TV-Kritik „Todesengel“ 

Drei Engel für die Stasi: ARD-Krimi im Blutrausch

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Hauptkommissar Jan Fabel (Peter Lohmeyer) und Kommissarin Anna Wolff (Ina Paule Klink) jagen im Krimi „Todesengel“den „Engel von St. Pauli“.

Im ARD-Krimi „Todesengel“ spielt Peter Lohmeyer zum fünften Mal den Kommissar Jan Fabel aus Hamburg. Diesmal geht es - gemessen an der Reihe - gemäßigt zu. Die TV-Kritik. 

Aufgeschlitzte Rücken, skalpierte oder bei lebendigem Leibe verbrannte Opfer. Die Kriminalfälle des Hamburger Hauptkommissars Jan Fabel (Peter Lohmeyer) erfordern ein robustes Gemüt, die TV-Adaptionen sind in der Regel nicht jugendfrei. Im fünften Film rund um diese Figur, erneut basierend auf einem Roman des schottischen Kriminalschriftstellers Craig Russell, geht es, gemessen an früheren Beiträgen dieser Reihe, fast schon gemäßigt zu. 

Durchschnittene Kehlen, abgetrennte Geschlechtsteile, ein Giftmord – längst nicht das Übelste, was Fabel im Laufe seiner Dienstzeit zu Gesicht bekam. Am Elbeufer wird die Leiche eines Journalisten und Buchautors gefunden. Fabel braucht keine eingehende Fundortanalyse, um zu erkennen: „Der Engel ist zurück“. Gemeint ist der „Engel von St. Pauli“, der Jahre zuvor nach gleichem Muster Männer tötete und entmannte, die Frauen misshandelt, entwürdigt oder sich an ihnen vergangen hatten. Fabel konnte den Täter – oder die Täterin – nicht dingfest machen. Das damalige Versagen wird nun zur doppelten Belastung, da bald noch ein weiterer Mord mit denselben Tatmerkmalen geschieht.

TV-Kritik Krimi „Todesengel“: Das Publikum weiß mehr

Zeitgleich befasst sich Fabels Lebensgefährtin Susanne Eckhardt – erstmals gespielt von Proschat Madani, die die Rolle von Marie-Lou Sellem übernahm – mit der Flucht der Patientin Margarethe Paulus (Anne Ratte-Polle) aus der forensischen Psychiatrie. Die Zuschauerschaft weiß schon vor den polizeilichen Ermittlern, dass diese beiden Fälle zusammenhängen. 

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Die Waise Margarethe Paulus wurde als Kind noch zu DDR-Zeiten von staatlicher Seite zur Auftragsmörderin ausgebildet, zusammen mit anderen Mädchen. Mit zweien von ihnen bildete sie eine eingeschworene Gemeinschaft. Wie es der Zufall will, treffen alle drei und ihre beiden Ausbilder in Hamburg zusammen. Mit entsprechend mörderischen Folgen. Ein halbes Dutzend Tote, mehrere Verletzte, so die Bilanz dieses Kriminalfilms und zugleich das bestimmende Gestaltungsmerkmal. Es ist das übliche Schema des Serientäterkrimis, eine Genrevariante, mit der sich Krimiautoren die Arbeit gern erleichtern. Es erfordert erzählerisches Können, um psychologische Tiefe sowie die mit einem Verbrechen immer verbundene Tragik, die sozialen Hintergründe in eine spannende Handlung zu kleiden. 

Einfacher ist es, Mord an Mord zu reihen, Gewaltfantasien auszubreiten. Je grausamer, desto wirkungsvoller. So lassen sich auch Plausibilitätsmängel, von denen es in diesem Film einige gibt, notdürftig übertünchen.

TV-Kritik Krimi „Todesengel“: Wortkarg durchs abgeschattete Hamburg

Die filmische Machart entspricht dem klischierten Inhalt. Der Noir-Look, die halbdunklen Bilder, werden nicht gezielt eingesetzt, sondern dem gesamten Film übergestülpt, wirken entsprechend unecht, sind reine Masche. Der Hauptdarsteller Peter Lohmeyer fährt oder läuft durch ein abgeschattetes Hamburg, schaut geknickt, redet wenig, belässt es schauspielerisch bei einer dauerhaft kummervollen Miene. Auch wieder praktisch. So muss man sich nicht auf jede Szene neu einstellen, wenn, was die Regel ist, von der Handlungschronologie abweichend gedreht wird. 

Hamburgerinnen und Hamburger aber sollten sich von derlei genussvollen Gewaltdarstellungen keine Angst einjagen lassen. 2018 ist die regionale Verbrechensrate gesunken. Die Kriminalstatistik verzeichnete zwanzig vorsätzliche Mordversuche und Morde gegenüber dreißig im Vorjahr.  

Von Harald Keller

„Todesengel“, Sonntag, 15.12., Das Erste, 21:45 Uhr

Das Erste (ARD) hat mit „Unschuldig“* erst vor Kurzem ein anspruchsvolles, erstklassig besetztes Krimidrama nach britischem Vorbild gezeigt. Eine weitere TV-Kritik. Im ZDF läuft eine neue Folge von „Familie Bundschuh": „Wir machen Abitur“. Die vierte Komödie aus der Filmreihe nach den Romanen von Andrea Sawatzki ist erneut sehr unterhaltsam, wirkt aber wie eine Nummernrevue.

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Am Hauptbahnhof Frankfurt hat TV-Koch Steffen Henssler das Restaurant „Ahoi“ eröffnet. Trotz Schnelligkeit steht auch Qualität im Vordergrund.

„Obwohl ich dich liebe“: Eine Serie, bei der einem der Atem wegbleibt: Diese atemberaubende französische Mini-Mini-Serie fächert an einem einzigen Abend eine komplexe Krimi-Intrige auf, die sich über Jahrzehnte erstreckt.

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