Kritik für Berichte zum Amoklauf

Gemeinsamer Nachrichtenkanal? So reagieren ARD und ZDF

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Mussten für ihre Berichterstattung rund um den Amoklauf von München viel Kritik einstecken: ARD und ZDF sehen keine Gründe für einen weiteren Nachrichtenkanal.

München - Für ihre Live-Begleitung des Amoklaufs von München mussten ARD und ZDF viel Kritik einstecken. Wie stehen die beiden Sender zur Forderung nach einem Nachrichtenkanal?

Es gibt eine Seite im Internet, da kann man seine Wut über das Fernsehen loswerden: www.programmbeschwerde.de ist ein Bürgerportal, das unter anderem von den Landesmedienanstalten betrieben wird - und gerade in den letzten Tagen stark genutzt wurde. Viele Zuschauer haben (private und öffentlich-rechtliche) TV-Beiträge über den Amoklauf in München kritisiert. Angeprangert wurde nach Angaben der Betreiber insbesondere, dass Live-Aufnahmen von Leichen wiederholt und teilweise in Großaufnahmen gezeigt worden seien, dass Reporter Polizeianweisungen ignoriert hätten und traumatisierte Menschen vor die Kamera gezogen worden seien. Auch die ständig wiederholten Aufnahmen des schießenden Täters seien kritisch gesehen worden.

Unmittelbare Konsequenzen haben diese Beschwerden nicht. Sie werden an die jeweiligen Sender beziehungsweise die Kon­trollgremien weitergeleitet. Was allerdings im Zusammenhang mit der Kritik wieder hochkocht, ist die Frage: Braucht es neben dem regulären Programm von ARD und ZDF noch einen eigenen, seriösen, journalistisch-hochwertigen Nachrichtenkanal der öffentlich-rechtlichen Sender? Die Privaten haben immerhin N24 und n-tv ….

Ernst Elitz.

Ernst Elitz (75), Gründungsintendant des Deutschlandradiosund früherer "heute-journal"-Moderator, fordert nun genau das. "Hier mal ein Brennpunkt, da eine verlängerte Tagesschau und eine schnell eingeschobene Sondersendung sind nur hilflose Reaktionen auf die aktuellen Ereignisse", sagt Elitz. Damit würden ARD und ZDF den journalistischen Qualitätsansprüchen angesichts der Krisenlage nicht gerecht.

Forderung: Gemeinsamer Nachrichtenkanal von ARD und ZDF

Der Berliner meint, statt dreier Infokanäle - ZDF info, Phoenix und Tagesschau24, wo zwar Nachrichten, aber eben auch viele (nicht zwingend aktuelle) Reportagen und Dokumentationen laufen - müssten die Sender einen gemeinsamen Nachrichtenkanal aufbauen. Denn: Die Zuschauer würden bei dramatischen Ereignissen die Informationen inzwischen vor allem im Internet und sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter suchen. Das Pro­blem daran: Diese Informationen seien "nicht verlässlich".

ARD und ZDF weisen die Forderung zurück. Kai Gniffke, Chef von "ARD-aktuell", sagt, die ARD habe bereits mit dem Digitalkanal Tagesschau24 die Möglichkeit, schnell auf überraschende Ereignisse zu reagieren. Und auf Nachfrage der tz erklärt das ZDF, man biete Nachrichten und Hintergrundinformationen - fast - rund um die Uhr an, so etwa im Morgen- und Mittagsmagazin, dem "heute-journal" und rund 15 Nachrichtensendungen, hinzu komme die Seite "heute.de". "Bei besonderen Ereignislagen wird das Angebot um ZDF spezials und verlängerte Nachrichtensendungen ergänzt", heißt es.

Abgesehen von den Argumenten gäbe es noch eine Hürde, die ein öffentlich-rechtlicher Nachrichtenkanal zu nehmen hätte: Über seine Einführung müsste die Politik entscheiden.

thy/dpa

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