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Der Berg: Kulisse der großen Dramen

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Abenteurer, Pioniere: Reinhold Messner erzählt von den Schicksalen der ersten Bergsteiger. © HR

München - Der Berg als Traumkulisse für die Dramen der Geschichte und den Wagemut des Menschen – darum geht es in "Abenteuer Alpen", der zweiteiligen Dokumentation des HR mit Reinhold Messner,

Was haben die Menschen in den Alpen verloren? Was suchen sie dort

„Abenteuer Alpen“, 12. und 19.1., 20.15 Uhr, ARD

und warum riskieren viele dort sogar ihr Leben?“ Das fragt der Sprecher gleich zu Beginn der neuen ARD-Doku Abenteuer Alpen – während die Kamera über atemberaubend tiefe Schluchten und hohe Gipfel schwenkt. Der Berg als Traumkulisse für die Dramen der Geschichte und den Wagemut des Menschen – darum geht es in der zweiteiligen Dokumentation des Hessischen Rundfunk. Und wer könnte die Geschichten besser erzählen als Reinhold Messner – „Gipfelsammler, Bergsüchtiger, Abenteurer“?

Es ist eine „historische Bergtour“, wie sie es so noch nie gegeben hat, sagt Messner. Der 70-Jährige erzählt von den wahren und den sagenhaften Dramen der europäischen Massive – von den tragischen Erstbesteigungen des Matterhorns oder der Eiger Nordwand über das Aufkommen des Bergheldentums bis zu den Leiden in den zwei Weltkriegen in eisigen Höhen und den heutigen Touristenströmen. Das Ganze unterlegt mit martialischen oder stillen Cello-, Klavier- und Akkordeonklängen, untermauert mit historischen Fotos und Bildaufnahmen.

„Das Bergsteigen ist kein Heldentum“, sagt Messner. „Erst meine Generation hat angefangen, ganz offen über die Ängste am Berg zu reden.“ Der 70-Jährige besuchte für den Film die Originalschauplätze der historischen Ereignisse und beweist: Leben und Tod sind dort oben in der Einsamkeit – die es auch trotz Massentourismus noch gibt – auch heute noch nah beieinander.

Die Erstbesteigung

Die Einheimischen schüttelten den Kopf – was hat der Mensch dort oben im ewigen Eis verloren? Nichts! Für sie waren die Berggipfel die nebelige Welt der Geister – zumindest vor 150 Jahren. Einige Männer aber gab es, die das nicht abschreckte: Edward Whymper etwa, ein junger Kerl aus London, ging 1865 mit seinem Kampf um die Erstbesteigung des Matterhorns in die Geschichte ein. Sein Wettstreit mit dem italienischen Bergführer Jean-Antoine Carrel wurde auch im Filmklassiker Der Berg ruft mit Luis Trenker erzählt. Whympers Seilschaft kam schließlich als erste an. Doch es kam zu „einer der größten Tragödien des europäischen Alpinismus“, wie es Messner nennt: Das Seil riss, ein Teil der Mannschaft stürzte in den Tod. Die Folge: Das Matterhorn wurde zum schaurig-schönen Reiseziel.

Die ersten Freikletterer

Alexander Huber, einer der legendären „Huber Buam“ begleitet Messner auf einer Tour zu den Drei Zinnen in Südtirol. Er erklettert dort einen Gipfel ganz ohne Absicherung – wie sein Vorbild Paul Preuß. Der österreichische Alpinist, der von 1886 bis 1913 lebte, war der Verfechter des Freikletterns und Pionier des „Schwierigkeits-Alpinismus“ – der neuen Leidenschaft der Bergfreunde, nachdem alle großen Gipfel der Alpen bestiegen waren. Preuß’ Leistungen wurden in den 1930er-Jahren aus den Geschichtsbüchern gelöscht – weil er Jude war. Huber erklärt, warum das Freeclimbing so ein tolles Gefühl ist: Wegen des intensiven Glücks, ganz allein einen Gipfel zu erklimmen. „Du bist so geerdet – du denkst ned an das Gestern, du denkst ned an das Morgen, du lebst einfach im Jetzt.“

Der eisige Krieg

„Der Erste Weltkrieg frisst sich in die Berge“, so formuliert es der Sprecher der Doku Abenteuer Alpen. Noch heute sind die Spuren der Soldaten zu sehen, die damals in Holzbaracken und Höhlen monatelang ausharrten, um die Stellung für ihr Land zu halten. 150 000 Soldaten starben – weniger in Kämpfen, sondern durch Lawinen, Krankheiten, Kälte, Hunger. Reinhold Messner zeigt die Stacheldrahtreste – man meint fast zu spüren, wie die Männer damals froren. Schließlich trugen sie keine Winterausrüstung wie heutige Tourengeher, sondern schwere Lodenmäntel. Der Luis-Trenker-Film Berge in Flammen zeigte auch, wie ganze Kompanien durch Sprengungen in die Luft gejagt wurden.

Der heroische Alpinismus

In den 1930er-Jahren kam die Zeit des „heroischen Alpinismus“. Es ging darum, Gipfel auf Wegen zu erreichen, die als „undurchsteigbar“ galten. Männer wie Toni Kurz, der 1936 in der Eiger-Nordwand abstürzte (das zeigt auch der Film Nordwand mit Benno Fürmann), wurden verherrlicht. Das machten sich die Nazis zu eigen: Heldenhafte Männer, die Berge bezwingen konnten, wurden zu Beispielen für gute Soldaten. Im Zweiten Weltkrieg starben Tausende bei den Partisanenkämpfen in den Bergen. Almhütten, die zum Schutz für Bergsteiger errichtet wurden, wurden für Juden gesperrt. Nach 1945 kehrte wieder Frieden ein auf den Bergen – bis die neue Form des Alpinismus voranschritt: der Ansturm des Massentourismus.

Andrea Stinglwagner

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