Vom Einkäufer zum Lieferanten

Deutsche TV-Exporte erobern die Welt

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Maxim Mehmet, Miriam Stein, Marie Bäumer und Pasquale Aleardi (von li.) spielen die Hauptrollen in der zehn Millionen Euro teuren Koproduktion „Gotthard“, die in Cannes internationalen Kunden vorgestellt wird.

München - Fernsehen made in Germany erobert die Welt - diese Erfahrung ist gerade auf der weltgrößten TV-Messe in Cannes zu machen. Die Deutschen kaufen gute Serien nicht mehr teuer ein, sondern produzieren sie selbst.

Wer wissen will, was in der nächsten Zeit über die Bildschirme flimmert, ist auf der Mipcom goldrichtig. Noch bis Donnerstag läuft die weltweit größte Fernsehmesse im südfranzösischen Cannes. Sie ist Marktplatz für rund 10 000 Senderchefs, Produzenten und Verkäufer. Ein Muss für ­alle, die im TV-Geschäft etwas zu sagen haben. Für Messechefin Laurine ­Garaude ist sie aber auch Gradmesser für Qualität und Ideenreichtum. „Und da hat Deutschland in den letzten Jahren extrem stark an Bedeutung gewonnen“, sagt sie. Fernsehen made in Germany erobert die Welt.

Jahrelang waren die Deutschen vor allem Einkäufer guter Serien und Fernsehfilme, heute stehen sie als Lieferanten hoch im Kurs. Etwa mit dem imposanten Zweiteiler Gotthard. Die Dreharbeiten zur zehn Millionen Euro teuren Koproduktion von ZDF, Schweizer Fernsehen und ORF haben bereits begonnen. Auf der Mipcom soll das Historienspektakel um den Bau des Gotthard-Tunnels 1873 internationale Käufer überzeugen.

Auch Nico Hofmanns ­Serienprojekt Hitler zieht die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf sich. 20 Millionen Euro soll die zehnteilige Serie kosten, die den Werdegang des jungen Adolf Hitler nach dem Ersten Weltkrieg nachzeichnet. Die Dreharbeiten starten Anfang 2016, und schon jetzt hat sich das französische Fernsehen mit TF1 die Rechte gesichert.

„Deutsches Fernsehen hat eine herausragende Qualität“, sagt UFA-Fiction-Geschäftsführer und Produzent Nico Hofmann. „Wir müssen uns nicht verstecken.“ Er zeigt zu recht Selbstbewusstsein – gerade wenn es darum geht, Zeitgeschichte modern zu erzählen. Nach Unsere Mütter, unsere ­Väter hat sich auch Hofmanns berührendes TV-Drama Nackt unter Wölfen international hervorragend verkauft: Italien, Spanien, Dänemark, Schweden und die Türkei sind von der Produktion begeistert. Mit der Stasi-Serie Deutschland 83 ist ihm sogar ein ganz besonderer Coup gelungen: Die Serie, die ab Ende November auf RTL zu sehen wird, wurde noch vor der deutschen Erstausstrahlung nach Amerika verkauft und lief dort mit großem Erfolg.

Und auch der Event-Dreiteiler Ku’damm 56, der von ZDF Enterprises vermarktet wird, hat gute Chancen auf weltweite Abnehmer. Die Geschichte einer Berliner Familie in den 1950er-Jahren soll im Frühjahr 2016 im ZDF laufen – und mit etwas Glück um die ganze Welt reisen.

A. Kistner

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