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DDR-Posse in der ARD: Alle Fakten zur Serie "Sedwitz"

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Achtung, Grenze! Regisseur Paul Harather (Mitte, m. Hut) mit der fiktiven Punkband Wutpecker und den Schauspielern Stephan Zinner, Thorsten Merten, Stephan Trudel und Matthias Jentsch (v.l.n.r.) © dpa

München - Die DDR von ihrer komischen, skurillen Seite! Darum dreht sich die neue sechsteilige ARD-Serie Sedwitz, die ab Donnerstag im Ersten zu sehen ist.

Regisseur Paul Harather (50) und Autor Stefan Schwarz (50) ließen dafür einen kleinen Teil der Mauer noch einmal aufbauen, die vergangene Zeit noch einmal aufleben. Und sie widmeten sich der Frage, wie es denn nun wirklich zum Mauerfall kam. Die tz listet die wichtigsten Fakten zur neuen Serie auf.

Der Inhalt: Das kleine Dorf Sedwitz – ein fiktiver Ort an der fränkisch-thüringischen Grenze, im Jahr 1988. Dort leben 26 „Einwohner West“ und 23 „Einwohner Ost“. Hier verrichtet Ralf „Ralle“ Pietzsch (Thorsten Merten) tagein tagaus seinen Dienst an der Grenze – den bundesrepublikanischen Klassenfeind immer im Blick. Als ihm eines Tages Veteran Atze Stahlmann (Hansjürgen Hürrig) im Sterben den Schlüssel zu einem Geheimgang in den Westen anvertraut, ist Ralles Mission klar: Er will seinem Sohn den ersehnten Zauberwürfel besorgen. Der Trubel nimmt seinen Lauf …

Die Darsteller: Neben Hürrig und Merten sind auch Westgrenzer Hubsi (Stefan Zinner), Major Neubert (Olaf Burmeister) und Unteroffizier Möckl (Stephan Trudel) mit von der Partie. Auch Hannes Ringlstetter ist als Gastwirt Hans Haueisen zu sehen.

Drehort: Entstanden ist die Serie in Garching. Es handelt sich um eine gemeinsame Produktion des Bayerischen und Mitteldeutschen Rundfunks.

Ausstrahlungszeiten: Zu sehen ist die Serie ab heute, 23.30 Uhr in der ARD. Fünf weitere Teile folgen in den kommenden Wochen zur selben Zeit. Wem das zu spät ist: Die neuen Folgen erscheinen bereits immer montags in der ARD-Mediathek.

Mauern? Die gibt es noch!

Herr Harather, warum haben Sie die Mauer in Bayern aufgebaut und nicht an Originalorten?

Paul Harather: Die Mauer gab es nicht nur in Berlin, die Mauern und Zäune standen auch in Thüringen, zehn Meter Luftlinie entfernt von Bayern. Um die Zeit auf 1988 zurückzudrehen, hätte man überall den gleichen Aufwand betreiben müssen. Wir haben die Mauer nur ein wenig ins Landesinnere Bayerns versetzt, damit Teammitglieder mit Familie abends zu ihren Kindern können.

 Wie schwierig war es, die Utensilien der 80er-Jahre für den Grenzzaun und die NVA-Bewaffnung zu finden?

Harather: Wir hatten eine ganze Abteilung, die sich nur darum kümmerte. Es gab rauchende Köpfe und glühende Telefone. Manches war einfach nicht erhältlich. Dann musste genial improvisiert werden.  

Ist nach den sechs Folgen schon Schluss?

Harather: Wir verdanken die Serie der Hartnäckigkeit von Programmbereichsleiterin Annette Siebenbürger. Sie hat uns Hoffnung gemacht, dass wir am Ende aus unserem Tunnel ans Licht finden würden. Um dann noch die engen Zeitvorgaben einhalten zu können, konnten wir die einzelnen Episoden gerade noch rechtzeitig fertigstellen. Dabei konnten wir leider nur die erste Hälfte der Geschichte abhandeln. Gegen Ende der zweiten Hälfte hätten wir gezeigt, wie der legendäre Zettel, der Günter Schabowski zugesteckt wurde, als er den Mauerfall verkündigt hat, von Ralle Pietzsch kam.

 Sind Sie traurig, dass „Sedwitz“ erst so spät läuft?

Harather: Ein bisschen. Es ist ja schon ein Glück, dass so etwas Ungewöhnliches wie diese Serie überhaupt entstehen durfte. 

 Woher kommt der Name Sedwitz und warum heißt Ihre Produktionsfirma ausgerechnet NSA?

Harather: Sedwitz ist der einzige Ort, den man während der Herrschaft der SED nicht buchstabieren durfte. Sonst hätte man ja sagen müssen: SED-Witz. Die Produktionsfirma heißt Neue System Agentur. Wer denkt, die Abkürzung NSA könnte ironisch gemeint sein, dem ist nicht zu helfen.

Gibt es irgendetwas, das Sie zu Mauerzeiten besser fanden als heute

?

Harather: Wir haben immer noch Mauerzeiten. Nur die Bauherren sind andere. Wir haben heute vergleichbare Anlagen zum Beispiel in Nordkorea, Saudi Arabien, sogar Spanien. Selbst in Belfast stehen heute noch 34 Kilometer Mauer. Die Frage kann man nicht beantworten.

Interview: C. Wössner

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