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Die Tafel ist unsere Rettung

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Von: Dorit Caspary

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Platon freut sich, wenn er mit seiner Mama und seiner Babuschka die Lebensmittel der Münchner Tafel auspacken darf.
Platon freut sich, wenn er mit seiner Mama und seiner Babuschka die Lebensmittel der Münchner Tafel auspacken darf. © Marcus Schlaf

Das Leben von Viktoriia Sukhyna und Platon war noch nie leicht. Der Bub (fast 7) leidet an einer schweren Form von Autismus. Jegliche Veränderung stresst Platon. Um so härter war es für die Familie, als sie ihre ukrainische Heimat verlassen musste, um sich vor den Angriffen in Sicherheit zu bringen.

Ihre Geschichte hat nicht nur die Helfer der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München zutiefst bewegt, sondern auch die Münchner Tafel. Gemeinsam versuchen sie, Viktoriia, Platon und Baubschka Ganna zu helfen.

So können Sie spenden

Mit Ihrer Spende - und sei sie auch noch so klein — unterstützen Sie die tz-Hilfsaktion „Gemeinsam gegen Armut“ zugunsten der Münchner Tafel und von Unicef. Ganz konkret geht der Erlös an Menschen, die in München trotz aller eigenen Anstrengung auf Hilfe angewiesen sind, vor allem an Familien aus der Ukraine, die mit Nichts von einem Moment auf den anderen ihre Heimat verlassen mussten. Und an notleidende Kinder und Familien vor Ort, die in der Ukraine und den Nachbarländern gerade jetzt im Winter so dringend Unterstützung brauchen. Gemeinsam mit unseren Partnern und Ihnen, liebe Leser, möchten wir sowohl hier, direkt vor unserer Haustür, als auch in der Ukraine helfen. Armut kann jeden treffen. Egal wo. Durch Krieg, durch persönliche Schicksalsschläge. Deshalb: Bitte unterstützen Sie unsere Hilfsaktion mit Ihrer Spende.

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Bitte wählen Sie zunächst die Organisation aus, für die Sie spenden möchten. Geben Sie bei der Überweisung auf das jeweilige Konto unbedingt als Stichwort Armut an. Bei Spenden bis 100 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie von der jeweiligen Organisation automatisch eine Spendenquittung zugesandt. Bitte geben Sie im Feld Verwendungszweck unbedingt Ihren Namen und die Adresse an, sonst können wir Ihnen keine Spendenbescheinigung zuschicken. Empfänger ist entweder die Münchner Tafel oder Unicef.

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Mama Viktoriia (40) war glücklich. Ihr Leben in Baschtanka nahe Mykolajiw im Süden der Ukraine hatte Struktur – für ihren Sohn besonders wichtig. Gemeinsam mit Viktoriias Mutter Ganna (63) wohnten sie in einem Häuschen mit Garten, bauten ihr eigenes Gemüse an. Viktoriia hatte ein gutes Auskommen als Personalreferentin in der örtlichen Forstverwaltung. Babuschka konnte sich um ihren Enkel kümmern.

Auch als der Krieg in der Ukraine begann, war es für Viktoriia und Ganna nicht vorstellbar, ihr gewohntes Leben zu verlassen. „Es wird schon irgendwie agut gehen“, glaubten sie die ersten Tage. Doch dann wurden am 1. März in Baschtanka bei einem Angriff Läden, Häuser und Straßen zerstört. Platon wickelten sie in eine dicke Wolldecke und verschanzten sich mit ihm im Keller.

Barbara Schachtschneider, Bereichsleiterin der AKM-Angehörigenberatung, hilft Mama Viktoriia bei den Anträgen, um für Platon einen Platz in einer Inklusionseinrichtung zu finden.
Barbara Schachtschneider, Bereichsleiterin der AKM-Angehörigenberatung, hilft Mama Viktoriia bei den Anträgen, um für Platon einen Platz in einer Inklusionseinrichtung zu finden. © Marcus Schlaf

Bis zum 17. März harrten sie dort aus. Platon wurde krank. Auch ohne Krieg kann er seine Ängste kaum kontrollieren und nun war er Tage lang im Keller gefangen. An eine medizinische Versorgung war nicht zu denken. In diesen Tag organisierte die evangelische Kirchengemeinde der Stadt Busse in den Westen der Ukraine. Viktoriia, Ganna und Platon bekamen einen Platz.

Mit ein paar Tüten und Taschen reisten sie ab, ließen ihre Heimat und alles, was ihnen lieb war zurück. Es ging nach Iwano-Frankiwsk (bis 1962 Stanislau). Dort hat die Familie Verwandtschaft – aber schreckliches Heimweh. Sie beschlossen, lieber in ihrer Heimat auszuharren als irgendwo in der Fremde. Mit viel Glück kamen sie wieder unversehrt in Baschtanka an. Aber die Angriffe dort wurden immer heftiger, Zivilisten kamen unweit ihres Hauses ums Leben. Viel zu gefährlich für Platon. Und er hörte auf zu sprechen und zu essen. Innerhalb kurzer Zeit nahm der Bub vier Kilo ab. „Uns ist keine andere Wahl geblieben“, erzählt Viktoriia Sukhyna. Die beiden verließen erneut ihr Zuhause, allerdings ohne die Babuschka.

Erst Tage später trafen sie sich nach Aufenthalten in Lwiw später in Polen wieder. Dort kam Viktoriia mit Christine Bronner in Kontakt. Die in München die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz (AKM) gegründet hat und nun schwer kranke Kinder aus dem Kriegsgebiet holt. Sie sah sofort: Auch wenn Platon keine lebensbedrohliche Krankheit hat, braucht er doch dringend Hilfe. Und die bekam er.

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Seither kümmert sich das Ambulante Kinderhospiz München um die Familie, hat Ihnen in München eine Unterkunft besorgt, unterstützt sie bei allen medizinischen und bürokratischen Fragen und hat auch dafür gesorgt, dass sie mit der Münchner Tafel in Kontakt kommen. „Auch wenn das nicht zu unseren originären Aufgaben gehört, sehen wir die Unterstützung ganz klar als Akt humanitärer Hilfe“, erklärt Barbara Schachtschneider, Bereichsleiterin der AKM-Angehörigenberatung.

Eine der ersten Stellen, die wie so vielen anderen Flüchtlingen aus der Ukraine ganz unbürokratisch auch den Sukhynas geholfen hat, ist die Münchner Tafel. Jeden Samstag ist Viktoriia Sukhyna nun bei der Ausgabestelle an der Großmarkthalle, bekommt vor allem für Platon Lebensmittel, die ihm guttun, aber im Laden viel zu teuer wären. „Er isst so gerne Südfrüchte, braucht vor allem glutenfreie Nahrung“, erzählt Mama Viktoriia.

Sie ist dankbar für die Unterstützung. Nicht nur für die Lebensmittel. Für jedes freundliche Wort, für jede Hilfe bei bürokratischen Hürden. Für die Hilfe bei der Suche nach einer integrativen oder heilpädagogischen Schule für Platon. „Die Hilfsbereitschaft für uns ukrainische Familien hier ist überwältigend.“

Gründerinnen der Münchner Tafel erinnern sich: Wie alles mit einer kühnen Idee begann

Es ist viel passiert seit 1994, als Hannelore Kiethe, Vera Mauser und fünf Freundinnen beschlossen, den Verein Tischlein Deck Dich zu gründen. Mit einem Lächeln denken Tafel-Chefin Hannelore Kiethe und Mitbegründerin Barbara Dengler an die Anfänge zurück. Als etwa ein Dutzend Menschen mit Tüten unter den Armen in der Blumenau standen und argwöhnisch fragten, ob es hier wirklich Lebensmittel umsonst gäbe. „Kein Trick dabei?“ Nein, kein Trick dabei. Hannelore Kiethe: „Wir mussten Vertrauen aufbauen. Wir sprachen die Menschen an, wir interessierten uns für ihre Familien und Situationen und vor allem: Wir blieben nicht plötzlich weg.“ Egal bei welchem Wetter, einmal in der Woche, immer am gleichen Tag, immer an der gleichen Stelle.

Ausgabenstellenleiterin Shauna Speck (l.) freut sich über den Besuch von Hannelore Kiethe und Barbara Dengler (r.)
Ausgabenstellenleiterin Shauna Speck (l.) freut sich über den Besuch von Hannelore Kiethe und Barbara Dengler (r.). © Marcus Schlaf

Das ist bis heute so. „Vertrauen ist das Wichtigste“, sagt auch Barbara Dengler, eine der Mitbegründerinnen der Münchner Tafel. 22 Jahre lang hat sie an der Ausgabe in der Blumenau mitgeholfen. „Dann hat es beruflich nicht mehr gepasst. Wenn man nur ab und an vorbeikommt, dann macht das keinen Sinn. Man muss die Menschen regelmäßig sehen, mit ihnen in Kontakt sein.“

Umso mehr freut es Barbara Dengler, wenn sie sieht, wie gut es in der Blumenau bei Ausgabestellenleiterin Shauna Speck läuft. Es ist die einzige Ausgabestelle, die entlang einer Straße aufgebaut wird und ein eigenes Halteverbotsschild des KVR hat. Zwischen Ida-Schumacher-Weg und Ludlstraße versorgen heute 22 Helfer rund 196 Familien, also knapp 500 Personen. Und die Passanten sehen quasi auf der Straße, wie die Tafel arbeitet und wo die Spenden hingehen. Direkter ist Hilfe kaum wahrnehmbar. Das ist heute nicht anders als in den Anfangsjahren der Münchner Tafel.

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