Neuerscheinung

Wetten, Sie werden Wolfgang Petry nicht wiedererkennen?

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Die Haare, das Hemd, die Freundschaftsbändchen - so kannten die Fans Wolfgang Petry.

Der einstige Schlagerkönig Wolfgang Petry hat sich neu erfunden. Drei Jahre hat er an seinem neuen Album „Happy Man“ gearbeitet - und ist kaum wiederzuerkennen.

Solange „Wer wird Millionär?“ pausiert, ist diese Platte ein exzellenter Quiz-Ersatz. Einfach mal der Familie oder den Kollegen vorspielen – und fragen, wer da in „Getting old“ so vortrefflich übers Älterwerden philosophiert. Und der Harmoniegesang zu Beginn von „Sigh no more“ – sind die Eagles zurück? Ach von wegen. Von den Eagles ist dieser Sänger so weit entfernt wie der Himmel von der Hölle, Hölle, Hölle. Und mit dieser Hilfestellung wird das Raten dann schon leichter. Das wird doch nicht...?

Hätten Sie ihn erkannt? Wolfgang Petry heißt jetzt Franz Remling und hat sich mit seiner Pete Wolf Band als Country- und Bluessänger neu erfunden.

Doch, er ist es tatsächlich. Der Mann, der Wolfgang Petry war, der König des Partyschlagers, hat sich umgetauft in Pete Wolf. Er singt jetzt Country, Blues und Rock, auf Englisch, mit leicht rheinischem Einschlag. Das kommt unerwartet. Doch was noch viel überraschender ist: „Happy Man“, das Debütalbum der Pete Wolf Band, ist überaus gelungen, mit findiger Songauswahl und feinem handgemachten Sound. Nicht schlecht, was good old Wolle da mit 66 neu anfängt.

Die berüchtigten Freundschaftsbändchen hat Petry schon 2002 entsorgt, seinen Rücktritt vom Singen erklärte er vier Jahre später. Seitdem ist er mehr oder weniger spurlos verschwunden, als eine Art Greta Garbo des Schlagers, beinahe als singendes Pendant zum seit Jahrzehnten unsichtbaren US-Schriftsteller Thomas Pynchon. Seine Hits hat er Sohn Achim vermacht, der sich mit Vadders „Wahnsinn“ und „Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n“ als Partysänger durchschlägt. Vadder heißt jetzt wieder Franz Remling, so wie früher, er treibt daheim in Bad Honnef viel Sport, sieht asketisch aus – und irgendwie juckt es ihn doch noch.

Das erste kleine Comeback 2015 mit dem deutschsprachigen Album „Brandneu“ klang gewöhnungsbedürftig, war aber erfolgreich – Platz eins in den Charts, wie immer bei Petry. Neue Schlager würden ihm seine Fans nach wie vor aus den Händen reißen. Aber der Mann ist Querkopf, bleibt Querkopf. Wenn ganz Deutschland wieder Schlager hört, singt er Country und Blues. In seiner Plattensammlung hat er die Songs entdeckt, die er nun auf „Happy Man“ covert: „Ich hör da so zu und denke: meine Güte, was für ein Output. Das ist alles an dir vorbeigegangen.“

Drei Jahre hat er im Verborgenen an dem Album gearbeitet, zunächst durfte nur Ehefrau Rosie zuhören. Für „Girl Crush“ von Little Big Town hat er seine Stimme ein wenig höher gelegt, in Joe Bonamassas „Different Shades of Blue“ packt ihn der Blues ganz gewaltig. Und „In between Dances“ von US-Countrystar Pam Tillis ist nur ein Beispiel für eine kenntnisreiche und sorgfältige Songauswahl, die auf abgegriffene Klassiker fast komplett verzichtet. „Getting old“, in dem sich „Wolle Wolf“ Gedanken macht, wie er wohl mit 84 oder 88 drauf sein mag, voller Liebe oder voller Hass, ist das einzige neue Stück – nicht von ihm selbst geschrieben, aber doch perfekt passend. Fernsehauftritte mit der Pete Wolf Band lehnt er ab, zum Verdruss seiner Plattenfirma. Franz Remling singt zwar wieder, doch ansonsten will er seine Ruhe haben.

Pete Wolf Band: „Happy Man“ (Sony).

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