Polit-Talk ohne Streit

Corona hat die TV-Gesprächsrunden verändert - Das sagen die Talk-Gastgeber

Coronavirus - Talkshow "Hart aber fair"
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Alle auf Distanz: Die ARD-Talkshow „Hart aber fair“.

Kein Publikum, Mindestabstand oder zugeschaltete Gäste: Corona berherrscht die Talk-Shows im TV die - wenn man auf die Zeit vor der Pandemie zurückschaut - kaum  wiederzuerkennen sind.

Derzeit kennen die politischen Talkshows nur ein Thema – Corona. Wer jetzt bei Plasberg und Co. einschaltet, hat zudem festgestellt: Die Gesprächsrunden sind anders als gewohnt. Das sagen die Talkprofis:

Es gibt weniger Streit: Moderatorin Maybrit Illner (Donnerstag im ZDF und am Sonntag teils parallel zu Anne Will im Ersten mit Spezialsendung) sagt: „Wir informieren oft mehr, als wir streiten. Es galt zunächst mehr zu verstehen, als zu urteilen. So erlebe ich das auch bei unseren Gästen: Bei jeder kritischen Frage gibt es mehr Nachdenken als Nachkarten, mehr Überlegen als Übereinander-Herfallen.“

„Weil nicht mehr geklatscht wird, verlieren Sendungen an Tempo“

Kein Studio-Publikum: Das Publikum fehlt schmerzlich. Aus der Redaktion von hart aber fair mit Frank Plasberg (montags im Ersten) heißt es: „Wo sonst eine bunte Mischung interessierter Menschen sitzt, sieht man jetzt eintönige leere Stühle.“ Applaus bleibt aus. „Ohne ihn fehlt den Gästen der Sendung ein unmittelbares Feedback auf ihre Aussagen. Jede Sendung wirkt so nachdenklicher, ruhiger. Weil nicht mehr geklatscht und gelacht wird, verlieren die Sendungen an Tempo.“

Beim Talk von Sandra Maischberger im Ersten musste man bislang keinen Gast zuschalten.

Nachteile für Talkgäste: Ein zugeschalteter Gast in der Gesprächsrunde ist hart aber fair zufolge gehandicapt, wenn er in die Diskussion eingreifen wolle. Einmal wegen der technischen Zeitverzögerung. „Das liegt aber auch daran, dass die anderen Gäste den Zugeschalteten in dessen Mimik und Gestik oft nicht im gleichen Maße wahrnehmen können wie die übrigen Gesprächsteilnehmer.“ Beim Talk von Sandra Maischberger (mittwochs im Ersten) musste man bislang keinen Gast zuschalten, würde es aber tun, um nicht auf die Person zu verzichten.

Es gibt fast nur noch ein Thema: Corona

Nur ein Thema: Corona beherrscht die Talks. Medienexpertin Joan Bleicher glaubt: „Die Sender wollen ihre Reichweite nicht an die Konkurrenz verlieren.“ Es gelte, die eigene Kompetenz in Krisenzeiten zu betonen. Illner sieht darin kein Problem. Ziel sei ja nicht, sich abzugrenzen, „sondern mit der Entwicklung dieser Krise Schritt zu halten!“ Bei Anne Will hat man auch nicht das Gefühl, dass es dem Thema an Kontroverse oder Vielfalt fehlt. Und die Zuschauer geben den Konzepten recht: Ihr Interesse ist ungebrochen hoch.

Eine App soll bald helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. IT-Experte Frank Thelen platzte zu diesem Thema bei Markus Lanz jetzt der Kragen.

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