Zwischen Tod und Freiheit

Arte zeigt bewegendes Dokudrama "Wir Geiseln der SS"

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Der Abtransport der Häft­linge beginnt.

München - Manchmal entsteht der Eindruck, es gäbe keine Geschichten mehr zum Zweiten Weltkrieg, die noch nicht erzählt wurden. Ein Irrtum, wie das zweiteilige Dokudrama "Wir Geiseln der SS" beweist

Alles gehört, alles gesehen, alles gelesen? Manchmal entsteht der Eindruck, es gäbe keine Geschichten mehr zum Zweiten Weltkrieg und seinem Ende vor 70 Jahren, die noch nicht erzählt wurden. Ein Irrtum, wie das zweiteilige Dokudrama "Wir Geiseln der SS" beweist, das Arte heute Abend ausstrahlt und das im ZDF am 14. April in verkürzter Form zu sehen sein wird.

Es ist ein bislang weitgehend unbekanntes Kapitel der deutschen Kriegsgeschichte, die für 139 KZ-Häftlinge mit einer dramatischen Odyssee über die Alpen endete. Am 26. April 1945 verlässt ein schicksalhafter Zug von Gefangenen der SS das Konzentrationslager Dachau. Es sind die wichtigsten Häftlinge des Naziregimes: Politiker, Adelige, Angehörige von Attentätern, Kirchenmänner und Generäle. Unter ihnen Kurt Schuschnigg, letzter österreichischer Bundeskanzler und der bekannte Hitler-Gegner Pastor Martin Niemöller. Sie alle sollen in die sogenannte Alpenfestung gebracht werden, wo die SS die Geiseln als Faustpfand bei den Verhandlungen mit den West-Alliierten einsetzen will. Doch die sechstägige Reise, die vom zunehmend zweifelnden Obersturmführer Edgar Stiller (eindrucksvoll gespielt von Nockherberg-Star Gerhard Wittmann, siehe Kasten) und seinem sadistischen Untersturmführer Bader (Uwe Bohm) begleitet wird, läuft aus dem Ruder.

Die Ungewissheit, ob sie als Verhandlungsmasse bei der bevorstehenden Kapitulation dienen oder fern der Front heimlich liquidiert werden sollen, wird für die Geiseln zunehmend unerträglich. Als Schicksalsgemeinschaft schweben sie zwischen Freiheit und Tod.

Im Mittelpunkt des Dokudramas steht Fey von Hassell (Henriette Schmidt), deren Vater Ulrich als Mitverschwörer des Stauffenberg-Attentats auf Hitler 1944 hingerichtet worden war. Von den Söhnen getrennt und in Sippenhaft genommen, macht sie sich unter dem Zwang der Machthaber Richtung Süden auf.

Wir Geiseln der SS gibt dem Wahnsinn jener letzten Tage des Krieges ein Gesicht. Autor Christian Frey strickt aus Spielszenen, Berichten von Zeitzeugen und Historikern ein atemloses Drama. Er erzählt eine wahre Geschichte und schildert eindrucksvoll den Irrsinn dieses unsinnigen Unterfangens. Ein Stück Kriegsgeschichte, das überrascht und berührt.

aki

"Wir Geiseln der SS"

Dienstag, 07.04.2015, 20.15 Uhr, Arte

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