Wolfgang Niedecken über den Künstler

BAP gratuliert Bob: Dylan wird am Dienstag 75

Wolfgang Niedecken (r.) gratuliert Bob Dylan zum 75.
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Wolfgang Niedecken (r.) gratuliert Bob Dylan zum 75.

München - Vor 50 Jahren lernte BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (65) die Musik von Bob Dylan kennen. Er durchzieht sein künstlerisches Leben. In der tz gratuliert BAP Bob zum 75. Geburtstag.

"Wenn Bob wirklich mal den Literaturnobelpreis bekommt, dann kann das heiter werden. Ich sage nur: Preisverleihung 2012, als Barack Obama ihn fürs Lebenswerk ehrte. Das war ganz großes Kino. Bob ist nun mal absolut kein Rampenlicht-Mensch. Manchmal setzt er sogar zu einer Rede an, stammelt zwei Wörter und huscht wieder von der Bühne. Das ist schon chaplinesk. Aber, wie Obama so schön sagte: ,Das ist Bob Dylan, und ich bin nur Präsident der Vereinigten Staaten.‘

Wolfgang Niedecken hat Bob Dylan zwei Mal getroffen

Ich habe Bob zwei Mal getroffen, das erste Mal im Schlepptau von Wim Wenders, den Bob kannte. Das war natürlich für Dylan etwas anderes als ein lästiges Meet & Greet. Ich pflege einen kräftigen Händedruck, der so gar nicht erwidert wurde von diesem kleinen, gebrechlich wirkenden Mann. Zum Glück hatte ich ihm seine Rechte nicht gebrochen. Kaum zu glauben, dass Dylan Boxfan ist und ab

Vor 50 Jahren spielte Niedecken (r.) Bass in der Band des Rheinbacher Gymnasiums bei Bonn: „Der Sänger musste Abi machen und stieg aus, hatte aber Dylans Like A Rolling Stone auf LP dabei. Der Song fuhr wie ein Blitz direkt in mein Hirn. Ich stellte meinen kunstlederfarbenen Plastikbass von Quelle ins Eck und sagte: ,Ich werde der Sänger‘“, sagt Niedecken.

und zu mit Mickey Rourke im Ring steht … Ich lernte einen freundlichen, stillen, bescheidenen Weltstar kennen.

Bob Dylan erfüllt keine üblichen Kriterien eines Musikers. Er produziert etliche Rohdiamanten, die oft erst in Coverversionen zum Funkeln gebracht werden. Dylan geht ins Studio, nimmt eine Version auf, und wenn sie ihm nicht passt, dann macht er eine weitere. Die wieder ganz anders klingt.

Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass Dylan irgendetwas tut, um mir zu gefallen. Um dem Publikum zu gefallen. Manchmal denke ich mir: Jetzt singt er auch noch Sinatra-Songs, was soll das?! Aber der Mann darf auch das Telefonbuch absingen: Wenn es ihn happy macht, ist das in Ordnung. Er hat es sich wahrlich verdient.

Musik und Text sind bei Bob Dylan eins

Bob ist, nein: schafft ein Gesamtkunstwerk. Musik und Text sind eins. Er hat die Akkorde nicht neu erfunden, aber wenn man das Gesamtwerk betrachtet, dann sieht man eine unglaubliche Vielseitigkeit. Klar, er arbeitet mit guten Leuten, aber Dylan gibt die Richtung vor. Auf jeden Fall gibt es bei ihm keine Zukleisterei. Und wer schöne Stimmen hören will, soll in die Oper gehen. Rockmusik braucht keine schönen, sondern unverwechselbare Stimmen.

Ich habe von Bob Dylan sehr viel gelernt. Wie strukturiere ich einen Song? Wie lasse ich einen Text fließen, wie reduziere ich ihn? Überhaupt die Reduktion: Da ist Bob Dylan ein Meister, und das liegt mir ebenfalls. Mein Lieblingsgitarrist ist bis heute Keith Richards von den Stones. Sicher kein Virtuose, aber das ist egal. Alles Gute, Bob!"

Aufgezeichnet hat das Interview mit Wolfgang Niedecken

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