauspieler nicht – Jahre hat man ihn auf keinem solchen mehr gesehen, wo er früher mit seiner damaligen Lebensgefährtin Nicole Stifter kaum wegzudenken war. „Ich war nie ein wahnsinniger Fan davon. Aber es wird gerade ein Buch über mich geschrieben – und da haben wir genau darüber gesprochen – über die Diskrepanz, dass der Mensch sich ins Rampenlicht drängt und andererseits froh ist, wenn er seine Ruhe hat.“

Keine Reue wegen des Wechsel auf die Theaterbühne

Ob Michael Schanze die Showbühne nicht doch manchmal vermisst? „Wenn ich heute die Glotze anmache, dann frag’ ich mich manchmal: ,Michael, wo würdest du denn gerne stattfinden?‘ Und ich hab dann das Gefühl, dass ich mich mittlerweile lieber in einer Magazin-Sendung widerfinden würde – wie früher, als der Bayerische Rundfunk mit mir Mobile gemacht hat, wo ich einen Film oder einen Gast präsentierte – eine gemütliche Runde. Aber die Showtreppe mit mehr oder weniger bekleideten ­Ladys heruntergehen – das ist nichts mehr für mich.“

Vor Jahren waren auch die Produktionsbedingungen im Fernsehen noch andere – man probte eine Show tagelang. Minutiös jede Einstellung, jede Bewegung – heute bleiben dafür nur noch Stunden. „Ich behaupte ja, Peter Alexander wäre mit dieser Art von Produktion nicht zu dem geworden, was er wurde. Heute ist der meist beschäftigste Mann im Fernsehen der Reiner.“

Der Reiner?

„Reiner Zufall. Und trotzdem ist es faszinierend. Wenn das richtige Format für mich käme, ich wäre wieder dabei.“ Seine Entscheidung, von der Show- auf die Theaterbühne zu wechseln, hat er nie bereut. „Es ist ein stillerers Glück, vielleicht sogar intensiver.“

Ulrike Schmidt

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