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Was Sie über Bio-Baumwolle wissen müssen

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Nachhaltige Mode: Was Sie über Bio-Baumwolle wissen müssen
Bio-Baumwolle findet man nicht immer so offensichtlich im Handel. © Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn

Viele Kleidungsstücke landen als Mikroplastik wieder in der Umwelt. Wer glaubt, mit Baumwolle alles richtig zu machen, liegt allerdings falsch. Wir erklären, wie es nachhaltiger geht.

Berlin - Mikroplastik verschmutzt den Planeten, das haben die meisten mitbekommen. Viele setzen auch deshalb auf Kleidung aus Baumwolle. Sie meiden Pullis, T-Shirts und Blusen aus Synthetik. Doch konventionell angebaute Baumwolle schädigt die Umwelt ebenfalls. Eine Lösung für Umweltbewusste sind Produkte aus Bio-Baumwolle.

Moment mal, ist Synthetik-Kleidung wirklich so schlecht?

Vor allem zwei Gründe sprechen gegen synthetische Fasern:

  1. Während Baumwolle ein nachwachsender Rohstoff ist, wird zur Herstellung von Synthetik-Kleidung Erdöl verbrannt. Dabei wird CO2 freigesetzt, das den Klimawandel weiter befeuert.
  2. Synthetische Fasern sind nicht biologisch abbaubar. „Synthetik verrottet nicht und wird irgendwann zu Mikroplastik“, sagt Heike Hess vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN).

Die Industrievereinigung Chemiefaser sieht das naturgemäß etwas anders. Unter Berücksichtigung aller ökologischen Aspekte verhalte sich die Chemiefaser sogar günstiger als Baumwolle, teilt der Verband auf Anfrage mit. So wird etwa argumentiert, dass synthetische Fasern die Agrarflächen entlasten, auf denen Nahrungsmittel angebaut werden. Auch der geringere Wasserverbrauch wird hervorgehoben.

Nachhaltige Mode: Was Sie über Bio-Baumwolle wissen müssen
Synthetische Fasern sind nicht biologisch abbaubar - es wird zu solchen Mikroplastik-Partikeln. © Arne Dedert/dpa/dpa-tmn

Heike Hess kennt die Argumente und sagt dennoch: „Wir sehen Synthetik sehr kritisch.“ Es werde zwar öfters behauptet, die CO2-Bilanz von Synthetik-Kleidung sei insgesamt besser. „Aber die Gewinnung des Rohstoffs Erdöl wird dabei ganz ausgeklammert.“

Was gibt es an normaler Baumwolle auszusetzen?

Ein Problem ist in der Tat der hohe Wasserverbrauch wegen übernutzter Böden. Beim konventionellen Anbau von Baumwolle werde der Boden häufig chemisch überdüngt und geschwächt, erklärt Hess. Diese Begründung nennt auch Nicole Pälicke, Leiterin von People Wear Organic. Das Unternehmen verkauft zertifizierte Baby- und Kinderkleidung aus Bio-Baumwolle. „Der Anbau konventioneller Baumwolle sorgt dafür, dass die Böden geschädigt werden.“

Was läuft beim Anbau von Bio-Baumwolle anders?

„Bio-Baumwolle spart aufgrund der besseren Bodenqualität auf jeden Fall Wasser“, sagt Heike Hess. Das liegt daran, dass der Boden das Wasser besser speichern kann. „Es gibt Beipflanzungen, um Insekten fernzuhalten, es gibt mehr Schatten, und die Erosion ist nicht so stark. Der Boden ist gesünder, es gibt darin mehr Leben.“ Typisch ist auch ein Fruchtwechsel. Außerdem kommt keine Gentechnik bei den Saat- und Düngemitteln zum Einsatz. Und es werden keine chemischen Pestizide und Dünger genutzt.

Klingt überzeugend - und wie finde ich Kleidung aus Bio-Baumwolle?

Verbraucher erkennen anhand verschiedener Siegel, ob Bio-Baumwolle als Rohfaser in einem Kleidungsstück steckt.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Siegel für Baumwollkleidung, die aber keine Bio-Baumwolle vorschreiben.

Wie nachhaltig ist denn Kleidung aus Bio-Baumwolle wirklich?

Aus Sicht von Heike Hess handelt es sich um die nachhaltigste Möglichkeit, sich zu kleiden - wenn man allein den Rohstoff betrachtet. Doch es gibt ein großes Aber: „In der Produktion können beim Spinnen, Weben, Färben und Nähen natürlich noch ganz viele Umweltsünden passieren.“ Auch sagt der Rohstoff nichts darüber aus, ob die Arbeiterinnen und Arbeiter fair bezahlt werden.

Nachhaltige Mode: Was Sie über Bio-Baumwolle wissen müssen
Die Baumwoll-Pflanze braucht viel Wasser - das ist beim kommerziellen Anbau ein Problem. © Catherine Waibel/dpa-tmn

Das Fazit von Hess: „Bio-Baumwolle als Maßstab anzulegen, ist ein guter Anfang, macht aber noch kein nachhaltiges Kleidungsstück.“ Hier gilt es also wieder, auf Siegel zu achten, die möglichst den gesamten Herstellungsprozess als nachhaltig zertifizieren. dpa

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