„Ich mag Traditionen“

„Türkisch für Anfänger“-Star Adnan Maral spielt Rolle des Paradebayern

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„Ist doch toll, dass das geht!“, sagt Adnan Maral. In seinem neuen Film „Servus, Schwiegersohn“ spielt der 51-jährige Schauspieler mit türkischen Wurzeln einen bayerischen Handwerker namens Toni Freitag.

Adnan Maral ist in „Servus, Schwiegersohn“ als Bayer Toni zu sehen. Der Film läuft am Freitagabend im Ersten. Wir trafen den Schauspieler zum Interview.

Mpnchen - „Türkisch für Anfänger“ machte ihn zum Star – die ARD-Serie, die so wunderbar mit deutsch-türkischen Klischees spielte und sie dadurch abbaute, war für Adnan Maral der Durchbruch im Fernsehen. Inzwischen ist der 51-Jährige Schauspieler, der mit seiner Frau und drei Kindern am Ammersee lebt, stark gefragt und gut gebucht, spielte vom „Tatort“ bis zur „Nachtschicht“ und „Helen Dorn“ in zahlreichen sehenswerten Produktionen mit. Am Freitagabend läuft um 20.15 Uhr sein neuer Film mit dem Titel „Servus, Schwiegersohn“ im Ersten. Maral ist in der Hauptrolle als „Paradebayer“ Toni Freitag zu sehen. Warum ihm diese Figur besonders am Herzen liegt und wie Maral es privat mit Traditionen hält, verrät er im Interview.

Vor zehn Jahren sprachen Sie in einem Interview über Ihren Wunsch, mal einen Hans zu spielen oder einen Klaus – statt immer nur Mehmet oder Metin. In „Servus, Schwiegersohn“ geben Sie nun einen Paradebayern namens Toni. Fühlen Sie sich am Ziel?

Adnan Maral: Ja, absolut (Lacht.) Ich habe in der Zwischenzeit zwar auch schon mal einen Deutschen gespielt, im „Tatort“ zum Beispiel. Aber so einen Ur-Bayern tatsächlich noch nicht. Ist doch toll, dass das nun geht! Ich habe lange für dieses Stück Normalität gekämpft.

Der Witz an der Geschichte ist nur, dass dieser Toni Freitag auch türkische Wurzeln hat – diese aber total verleugnet. In Wahrheit ist sein Vorname Tolga, den Nachnamen Büyüktürk hat er gegen den seiner Frau eingetauscht. Alles nur, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Können Sie das verstehen?

Maral: Ich kann es schon verstehen und kenne zum Beispiel türkischstämmige Schauspieler, die unter einem anderen Namen arbeiten. Wahrscheinlich in der Hoffnung, mit einem nicht so ausländisch klingenden Namen eine höhere Akzeptanz zu finden.

Sie haben nie mit dem Gedanken gespielt?

Maral: Nein. Ich lebe mit meiner Familie seit über zehn Jahren in Bayern und stehe total zu meinen Wurzeln, die würde ich auch niemals verleugnen. Ich fühle mich so, wie ich bin, sehr wohl und in der Gesellschaft angenommen. Ich erinnere mich aber, wie ich in der vierten Klasse im Unterricht saß mit meiner schwarzen Lockenpracht auf dem Kopf und es mir auffiel, dass meine Kameraden alle blonde glatte Haare hatten. Da habe ich zu Hause auch gekämmt wie ein Irrer – aber irgendwann festgestellt, dass die Mädels die Locken gar nicht so schlecht fanden (Lacht.) Und dann habe ich sie so gelassen.

Adnan Maral: „Gehe auch mit Lederhose auf das Oktoberfest“

Ihre Filmfigur Toni will unbedingt Schützenkönig werden. Dann wäre sein Glück in der Dorfgemeinschaft perfekt.

Maral: Über das Thema Schützenkönig bin ich überhaupt erst auf die Idee zu diesem Film gekommen. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass in Nordrhein-Westfalen ein türkischstämmiger Mann Schützenkönig (tz.de* berichtete) wurde. Und dann hat irgendjemand aus dem Schützenverein dort in die Statuten geschaut und festgestellt: Ein Moslem kann nicht Schützenkönig werden. Das stand da tatsächlich drin. Dann wurde diskutiert, es ging hin und her. Am Ende haben sie die Statuten geändert.

Redakteurin Stefanie Thyssen traf Adnan Maral zum Interview.

Wie halten Sie es privat mit Traditionen?

Maral: Ich mag Traditionen, und wenn ich in Bayern lebe, gehört das Oktoberfest einfach dazu. Dann gehe ich da auch hin und ziehe meine Lederhose an. Aber der entscheidende Unterschied ist ja: Ich bleibe Adnan Maral mit meinen türkischen Wurzeln. Ich muss auf der Wiesn nichts von meiner Identität aufgeben. Der Toni im Film macht übrigens auch eine Entwicklung durch. Und ohne zu viel zu verraten: Darüber bin ich ganz froh.

Sie haben den Film selbst produziert – weil Sie so Ihre Ideen besser umsetzen können?

Maral: Ja, auch. Das entspricht auch mehr meinem Typ. Ich möchte aktiv etwas beitragen und nicht darauf warten, dass mir eine Rolle angeboten wird, die mir gefällt. Und ich habe so viele Ideen, da war die Zeit reif, meine eigene Firma zu gründen (Lacht.)

Adnan Maral arbeitet mit Herbert Knaup an einem neuen Projekt

Abgesehen vom Thema Integration ist „Servus Schwiegersohn“ eine zauberhafte Familienkomödie, die davon erzählt, wie schwierig es für Eltern ist, ihre Kinder loszulassen. Wie sind Sie als Vater? Sie haben zwei Söhne und eine Tochter.

Maral: Ja, und ich bin gespannt, wie das wird, wenn sie groß sind (Lacht.) Eines aber ist mir in den vergangenen Jahren schon klargeworden: Loslassen muss man die Töchter genau wie die Söhne. Das ist ein total gleichberechtigtes Ding (Lacht.) Ich habe neulich wieder jemanden darüber reden hören, wie er mit dem Baseballschläger vor der Tür stehen will, wenn sein Töchterchen Jungsbesuch bekommt. Das finde ich so abwegig. Mir ist total klar, dass, wenn mein Sohn seine Freundin eines Tages mit nach Hause bringt, ich auch meiner Tochter erlauben muss, ihren Freund einzuladen. Alles andere würde sie auch gar nicht akzeptieren.

An was arbeiten Sie zurzeit?

Maral: Wir haben ein Projekt in der Entwicklung, da spielen Herbert Knaup und ich ein Brüderpaar, das ein Bestattungsunternehmen erbt. „Eddy und Heinz und der letzte Wille“ ist der Arbeitstitel. Das könnte man auch als Reihe erzählen. Wir haben noch nicht das letzte Okay, aber Herbert und ich sind total heiß drauf.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen

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