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Der Weg einer Münchner Familie aus der Armut: Wir haben’s geschafft!

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Von: Dorit Caspary

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Hannelore Kiethe freut sich, dass Yvonne Knogl (l.) die IT der Münchner Tafel am Laufen hält. Bald wird die 40-Jährige fest angestellt.
Hannelore Kiethe freut sich, dass Yvonne Knogl (l.) die IT der Münchner Tafel am Laufen hält. Bald wird die 40-Jährige fest angestellt. © Klaus Haag

Sich mutig hinzustellen und zu sagen „Wir sind Gäste der Münchner Tafel“ fällt vielen schwer. Nicht Familie Knogl, die stellvertretend für die Arbeit der Münchner Tafel unserer Aktion ein Gesicht gibt.

Im vergangenen Jahr haben wir ihre Geschichte erzählt. Jetzt wollten wir wissen, wie es den Knogls seitdem ergangen ist. Das hat uns auch am Drohnenprojekt in Malawi interessiert, das eine deutsche Firma 2017 gemeinsam mit Unicef ins Leben gerufen hat. Ein Überblick, was Hilfe bewirken kann. 

Yvonne Knogl ist stolz auf ihre Töchter. Joyce (11) hat es trotz Corona aufs Gymnasium geschafft und Katharina (13) gibt in der Realschule richtig Gas. „Ich freue mich jeden Tag, dass die beiden sich so anstrengen und so gut ihren Weg gehen“, sagt die 40-Jährige dankbar. Vor einem Jahr sah das noch anders aus. Damals haben wir über die Familie aus Giesing erstmals berichtet. Stellvertretend für die 22 000 Gäste,die die Münchner Tafel jede Woche mit Lebensmitteln versorgt. Die Knogls haben unserer Hilfsaktion ein Gesicht gegeben und tun das heuer wieder. „Wenn wir so zeigen können, wie wertvoll die Arbeit der Tafel ist, dann tun wir das.“

Weihnachts-Aktion für Münchner Tafel und Unicef: Yvonne Knogl und ihre Töchter geben unserer Hilfsaktion ein Gesicht

Noch immer lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Töchtern auf 54 Quadratmetern in Giesing. Ihr Bett steht auch nach wie vor im Wohnzimmer, ist Spielwiese für Kater Jerry und Hündin Coco. Ein eigenes Schlafzimmer wäre natürlich schön. „Aber es geht auch so und die Behörden haben ganz klar gesagt, dass wir froh sein sollen, in München eine Wohnung zu haben“, erzählt Yvonne Knogl. Also versucht sie, es so gemütlich und schön wie möglich zu machen.

Das Beste aus der Situation machen, das ist schon lange das Motto von Yvonne Knogl. Seit acht Jahren ist sie Tafelgast und seit März sogar Mitarbeiterin mit Aussicht auf eine Festanstellung. „Ich bin in Teilzeit in meinem gelernten Beruf als IT-Fachkraft in der Verwaltung und kümmere mich um alle PCs, Tablets, Rooter etc.“ Bisher als Bufdi (Bundesfreiwilligendienst), ab März fest angestellt. Ist Tafel-Chefin Hannelore Kiethe im Büro, schaut sie fast immer bei Yvonne Knogl im Kontorhaus am Großmarkt vorbei. „Frau Knogl lacht so gerne und hat immer ein Strahlen für mich, so kann ein Tag doch beginnen. Wir freuen uns immer, wenn Tafelgäste über uns einen Weg zurück ins Berufsleben finden. Viele machen einfach einen verdammt guten Job, sie brauchen nur die Möglichkeit, ihn auch machen zu können.“

Yvonne Knogl und ihre Töchter Joyce und Katharina geben unserer Hilfsaktion seit 2020 ein Gesicht.
Yvonne Knogl und ihre Töchter Joyce und Katharina geben unserer Hilfsaktion seit 2020 ein Gesicht. Danke für diesen Mut! © Klaus Haag

Joyce und Katharina sind stolz auf ihre Mama. „Unsere Mutter ist echt gut mit Computern, manchmal erklärt sie sogar unseren Lehrern, was sie machen müssen, dass ihre PCs und Programme laufen.“

Das nächste Ziel der Familie ist, sich vollständig selbst finanzieren zu können. Noch sind sie Gäste der Tafel. Denn als Bufdi bekommt man nur ein Taschengeld, das in München nicht mal für die Hälfte der Miete der Sozialwohnung reicht. „Bei uns ist deshalb jeden Freitag Freutag. Der Tag, an dem wir bei der Tafel unseren Wocheneinkauf machen. Fast immer ist etwas Überraschendes dabei, mit dem wir nicht gerechnet haben. Das berühmte Haarspray zum Beispiel, das ich dann nicht kaufen muss und so Luft für etwas anderes habe.“

Yvonne Knogl hat gelernt, dass man Hilfe annehmen kann. Und dass es Menschen gibt, die gerne helfen. „Das hat mich auch im vergangenen Jahr nach der Berichterstattung in der Zeitung total überrascht. Dass sich Leser persönlich für uns interessieren, hat uns echt berührt. Zu manchen Familien haben wir immer noch Kontakt.“ Ein bisschen Bammel hatte sie schon, als sie sich bereit erklärt hatte, ihre Geschichte in der Zeitung zu erzählen samt Fotos von ihren Töchtern und ihrem Zuhause zu zeigen. „Nicht einer hat uns blöd angeredet, wir haben nur positive Reaktionen bekommen und auch die Mädels in der Schule wurden nur angesprochen, weil alle toll fanden, dass sie selbst beider Tafel mit anpacken.“ Derzeit können Joyce und Katharina nicht bei der Ausgabe helfen–die strengen Corona-Regeln erlauben das nicht. Doch sobald etwas Normalität in den Alltag der Ausgabestellen kommt, möchten sie wieder dabei sein, etwas von Hilfe, die sie selbst bekommen, zurückgeben.

Yvonne Knogl tut das jeden Tag – mit ihrem Lächeln, über das sich die Kollegen freuen. „Ja, ich kann wieder lachen. Seit ich den Job habe, bin ich weniger gestresst und genervt. Ich habe das Gefühl, dass sich alle hier füreinander interessieren und dass ich gebraucht werde. Fachlich.“

Trotz aller Schwierigkeiten, trotz Corona, freut sich die Familie Knogl aufs kommende Jahr und hat eigentlich nur zwei Wünsche: „Dass es weiter so bergauf geht und dass wir wirklich einmal zusammen in den Urlaub fahren können.“

Gemeinsam gegen Armut: So können Sie spenden

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Hilfsaktion Gemeinsam gegen Armut für die Münchner Tafel und Unicef. Konkret geht der Erlös an Familien, die in München trotz aller eigenen Anstrengungen auf Hilfe angewiesen sind–und an Kinder in Malawi, die nach Flut- und Dürrekatastrophen weder genug zu essen haben noch in die Schule gehen können. Gemeinsam mit unseren Partnern und Ihnen, liebe Leser, möchten wir direkt vor unserer Haustür helfen. Und wir wollen Menschen in Malawi unterstützen, einem der ärmsten Länder der Welt. Denn Armut kann jeden treffen. Egal wo.

Spende per Online-Überweisung: Bitte wählen Sie zunächst die Organisation aus, für die Sie spenden möchten. Geben Sie bei der Überweisung auf das jeweilige Konto unbedingt als Stichwort Armut an. Bei Spenden bis 100 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie von der jeweiligen Organisation automatisch eine Spendenquittung zugesandt. Bitte geben Sie im Feld Verwendungszweck unbedingt Ihren Namen und die Adresse an, sonst können wir Ihnen keine Spendenbescheinigung zuschicken. Empfänger: entweder Münchner Tafel oder Unicef.

Ein wichtiges Versprechen, das die tz seit über 30 Jahren hält: Jeder Cent, den Sie spenden, kommt zu 100 Prozent bei den Kindern und Familien an. Alle Verwaltungskosten werden aus anderen Töpfen und von Sponsoren übernommen.

Die Spendenkonten

Für Unicef:
Commerzbank
IBAN: DE78 7008 0000 0326 9000 00
BIC: DRESDEFF700

Für die Münchner Tafel e. V.
HypoVereinsbank
IBAN: DE37 7002 0270 6850 1933 10
BIC: HYVEDEMMXXX 

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen oder möchten selbst aktiv werden, beispielsweise eine eigene Spendensammlung oder Versteigerung organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary hat sich sowohl bei den Projekten der Münchner Tafel als auch bei Unicef ein Bild gemacht. Sie können sich sicher sein: Jeder Spenden-Euro wird dringend gebraucht und sinnvoll verwendet. Unsere Reporterin erreichen Sie unter Tel. 089/5306-512 oder per E-Mail unter dorit.caspary@merkurtz.de.

Spendenbeispiele

Nur 78 Euro reichen, um einen Tafelgast ein ganzes Jahr lang mit Lebensmitteln zu unterstützen. Wie Sie ganz einfach Gastgeber für Münchner in Not werden: www.muenchner-tafel.de

Mit 30 Euro kann Unicef einen Monat lang ein akut mangelernährtes Kind mit lebensrettender Erdnusspaste versorgen.

 

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