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Berührende ZDF-Reportage: Gepflegt von den Kindern

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37 Grad: Große Last auf schmalen Schultern
Pascal stützt seine Mutter, die an Multipler Sklerose erkrankt ist. © Kirsten Kofahl/ZDF/dpa

Kinder werden von ihren Eltern behütet und versorgt. Dass es aber auch umgekehrt sein kann, das zeigt eine berührende ZDF-Reportage.

Berlin - Hier sind die Rollen vertauscht: Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland pflegen ihre Eltern oder andere erwachsenen Angehörigen. Die Reportage „Große Last auf schmalen Schultern“ aus der Reihe „37 Grad“ berichtet davon. Sie ist zu sehen an diesem Dienstag (16.08.) um 22.15 Uhr im ZDF.

„Ich bin ein bisschen Logopädin, Physiotherapeutin, Ergotherapeutin, Krankenschwester - ach ja, und Tochter natürlich auch noch“, sagt die 22-jährige Alexa. Sie macht eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und ist daneben noch Vollpflegerin ihrer Mutter, der ehemaligen Krankenschwester Beate (61).

24-Stunden-Pflege

Beate ist seit einem Hirnschlag vollständig gelähmt, ihr Pflegebett steht seit einem Jahr im Wohnzimmer. Mit ihrem Vater Patrick wechselt sich Alexa bei der 24-Stunden-Pflege ab; er hat sich dafür von seinem Arbeitgeber freistellen lassen, ohne weitere Bezüge. Beide warten lange auf die Unterstützung durch professionelle Assistenzkräfte, deren Einsatz nach zehn Monaten endlich bewilligt wurde. Doch die entsprechende Personalsituation in Deutschland ist weiterhin sehr angespannt, und trotz ihrer verzweifelten Suche konnten sie bislang noch keine geeigneten Pflegerinnen für Beate finden.

Wenn die Geschwister Eva und Pascal nachmittags aus der Schule nach Hause kommen, dann werden keine Hausaufgaben gemacht, sondern es stehen erst einmal allerlei Tätigkeiten im Haushalt an. Ihre Mutter Chrissy (39) leidet seit sieben Jahren an Multipler Sklerose, ihr Zustand hat sich mittlerweile stark verschlechtert, die Kinder sind immer öfter auch ihre Pflegende. „Dafür ist die Familie doch da“, beteuert Pascal (17), der ein Praktikum in einem Seniorenheim macht und sein späteres Leben in der Nähe seiner Mutter plant.

Pascals stillere Schwester Eva (12) plagen Ängste, ihre Mutter zu verlieren, doch sie sehnt sich auch nach unbeschwerten Zeit mit Freunden. Ihre Mutter plagt derweil ein schlechtes Gewissen, da sie doch im Grunde für ihre Kinder da sein sollte und nicht umgekehrt.

Es erfordert viel Kraft

Die berührende Reportage von Wibke Kämpfer („Bin mollig, suche Liebe“) und Mechthild Gassner („Das dunkle Geheimnis - Missbrauch in der Familie“) begleitet Eva, Pascal und Alexa durch ihren Alltag als junge Pflegende. Sie offenbaren - teils unter Tränen - ihre nahezu ständig präsenten Gedanken, die im Familienalltag oft zu kurz kommen und die sich meist um frühe Verantwortung, geschicktes Zeitmanagement und die hohen Kosten drehen. Sie erklären sehr eindrücklich, dass es ihnen viel bedeutet, diese unglaubliche Kraft weiter aufbringen zu können - auch und gerade für die zähen und kräfteraubenden Auseinandersetzungen mit Ärzten, Behörden und Krankenkassen.

Dies alles muss den Zuschauern tiefen Respekt abnötigen: Eigene Bedürfnisse stehen zurück, die Pflege der Mütter ist unfassbar anstrengend - aber sie können wenigstens als Familie zusammen bleiben. dpa

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