Neuer Netflix-Film würdigt Pelé

Der König des Fußballs! Netflix feiert Pelé

Er galt als bester Fußballer der Welt – und hat als Einziger drei Mal die Weltmeisterschaft gewonnen: Pelé. Hier beim Torjubel 1970 im Finale gegen Italien.
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Er galt als bester Fußballer der Welt – und hat als Einziger drei Mal die Weltmeisterschaft gewonnen: Pelé. Hier beim Torjubel 1970 im Finale gegen Italien.

Er gilt als der König des Fußballs: der Brasilianer Pelé. Ein Strahlemann mit außergewöhnlichen sportlichen Fähigkeiten. Der Streaminganbieter Netflix hinterfragt in der Doku „Pelé“ auch seine politischen Einstellungen. Sehenswert - nicht nur für Fußballfans!

  • Pelé ist der einzige Fußballspieler, der drei Mal mit einem Team bei der Weltmeisterschaft gewann
  • Er war mit beiden Füßen gleichermaßen technisch begabt und traf auch mit dem Kopf
  • Am 23. Oktober 2020 ist Pelé 80 Jahre alt geworden

Es ist der 31. März 1964, in Brasilien putscht das Militär. Die aufstrebende südamerikanische Demokratie wandelt sich über Nacht zur Diktatur voller Schrecken. Und der König des Fußballs? Kickt weiter wie bisher. Heute startet auf Netflix die sehenswerte Dokumentation „Pelé“. Die ist nicht nur etwas für Sportfreunde. Weil die Filmemacher David Tryhorn und Ben Nicholas nicht den Fehler begehen, aus Fan-Perspektive kritiklos auf den grandiosen Spieler zu schauen. Parallel zu Pelés fußballerischer Laufbahn behalten sie stets die gesellschaftlichen Entwicklungen in dessen brasilianischer Heimat im Blick. Und hinterfragen, wie sich Edson Arantes do Nascimento, so der bürgerliche Name des Stars, zu den Menschenrechtsverletzungen während der brasilianischen Diktatur (1964-1985) verhalten hat.

Heute ist Pelé 80, auf die für seine Landsleute so höllischen Jahre kann er mit mehreren Jahrzehnten Abstand zurückblicken. Für ihn selbst, damals Anfang 20 und schon ein weltweit gefeierter Supermann des Sports, änderte sich durch die neuen politischen Zeiten ja nichts. Er war der erste Fußballmillionär, wurde von allen Seiten hofiert. Ein gut aussehender Sonnyboy, der jedem mit einem Lächeln begegnet. Aber er ist eben „nur“ der Supermann des Sports, nicht der der Politik. „Ich war kein Heilsbringer, ich war nur ein ganz normaler Mann, dem Gott die Gabe gegeben hatte, gut Fußball spielen zu können“, sagt der inzwischen auf Gehhilfen angewiesene, doch agile und lebenslustige Pelé heute, dem man den attraktiven Strahlemann noch immer ansieht. Das war seine Rolle. Und: „Ich bin überzeugt: Ich habe mit meinem Fußball, mit der Art, wie ich bin, mehr für Brasilien getan als viele Politiker, die dafür bezahlt wurden.“

Er versetzte die Menschen in Ekstase

Sieht man die vielen Filmschnipsel von damaligen Spielen, die das Herz der Dokumentation ausmachen und die auch totale Fußball-muffel nicht kaltlassen können, weiß man, was er damit meint. Das, was in den Stadien passierte, war nicht einfach Publikumsjubel. Das war gemeinschaftliche Ekstase. Alles nur wegen eines Mannes, der den Ball besonders wendig ins Tor bugsierte? Nein, Fußball – das machen die Erzählungen der im Film auftretenden Historiker, Journalisten, Musiker und Sportler deutlich – Fußball ist in Brasilien mehr als ein Sport; er spiegelt die Seele des Landes wider. Mit Fußball wollte sich Brasilien einen Platz auf der Weltbühne erobern. Und hat es geschafft.

In sehr erheblichem Maße dank Pelé. Er wurde zum Symbol der brasilianischen Emanzipation. Wenn er sich heute daran erinnert, kommen ihm vor Rührung die Tränen. Wie überwältigend das alles für ihn als jungen Menschen gewesen sein muss, verdeutlichen die Bilder der Massen, die jedes Mal nach Abpfiff auf den Rasen rannten. Er ließ sich von allen umarmen. Auch vom Diktator.

Das war ein Fehler. Pelé, der zuvor immer für politische Neutralität stand, nahm die Einladung zu einem Treffen mit Präsident Emílio Garrastazu Médici an, Gewaltherrscher über Brasilien von 1969 bis 1974. Viele haben ihm das übel genommen. Wie kann einer, dessen Herz so sehr für sein Land schlägt, sich mit einem Menschen freundlich unterhalten, der eben dieses Land zugrunde richtet?

Politisch engagierte sich Pelé nicht

Kritisch fragen Tryhorn und Nicholas Pelé heute, warum er sich darauf eingelassen hat. Während er um Antworten ringt, wird deutlich, dass ihm die Reichweite seines Handelns gar nicht so recht bewusst gewesen zu sein scheint. Aber hätte er nicht etwas tun können? 1968, als ein Dekret ermöglichte, dass jeder ohne Grund verhaftet werden konnte. Pelés Wort hätte Gewicht gehabt. Das betont ein Journalist, der die Zeit damals kritisch begleitet hat. Um dann zuzugeben, dass nicht klar ist, was mit einem Dissidenten Pelé passiert wäre. „Eine Diktatur bleibt eine Diktatur.“

Und so blickt der Film letztlich wohlgesinnt auf diesen sympathischen Mann, den sie den König des Fußballs nannten. Er hat auf seine Weise dem Land gedient. Als strahlender Stern am dunklen Himmel des brasilianischen Alltags. Beim Fußball konnten die Menschen Woche für Woche 90 Minuten lang der Wirklichkeit entfliehen. Pelé ihnen voran. Nicht mehr und nicht weniger. Er wollte nur spielen.

„Pelé“ ist ab heute bei Netflix zu sehen

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