Der Talk bei Radio Bremen

3 nach 9: Alle Informationen zur ältesten Fernseh-Talkshow Deutschlands

500. Sendung der Talkshow 3 nach 9
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Moderatoren und Gäste in der 500. Sendung der Radio-Bremen-Talkshow „3nach9“ stehen vor der Sendung im Foyer des Sendesaales in Bremen zu einem Gruppenfoto zusammen

Seit 1974 wird 3 nach 9 beim Sender Radio Bremen produziert. Die Talkshow läuft einmal monatlich freitags beim Heimatsender sowie auf weiteren dritten Programmen.

Bremen – Am 19. November 1974 strahlten der NDR und Radio Bremen erstmals ein seinerzeit noch neues Format aus. In der Talkshow III nach neun (der Name wurde später geändert) trafen drei Moderatoren auf ihre Gäste. Sie war damit ein Vorläufer für zahlreiche moderne Sendungen. Die heute als 3 nach 9 bekannte Talkshow läuft bis heute mit großem Erfolg.

3 nach 9: Anfänge und Geschichte

Mitte der 1970er-Jahre waren Talkshows im deutschen Fernsehen noch rar. Mit 3 nach 9 startete im November 1974 ein neues Konzept, das sich in vielerlei Hinsicht von bestehenden Formaten unterschied. Der Titel der Sendung war eine Hommage an die bis 1974 im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlte Show „Drei mal Neun“ mit Wim Thoelke. Diese übernahm im selben Jahr die Sendung „Der Große Preis“. Die Zahl drei stand außerdem für die drei Moderatoren, die sich die Pole Position in der Talkshow teilten.

Die ersten Sendungen liefen im gemeinsamen Programm von Radio Bremen, NDR und SFB (Sender Freies Berlin). Auffällig war das ungewöhnliche Konzept der Sendung. Es stammte von Dieter Ertel, Mitte der 1970er-Jahre Programmdirektor von Radio Bremen. Ertel zeichnete für zahlreiche Produktionen verantwortlich und etablierte mit dem dokumentarischen Fernsehspiel „Der Fall Liebknecht-Luxemburg“ einen Vorläufer heutiger Reality-Dokus im deutschen TV. Nicht zuletzt entdecke Ertel Loriot Ende der 1960er-Jahre für das TV.

3 nach 9 zeichnete sich nach Ertels Idee durch eine gewisse Freiheit und Unkonventionalität aus. So waren die im Studio anwesenden Regisseure und Redakteure immer wieder auf den Bildschirmen zu sehen. Diese entschieden zudem von Sendung zu Sendung, wann genau der Abspann einsetzen sollte. 3 nach 9 sollte nach dem Willen Ertels als „Anti-Magazin“ daherkommen, mit ungeplanten Ereignissen und von spontanen Äußerungen der Moderation sowie ihrer Gäste leben.

3 nach 9: Das Konzept der Sendung

Der Erfinder von 3 nach 9, Dieter Ertel, entwickelte das Konzept der Talkshow nach einem Motto von Bertold Brecht: „Vor allem aber achtet scharf, dass man hier alles dürfen darf.“ Die Moderatoren und Gäste nahmen das nicht selten wörtlich. Oftmals fühlten sich Gesprächspartner späteren Aussagen und Briefen an den Intendanten von Radio Bremen zufolge angepöbelt oder beleidigt. Nach Ausstrahlung der ersten Sendung befand das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, die Sendung bringe „Leben in die Bude“. Auch das Publikum wurde Teil des Gesamtkonzepts und mischte sich des Öfteren ein. Im Jahr 1987 zum Beispiel protestierte eine Zuschauerin lautstark während eines Interviews mit der Pornodarstellerin Teresa Orlowski.

3 nach 9: Kritik in den Anfangsjahren

Ertels Konzept ging auf. Die drei ersten Moderatoren von 3 nach 9 – Wolfgang Menge, Marianne Koch und Gert von Paczensky – heimsten viel Lob für ihre Talkshow ein. Es hagelte im Laufe der ersten Jahre jedoch auch einiges an Kritik. Die betraf vor allem die unkonventionellen Themen, die Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre längst nicht Usus waren, etwa um Sex-Spielzeuge.

3 nach 9: Moderatoren früher und heute

Das Konzept von 3 nach 9 hat sich bis heute insofern geändert, als dass nicht mehr drei, sondern zwei Personen die Moderation übernehmen. Das Trio Wolfgang Menge, Marianne Koch und Gert von Paczensky löste sich bereits 1975 auf: An Stelle von Paczensky trat Karl-Heinz Wocker. Alle weiteren Moderatoren und Moderatorinnen der Talkshow im Überblick:

  • Carmen Thomas (1975 bis 1977)
  • Lea Rosh (1982 bis 1989)
  • Dagobert Lindlau (1982 bis 1989)
  • Günther Nenning (1982 bis 1989)
  • Wolfgang Hagen (1986)
  • Juliane Bartel (1989 bis 1998)
  • Giovanni di Lorenzo (seit 1989)
  • Randi Crott (1989 bis 1991)
  • Ilja Richter (1989 bis 1990)
  • Gaby Hauptmann (Ende der 1990er-Jahre)
  • Amelie Fried (1998 bis 2009)
  • Charlotte Roche (2009 bis 2010)
  • Judith Rakers (seit 2010)

Aktuell sitzen Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers am Moderatoren-Couchtisch der Sendung. Di Lorenzo ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Mitherausgeber der Tageszeitung „Tagesspiegel“. Rakers ist seit 2005 Sprecherin der Tagesschau in der ARD.

3 nach 9: Besondere Gäste und Ereignisse

Die dienstälteste Talkshow im deutschen Fernsehen kann bereits zahlreiche prominente und kontroverse Gäste verzeichnen. Insgesamt saßen mehr als 4.000 Prominente, Politiker, Journalisten und andere Personen des öffentlichen Lebens am Drehort im Bremer Studio.

Bereits in den Anfangsjahren sorgte 3 nach 9 durch die Gästeauswahl für so manchen Eklat. Ende der 1970er-Jahre besuchte unter anderem die durch ihre Erotikgeschäfte bekannt gewordene Beate Uhse das TV-Studio und erklärte Moderator Wolfgang Menge den Gebrauch eines Dildos und eines Präservativtrockners. Die 68er-Ikone Fritz Teufel diskutierte am 19. Februar 1982 mit dem damaligen Bundesfinanzminister Hans Matthöfer über Knigge und gutes Benehmen. Im Verlauf der Sendung zog er eine Wasserpistole mit Zaubertinte, mit der er den Minister bespritzte. Dieser begoss Teufel daraufhin mit seinem Wein.

3 nach 9: Eklats im Laufe der Sendungsgeschichte

Ein Weinglas stand auch im Mittelpunkt einer Sendung aus dem Jahr 1984: Die Journalistin, Autorin und Feministin Gerlinde Schilcher kippte dieses dem Hannoveraner Bordellchef Karl-Heinz Germersdorf nach einer hitzigen Diskussion in den Nacken.

Franz Schönhuber, der ehemalige Bundesvorsitzende der rechtskonservativen Partei „Die Republikaner“, war 1990 Anlass für eine Unterbrechung der Sendung. Während seines Auftritts warfen Demonstranten Steine gegen das Studiofenster. Eine ging zu Bruch.

Im November desselben Jahres brach Eberhard von Brauchitsch im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo erstmals sein Schweigen in der Flick-Affäre. Der Parteispendenskandal führte in den 1980er-Jahren zu einem Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber den etablierten Parteien.

3 nach 9: Gäste der jüngsten Zeit im Überblick

Der bis dato letzte Eklat in der Talkshow 3 nach 9 ereignete sich 2009: Nahost-Experte Peter Scholl-Latour und Melody Sucharewicz, ehemalige Sonderbotschafterin Israels und PR-Managerin, gerieten in einer Diskussion über den Gaza-Krieg aneinander. Kritik hagelte es vor allem für die Moderatoren Giovanni di Lorenzo und Amelie Fried. Sie hätten sich zu stark zurückgehalten, als Sucharewicz Scholl-Latour angriff – zumal dieser von seinem Co-Gast nicht gewusst habe.

Im Oktober 2004 präsentierte die Sendung eine zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Sängerin: Amy Winehouse startete nach ihrem Auftritt bei 3 nach 9 ihre Weltkarriere.

Eine Auswahl weiterer Gäste der vergangenen Jahre:

  • Siegmar Gabriel (April 2020)
  • Sebastian Fitzek (Mai 2020)
  • Markus Söder (Mai 2020)
  • Dieter Nuhr (Juni 2020)
  • Katharina Thalbach (Juli 2020)
  • Reinhold Messner (Oktober 2020)
  • Maria Furtwängler (Oktober 2020)
  • Robert Habeck (Januar 2021)
  • Axel Schulz (Januar 2021)
  • Michael Mittermeier (März 2021)

3 nach 9: Sendeplätze und Ausstrahlungszeiten

In den ersten Jahren lief 3 nach 9 einmal monatlich dienstags um kurz nach 21 Uhr. Mittlerweile hat sich der Sendeplatz um eine Stunde und einige Tage nach hinten geschoben: Aktuell sendet Radio Bremen die Talkshow alle vier Wochen freitags von 22 Uhr bis Mitternacht. Die Live-Sendung wird außerdem von den Sendern NDR Fernsehen, hr-fernsehen und rbb Fernsehen übertragen.

Zehn Tage nach der Erstausstrahlung wiederholt 3sat die Sendung. Darüber hinaus läuft 3 nach 9 alle vier Wochen in der ARD, jeweils im Wechsel mit den weiteren Talkshowformaten Kölner Treff, NDR Talk Show und Hier spricht Berlin. Die Sendung wird von der Bremedia Produktion GmbH hergestellt, der Produktionsfirma des Haussenders. Der Drehort ist das Eventstudio von Radio Bremen im Weser-Haus, direkt am Flussufer.

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