Aus zwei Sendern einen machen

ARD und ZDF bald ein gemeinsamer Sender? Revolutionärer Plan sieht mögliche Fusion vor

ARD und ZDF - bald ein gemeinsamer Sender?
+
ARD und ZDF - bald ein gemeinsamer Sender?

Kaum für möglich zu halten, aber dennoch wahr: ARD und ZDF könnten zu einem Sender werden. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion denkt darüber nach

Berlin - Bald nicht mehr Das Erste oder Das Zweite, sondern „Das Ganze“? Die öffentlich-rechtlichen Sender sind immer wieder einigen Vorwürfen ausgesetzt. Sie seien zu teuer, zu alt oder zu zersplittert. Nun berät die Mittelstands- und Wirtschaftsunion über weitgreifende Veränderungen von ARD und ZDF. Doch was ist der Plan dahinter?

Wie die Welt berichtet, haben sich ein paar Mitwirkende um den MIT-Chef und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Carsten Linnemann, seit 2019 mehrfach getroffen, um zu beratschlagen. Auch ehemalige Führungskräfte der Sender sollen dabei gewesen sein.

In einer Vorlage für weitere Beratungen der MIT-Führung am Freitag, die der Zeitung und auch Zeit Online vorliegt, heißt es: „Es soll künftig nur noch EINE öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt geben. Die bisherigen Sender sollen unter diesem Dach fusionieren. Mehrfachstrukturen sollen entfallen.“ Also nicht mehr ARD und ZDF getrennt, sondern nur eine große Sendeanstalt - das ist der Plan. Vieles soll damit neu geordnet und auch in Frage gestellt werden, etwa eine Reduzierung auf wenige Kanäle. „Auch die Radiosender müssen auf den Kernauftrag reduziert werden, sodass von den derzeit 74 Radiosendern ein signifikanter Teil entfallen muss“, zitiert Welt.

ARD/ZDF: Fusion beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk - Mehr von dem, was private Sender nicht eh schon abdecken

Das Besondere ist derzeit der föderale Charakter, der erhalten bleiben soll, indem Fachredaktionen auf verschiedene Standorte verteilt werden. Der zukünftige Auftrag ist klar formuliert: „Ziel ist ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, mit besserem Informations- und reduziertem Unterhaltungsangebot, der mit veränderten Strukturen insgesamt günstiger wird.“ Live-Übertragungen, Auslandsberichterstattung und Dokumentationen werden unter anderem als Beispiele genannt. Der Sender soll sich auf Inhalte konzentrieren, die nicht eh schon von privaten Anbietern abgedeckt werden.

Wichtig zu beachten: „Die MIT steht zu einem durch die Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“ Für die Bildung und den Diskurs brauche es „seriös aufgearbeitete, ausgewogene, gut recherchierte, auch elektronische Angebote“. Der Sender soll auf Werbung verzichten, es soll einen „niedrigeren Rundfunkbeitrag“ geben.

Dieser Vorschlag der Gruppe ist nichts, was die gesamte Unions-Fraktion beraten hat oder unbedingt unterstützt. Doch zuletzt sorgte die geplante, leichte Erhöhung des Rundfunkbeitrags für sehr viel politischen Zündstoff: Weil in Sachsen-Anhalt kurzzeitig die Koalition zu brechen schien, kam es nach langem Hin und Her zu einem zwischenzeitlichen Stopp des Vorhabens. Auch nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington Anfang Januar hagelte es Kritik an den Sendern, weil statt Live-Berichterstattung und aktuellen Bildern eine ganze Weile noch das normale Programm lief.

Böhmermann reagiert auf Vorschlag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit ganz eigenen Plänen

Der Satiriker Jan Böhmermann, dessen Sendung „ZDF Magazin Royale“ in einem der betroffenen Sender läuft, reagierte auf von ihm gewohnte Weise über Twitter zu dem Vorstoß der MIT: „Die Mittelstandsvereinigung der CDU sollte mit der rechtsextremen AfD fusionieren. Das wäre günstiger, inhaltlich sinnvoll und unnötige Mehrfachstrukturen würden so entfallen.“ Dagegen konterte die Junge Union München-Nord: „Das ZDF hat schon angekündigt ab 2022 sparen zu müssen, wenn die Rundfunkgebühren nicht steigen (was wir schwer hoffen). Es kann ja dann Böhmermann einsparen. Das wäre kostentechnisch sinnvoll und spart dem Land viel Bullshit.“

Auch die Gewerkschaft ver.di lehnt den Vorschlag zur Fusion von ARD und ZDF ab. „Dabei handelt es sich laut dem ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke um eine ‚geplante Einschränkung der Meinungsvielfalt in Deutschland‘“, schreiben sie auf Twitter. (cibo)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare