"ZDFzeit"-Doku testet:

Billig gegen teuer - muss es immer Markenware sein?

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Sternekoch Nelson Müller (M.) betrachtet unter anderem Hühnerfleisch etwas genauer. Welches Huhn wird seinen Gästen besser schmecken: das teure Schwarzfeder-Huhn für über acht Euro oder das Aldi-Huhn für 2,35 Euro?

München - Wer billig kauft, kauft immer zweimal - gilt dieser alte Spruch auch heute noch? Sind Markenwaren wirklich immer besser? Eine ZDF-Doku macht den Test mit Fleisch, Laufschuhen und High Heels - mit überraschenden Ergebnissen.

„ZDFzeit: Billig gegen teuer“ Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF

Ein Paar Laufschuhe gibt’s bereits für 20 Euro, das Kilo Schweinefleisch sogar schon für fünf: Wer will, kann sich also für wenig Geld mit verschiedensten Produkten aus dem Mode- oder Nahrungsmittelsektor eindecken. Doch die Billigware hat einen schlechten Ruf: hohe Schadstoffbelastung, miese Verarbeitung. Aber steht der Preis unserer Konsumgüter wirklich in direktem Zusammenhang mit der Qualität? Die Macher der ZDFzeit-Doku Billig gegen teuer: Muss es immer Markenware sein? machen Dienstag den Test. ­Mithilfe von Wissenschaftlern und (teilweise prominenten) Probanden prüfen sie, ob billige Produkte mit der teuren Konkurrenz mithalten können. In der tz verraten die Filmemacher Thomas Lischak und Carmen Schumacher, wie sie die einzelnen Produkte getestet haben und warum sie so manches Ergebnis überrascht hat.

High Heels

„High Heels machen jede Frau attraktiver – wenn sie auf ihnen laufen kann“, sagt Model Giulia Siegel (Foto). Die Münchnerin nahm für die ZDFzeit-Doku Stöckelschuhe genauer unter die Lupe – die ganz teuren genauso wie die für zehn Euro aus dem Internet. Wer sexy sein will, kann auch schon für kleines Geld durch die Welt stolzieren. Ob das Laufen auf hohen Hacken für die Füße gesund ist, stand dabei nicht zur Diskussion. Vielmehr wurden die Materialien, aus denen die Schuhe gefertigt sind, auf ihren Schadstoffgehalt und ihre Verarbeitung geprüft. Dabei förderte das Labor erstaunliche Ergebnisse zutage, aus denen gleich zwei Unternehmen ihre ­Konsequenzen zogen.

Fazit: In zwei der untersuchten Schuhe konnten Weichmacher und Chrom VI nachgewiesen werden. Beide Stoffe stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Betroffen waren Schuhe des Online-Händlers Schuhtempel 24 für zehn Euro, aber auch die 160 Euro teuren High Heels der Marke Peter Kaiser. Beide Modelle überschritten die vorgegebenen Grenzwerte bei Weitem. „Die Ergebnisse schockieren, weil es sich um hochgefährliche Substanzen handelt“, so Carmen Schumacher. Nach den Recherchen des ZDF nahmen Schuhtempel 24 und Peter ­Kaiser die Modelle vom Markt.

Laufschuhe

Volkssport Nummer eins ist das Laufen. Aber muss man auch tief in die Tasche greifen, um beschwerdefrei joggen zu gehen? ­ZDFzeit testete zehn verschiedene Laufschuhe: die fünf Bestseller bekannter Sportmarken und fünf Modelle von Aldi, Lidl, Tchibo und Co. „Die Preisspanne reichte von 20 bis zu 180 Euro“, sagt Filmemacherin Carmen Schumacher im tz-Gespräch. Dabei wurden die zu ­testenden Schuhe für die Probanden mit Gamaschen getarnt. „Der Blindtest war deshalb so wichtig, weil wir nicht wollten, dass die ­Tester beeinflusst werden von der Marke oder Farbe des Schuhs.“ Unterstützt wurde das ZDF-Team bei den Untersuchungen von der Sporthochschule in Köln, die im Lauf­labor die Ergebnisse näher unter die Lupe nahm.

Fazit: „Es war überraschend zu sehen, was schlechte Laufschuhe dem Bewegungsapparat antun können. Eine Testerin hat unmittelbar nach dem Laufen Schmerzen im Knie bekommen“, erklärt Carmen Schumacher. Ob der schlechte Schuh ein billiger oder teurer war, wird erst in der Doku verraten. „Nur so viel: Es kommt bei Laufschuhen vor allem darauf an, dass sie individuell auf die unterschiedlichen Fußtypen abgestimmt sind. Und das können Fachgeschäfte definitiv besser.“ Wer gesund joggen möchte, sollte dafür also vielleicht doch ein paar Euro mehr ausgeben und eine Fachberatung nutzen.

Fleisch

Edel sei das Schwein, knusprig und fein. Doch welches Stück schmeckt besser? Das Kilo zu 30 Euro oder die Supermarktware für nur fünf Euro pro Kilo? „Wir haben je drei Proben vom Schwein und drei Proben vom Huhn genommen. In Feinschmecker-, Bio- und Discounterqualität“, erklärt Filmemacher Thomas Lischak den ­ZDFzeit-Test in der tz. „Dabei wurde nach drei Kriterien beurteilt: Geschmack, Umweltbilanz und Gesundheit.“ Zubereitet wurde das Fleisch von Sternekoch Nelson Müller, der alle Proben mit denselben Zutaten zu wahren Köstlichkeiten verarbeitete und von seinen Testessern blind verkosten ließ. „Das Ergebnis hat mich selbst ziemlich überrascht“, gesteht ­Lischak.

Fazit: „Bei unseren Geschmackstests hat zwar immer das teuerste Stück Fleisch gewonnen, aber alle anderen Proben wurden nahezu unterschiedsfrei bewertet“, erklärt Lischak. „Da schnitt das Biofleisch geschmacklich nicht besser ab.“ Bio spielte eher in Sachen Umweltbilanz eine Rolle. Und in Sachen Gesundheit konnte die ZDF-Doku bei ihren Stichproben nur Positives vermelden: Sowohl das Supermarkt- als auch das Biofleisch waren frei von Antibiotika-Rückständen und resistenten Keimen. Aus geschmacklicher und gesundheitlicher Sicht ist das günstige Fleisch also durchaus vertretbar.

Astrid Kistner

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