TV-Gala

Der Fernsehpreis soll wieder funkeln

Fernsehpreis
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So sieht die Trophäe des Deutschen Fernsehpreises aus.

2020 machte Corona noch einen Strich durch die Rechnung, nun soll es endlich soweit sein: Der Deutsche Fernsehpreis kehrt als große TV-Gala zurück auf den Bildschirm.

Köln - Gute Filme und Serien haben einen Spannungsbogen. Irgendwann spitzen sich die Ereignisse so dramatisch zu, dass die Zuschauer gar nicht anders können, als am Bildschirm zu kleben. Wo wüsste man das besser als beim Deutschen Fernsehpreis, der derart packende Formate regelmäßig prämiert?

Das Besondere an der Auszeichnung, die an diesem Donnerstag (16.9.) verliehen wird, ist allerdings: Sie hat selbst schon so einen TV-Moment geschaffen. Er mündete 2008 in dem Satz: „Ich nehme diesen Preis nicht an!“

Ausgesprochen hat ihn damals der erboste Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920-2013), als er die Ehrung für sein Lebenswerk ablehnte. Dass der Zwischenfall noch heute in keiner Erzählung über den Fernsehpreis fehlen darf, sagt einiges über die Aufs und Abs der Auszeichnung aus. Ob der auf seine Art auch unterhaltsame Auftritt von Reich-Ranicki eher ein Auf oder ein Ab war, liegt wohl im Auge des Betrachters. 2021 jedenfalls soll ein Jahr werden, in dem es eindeutig nach oben geht. Das hat sich RTL vorgenommen.

Der in diesem Jahr federführende Sender will aus dem Fernsehpreis wieder eine Verleihung mit viel Glanz machen, wie er angekündigt hat. Schauplatz ist keine Mehrzweckhalle, sondern der Kölner Tanzbrunnen - ein Open-Air-Gelände am Rhein mit wunderbarem Blick auf den Dom. Zu sehen ist die von Barbara Schöneberger (47) moderierte Gala zur besten Sendezeit ab 20.15 Uhr bei RTL.

Die Pläne setzen sich damit von den vergangenen Ausgaben ab. 2015 fiel die Verleihung aus - der Preis war zuvor stark in die Kritik geraten. Danach wurde sie als Branchentreffen in abgespeckter Form weitergeführt. 2019 hatte es eine Übertragung gegeben, aber eher bescheiden im Internet. Später gab es eine Aufzeichnung im Fernsehen. Für 2020 kündigte RTL schließlich ein großes TV-Comeback mitsamt konzeptioneller Neuausrichtung an. Die Corona-Pandemie verhinderte das allerdings. Die Preise wurden am Ende ohne Gala verteilt.

Nun also der zweite Anlauf 2021. Die Frage, was der Kölner Sender aus der Show macht, ist damit mindestens so spannend wie die Frage, wer am Ende die Auszeichnungen abräumen wird. Ein paar Preisträger sind auch schon verkündet worden. Jan Böhmermann (40) etwa bekommt für die Texte zu seinem „ZDF Magazin Royale“ die Auszeichnung in der Kategorie „Bestes Buch Unterhaltung“. In der Sparte „Bestes Buch Fiktion“ gewinnt Jantje Friese für die Netflix-Serie „Dark“.

Die Königskategorien sind gleichwohl noch offen - etwa für den besten Film, die beste Schauspielerin und den besten Schauspieler, die beste Unterhaltungsshow oder die beste Comedy. In der klassischen Journalisten-Kategorie „Beste Information“ kommt es zu einer interessanten Konkurrenz zwischen ZDF-Talker Markus Lanz und den Politmagazinen „Frontal“ (ZDF) und „Panorama“ (ARD/NDR).

Bemerkenswert ist auch, dass die beiden Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gleich mit zwei Beiträgen in derselben Kategorie nominiert wurden. Sie machen sich damit sozusagen selbst Konkurrenz. In der Sparte „Bestes Infotainment“ gehen sie sowohl mit „Joko & Klaas 15 Minuten: Männerwelten“ als auch mit „Joko & Klaas – Live: Pflege ist #NichtSelbstverständlich“ (beides ProSieben) ins Rennen. Geht man nach der Zahl der Nominierungen, sind der Bierbrauer-Mehrteiler „Oktoberfest 1900“ (ARD) und die Drama-Serie „Para – Wir sind King“ die großen Favoriten des Abends. Beide heimsten jeweils fünf Nominierungen ein.

Einen der größten Auftritte wird Hape Kerkeling (56) bekommen. Der Entertainer und Autor, der sich in seiner Satire „Kein Pardon“ 1993 über die Fernsehbranche lustig machte („Das Licht ist ja auch Kalifornia-Gelb! Da seh' ich aus, als hätt' ich die Gelbsucht! Wir hatten hier immer Arizona-Blau!“), erhält den Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Passenderweise arbeitet auch Kerkeling gerade an seiner Rückkehr auf den Bildschirm - die RTL-Mediengruppe hat neue Formate mit ihm angekündigt. Man merkt: Der Fernsehpreis 2021 soll ein Anfang sein. Und nicht ein Ende. dpa

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