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Eklat beim CDU-Parteitag: TV-Reporterin wird live von Politiker bedrängt

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Von: Hannes Niemeyer

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SWR-Reporterin Akbari (l.) wird von CDU-Politiker Hornung gestört.
SWR-Reporterin Akbari (l.) wird von CDU-Politiker Hornung gestört. © Screenshot / SWR aktuell

Aufregung um einen CDU-Kreisparteitag. Dort wird eine SWR-Reporterin während einer Live-Schalte bedrängt. Der schuldige Politiker hat sich bereits geäußert.

Mannheim - Die Aufreger um die CDU lassen auch Wochen nach dem für die Partei enttäuschenden Abschneiden bei der Bundestagswahl nicht nach. Nun gesellt sich ein weiterer Eklat dazu. Dieser ereignete sich am Freitagabend auf dem Kreisparteitag der CDU in Mannheim. Im Mittelpunkt des Vorfalls: Eine TV-Reporterin - und die Fernsehbilder fingen alles live mit ein.

Am Freitagabend berichtete Natalie Akbari für den SWR vom Treffen der Partei. Ein Thema bei der Sitzung, bei der die Reporterin live anwesend war, war unter anderem die Maskenaffäre um Ex-CDU-Politiker Nikolas Löbel - es sollte auch um eine mögliche Verstrickung des Kreisvorstandes in den Vorfall gehen. In der Regional-Sendung „SWR aktuell“ sollte live zu Akbari geschaltet werden - die Übertragung endete jedoch mit einem Aufreger, der in den sozialen Netzwerken riesige Wellen schlägt.

Eklat in SWR-Liveschalte - CDU-Politiker bedrängt Reporterin

Auf Twitter kursiert ein Video von besagter Schalte. Darin zu sehen, ist, wie TV-Reporterin Akbari während der Live-Bilder von einem Mann massiv bedrängt wird. Dabei handelt es sich um Thomas Hornung, CDU-Stadtrat und außerdem ehemaliger Büroleiter des von der Maskenaffäre betroffenen Löbel. Hornung greift einfach in den Beitrag ein, redet auf Akbari ein und hindert sie offensichtlich an ihrer Arbeit. Auch, dass Akbari den Politiker auf sein Verhalten anspricht, bringt ihn nicht vom störenden Eingriff ab. Zu verstehen ist nicht wirklich, was Hornung genau zur Reporterin sagt. Lediglich Wortfetzen über eine „Unverschämtheit“ sowie „unseriösen Journalismus“ dringen durch. Jedenfalls scheint es nicht nur Akbari, sondern auch andere Anwesende im Saal zu stören - eine Person bittet schließlich um mehr Ruhe.

Ende vom Lied: Mit den Worten „wir können leider unsere Übertragung, unsere Einblendung hier nicht zu Ende bringen“, bricht Akbari die Live-Schalte ab, die Übertragung endet. in den sozialen Netzwerken schlägt das Video hohe Wellen. Etliche User echauffieren sich online über den Beitrag.

CDU-Mann Hornung rudert nach Schalten-Eklat zurück - Reporterin Akbari spricht von „Beleidigungen“

Thomas Hornung, selbst ausgebildeter Journalist, habe die Live-Schalte nach eigenen Angaben als störend empfunden. „Es wurde ausgerechnet in dem Moment live und laut berichtet, als die kommissarische Kreisvorsitzende in ihrem Rechenschaftsbericht auf die Vorwürfe in der Sache einging“, sagte Hornung der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Deshalb hätte das Interview seines Erachtens nicht zeitgleich und im Raum abgehalten werden dürfen. „Ich habe da sicher im Affekt gehandelt und bin über mich hinausgeschossen“, sagte Hornung. Er ergänzte aber, den Eingriff bereue er nicht.

Akbari hingegen gab später in einer weiteren SWR-Liveschalte, diesmal außerhalb des Versammlungssaales, an, die Situation sei für sie sehr unangenehm gewesen. Außerdem seien noch „einige unflätige Beleidigungen, die ich hier nicht wiederholen möchte“ gefallen. Ein Großteil der CDU-Mitglieder sei aber auch auf sie zugekommen und hätten beteuert, dass sie Hornungs Verhalten nicht in Ordnung fanden.

CDU-Politiker Hornung sorgt für Eklat bei Kreisparteitag - SPD-Generalsekretär zieht AfD-Vergleich

Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Sascha Binder forderte die CDU auf, sich bei der Reporterin und dem SWR zu entschuldigen. Es sei nicht hinnehmbar, wenn bei einer CDU-Veranstaltung in Anwesenheit der Landesgeneralsekretärin Isabell Huber eine Journalistin bei ihrer Arbeit behindert werde. „Das kannten wir bisher nur von
AfD-Veranstaltungen“, sagte Binder am Samstag in Freiburg.

In der Masken-Affäre ging es um Provisionen von rund 250 000 Euro für Löbels Firma. Sie soll die Gelder kassiert haben, weil sie Kaufverträge über Corona-Schutzmasken zwischen einem baden-württembergischen Lieferanten und zwei Privatunternehmen in Heidelberg und Mannheim vermittelte. Politiker und Bürger hatten Löbel aufgefordert, das Geld zurückzugeben oder zu spenden. Nach heftiger Kritik war Löbel aus der CDU ausgetreten und hatte sich auch umgehend aus dem Parlament zurückgezogen. (han/dpa)

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