„Kein Tabu-Thema“

Wincent Weiss spricht offen über Erkrankung - Nach Veränderung erkannte Mutter ihn nicht wieder

Wincent Weiss, Pop-Sänger, steht zum weltweit ersten Facebook-Weihnachtskonzert auf der Bühne in der Laeiszhalle.
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Wincent Weiss bei einem Konzert 2019. (Archivbild)

Der deutsche Sänger und Songwriter spricht offen über die Erkrankung, die ihn massiv veränderte – und darüber, wie er an seinen persönlichen Wendepunkt kam.

Triggerwarnung: Depression

Berlin - Er surft mit High-Speed auf der Erfolgswelle im Deutsch-Pop, vor wenigen Tagen ist sein drittes Album „Vielleicht Irgendwann“ erschienen – und es kommt an. Wincent Weiss ist einer der Durchstarter in den deutschen Charts der letzten Jahre, trotzdem finden sich in seinen Songs jetzt auch Zeilen mit dunklem Hintergrund: „Kein Gefühl, dass mir mal für ne Sekunde bleibt, nur dieses Etwas, das mich ständig aus dem Leben reißt“ heißt es beispielsweise in „Wie es mal war“.

Wincent Weiss: „Ich habe mich zu dieser Zeit sehr gleichgültig gefühlt“

Schon länger spricht der 28-Jährige offen über seine Erfahrung mit Depressionen und Therapie, er will sich dafür einsetzen, dass das keine Tabu-Themen sind: Ein reflektierter Umgang damit „sollte kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke sein“. Seine eigene Erkrankung habe er selbst anfangs allerdings nicht wirklich ernst genommen, erklärt er jetzt in einem Interview mit der Nachrichten-Agentur spot on news. Für Weiss begann die Veränderung seiner Psyche mit zunehmender Gleichgültigkeit: „Ich hatte keinen Ausschlag mehr in die positive und keinen mehr in die negative Richtung und das hat mich irgendwann genervt“.

Wincent Weiss: Songwriting wurde für ihn zur Therapie

Nach dem anfänglichen Herunterspielen dieser Anzeichen habe es ihn dann aber irgendwann „aus den Schuhen gerissen“. Der „The Voice Kids“-Juror bekam vor allem von einer Person ausschlaggebendes Feedback: „Spätestens als meine Mum gesagt hatte, dass sie mich nicht wiedererkennt“ habe er den Ernst der Lage erkannt. Weiss holte sich Hilfe in Form von Therapie, auch die Musik wurde zum Ventil – das hört man auf dem neuen Album. „Ich saß im Studio und habe mit meinem Produzenten und meinen Songwriter-Freunden über alles gesprochen, was mich bewegt und was rausmusste und dies dann in Songs gepackt“, so Weiss gegenüber spot on news.

Mittlerweile sieht sich der Musiker auf einem guten Weg, zu dem auch der Lockdown im vergangenen Jahr beigetragen hat, „weil ich das erste Mal Zeit hatte“. Unter dem Strich fällt seine Bilanz gemischt, aber eher positiv aus: „Es gibt immer wieder Down-Phasen, aber so schlimm wie es mal war, ist es nicht mehr.“ (eu)

Auch das Thema Dating findet Platz in den Texten von Weiss – dabei hatte er aber bisher weniger Erfolg als in der Musik, so sperrte ihn beispielsweise die Plattform Tinder.

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de/0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de/.

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