Sendung sorgt für heftige Diskussionen

Hallaschkas WDR-Talkshow schlägt hohe Wellen - nun äußert sich auch Gottschalk

Die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ sorgt für eine große Diskussion in den sozialen Netzwerken
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Die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ sorgt für eine große Diskussion in den sozialen Netzwerken

Ein Shitstorm bricht nach der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ im Netz aus. Die Aussagen der prominenten Gäste werfen bei den Zuschauer viele Fragen auf. Nun bezieht Gottschalk Stellung.

  • Zu Gast in der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ bei Steffen Hallaschka sind unter anderem Thomas Gottschalk und Janine Kunze.
  • „Sag‘ mal WDR, brennt ihr eigentlich?“: Hallaschka-Talkshow bekommt Shitstorm (Erstmeldung vom 31. Januar).
  • „Die letzte Instanz“ im WDR: Nach Schauspielerin Janine Kunze meldet sich nun auch Thomas Gottschalk öffentlich zu Wort (Update vom 14. Februar, 14.57 Uhr).

„Die letzte Instanz“ im WDR: Thomas Gottschalk äußert sich in Gastbeitrag zu Kritik

Update vom 14. Februar, 14.57 Uhr: Entertainer Thomas Gottschalk will Lehren aus der Rassismus-Kritik an einer Ausgabe der WDR-Talksendung „Die letzte Instanz“ ziehen. „Ich werde gewisse Begriffe nicht mehr benutzen und diese nicht zähneknirschend vermeiden, weil es die Political Correctness verbietet, sondern weil einem Menschen mit meiner Eloquenz unzählige Worte zur Verfügung stehen, die weder missverständlich sind, noch aus einer Denkschule kommen“, die sich diese ausgedacht hätte, schrieb der 70-Jährige in einem Gastbeitrag in der Welt am Sonntag.

Gottschalk war in einer Ausgabe von „Die letzte Instanz“ zu Gast, die WDR Ende Januar als Wiederholung im Fernsehen gezeigt hatte. Danach gab es viel Kritik in sozialen Netzwerken wie Twitter; auch in der Audio-App Clubhouse entbrannten Debatten über Alltagsrassismus. In der TV-Talkrunde bei Moderator Steffen Hallaschka hatten Gottschalk und als weitere Gäste Micky Beisenherz, Janine Kunze und Jürgen Milski gesellschaftliche Themen diskutiert, darunter die Frage: „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“

Thomas Gottschalk im Gastbeitrag: „Rote Karte“ für „Z-Wort“

Gottschalk schrieb in seinem Gastbeitrag in der Welt am Sonntag nun: „Was das Z-Wort aus der „Letzten Instanz“ betrifft, habe ich für einen Ausdruck grünes Licht gegeben, dem ich in Zukunft die Rote Karte zeigen werde, und ich verspreche, das unselige Wort nie mehr zu benutzen.“ Der Begriff „Zigeuner“ wird etwa vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma als diskriminierend abgelehnt. Es handele sich um eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft.

An anderer Stelle des Artikels betonte Gottschalk: „Gerade musste ich lernen, dass man Menschen auch dadurch enttäuschen kann, dass man sie nicht versteht. Man kann sich auch nicht damit herausreden, dass man eine „andere Sprache“ spricht, zu der Vokabeln gehören, die, in der eigenen Wahrnehmung, weder etwas mit Diskriminierung noch mit Rassismus zu tun haben.“ Es gebe Momente, da müsse man einfach zur Kenntnis nehmen, dass es so, wie es immer ging, eben nicht mehr gehe. „Weil Menschen sich verletzt fühlen, die man nicht verletzen will.“

Thomas Gottschalk: Keinen „Gag liegenlassen“

Über sich selbst schrieb Gottschalk: „Ich war und bin ein Showmaster, dessen größte Sorge es immer war, einen Gag liegenzulassen. Den Ernst der Lage habe ich nie zur Kenntnis nehmen wollen und müssen.“ An Gottschalks Auftritt bei „Die letzte Instanz“ gab es auch deshalb heftige Kritik, weil er angab, bei einer Kostümparty in Los Angeles mit Jimi-Hendrix-Verkleidung das erste Mal erfahren zu haben, „wie sich ein Schwarzer fühlt“.

Vom WDR heißt es inzwischen, die Sendung stehe zu Recht unter starker Kritik. „Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mit diskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt davon betroffen sind. Wir lernen daraus und werden das besser machen.“ Die generelle Idee des Meinungstalks „Die letzte Instanz“ beschreibt der Sender so: „Ob politische Geschmacklosigkeiten, grenzwertige Promi-Tweets, fragwürdige Schlagzeilen oder Moralfragen“ - zu all dem sollen vier Gesprächsgäste deutlich ihre Meinung äußern. (dpa)

„Die letzte Instanz“ im WDR: Moderator Steffen Hallaschka teilt öffentliche Entschuldigung

Update vom 2. Februar, 16:28 Uhr: Kaum ein anderes Thema polarisiert derzeit in den sozialen Netzwerken so sehr, wie die Talkshow „Die letzte Instanz“. Nun meldet sich auch Moderator Steffen Hallaschka zu Wort und entschuldigt sich in einem öffentlichen Statement: „Ich muss schmerzlich erkennen, wie viele Menschen unseren Talk „Die letzte Instanz“ als massiv verletzend und rassistisch diskriminierend erlebt haben. Das bestürzt mich, weil ich Rassismus abgrundtief verachte. Mit einer Debatte über rassistischen Sprachgebrauch nun im Zentrum von Rassismusvorwürfen zu stehen, trifft mich hart. Diejenigen, die die Sendung als verletzend empfunden haben, möchte ich aufrichtig um Entschuldigung bitten“. Das Statement postete er auf seiner Facebookseite.

Update vom 1. Februar, 16:30 Uhr: Auch Jennifer Weist äußert sich zu den Aussagen der prominenten Gäste aus der Talkshow „Die letzte Instanz“. „Wenn du eben in so eine Talkshow eingeladen bist und vorher nicht checkst, dass da gar keine Leute sind, die zu diesen Themen was sagen sollten, die wirklich betroffen sind“, so die Sängerin, die sich weiter übel aufregte: „Wenn du es nicht checkst - davor nicht und nicht in der Sendung, dann kannst du dir deine dämliche und kack Entschuldigung, die du dir aus den Rippen geleiert hast danach - die kannst du dir sparen“, lauten ihre Worte. In mehreren Instagram-Storys regt sich die 34-Jährige über den Vorfall und die Äußerungen von Janine Kunze auf.

„Die letzte Instanz“ im WDR: Schauspielerin Janine Kunze meldet sich nach öffentlicher Äußerung

Update vom 1. Februar, 09:05 Uhr: „Ich habe den ganzen Tag darüber nachgedacht, die richtigen Worte zu finden in Bezug auf das, was ich in der Sendung gesagt habe und wie sich diejenigen fühlen, die ich damit verletzt habe“ - beginnt Janine Kunze ihren Entschuldigung. Wie auch msl24.de berichtet*, veröffentlicht die Schauspielerin ein Statement, nachdem sie durch ihre fraglichen Äußerungen in der Talkshow „Die letzte Instanz“ einen Shitstorm erlangt. „Ich werde zukünftig meine Wortwahl überdenken, denn es war falsch, dass ich mir angemaßt habe, als privilegierte weiße Frau über ein Thema zu sprechen, welches ich in seiner Konsequenz und in seinen Ausmaßen nicht beurteilen kann!“.

TV-Zuschauer und Instagram-User sind da geteilter Meinung, als sich die 46-Jährige am Sonntagabend (31. Januar) öffentlich auf der Social-Media-Plattform Instagram entschuldigt. Von „Ich finde Ihre Entschuldigung mutig und habe diesen Text mit Anerkennung gelesen. Ich hoffe, dass Sie sich tatsächlich über dieses sensible Thema informieren“ zu „Ich persönlich kaufe dir deine Entschuldigung nicht ab“. Eine Diskussion bricht in den Kommentaren aus.

„Die letzte Instanz“: WDR meldet sich mit offiziellem Statement zur Talkshow

Update vom 31. Januar, 15:20 Uhr: Der WDR-Sender meldet sich mit einem Statement zu der „Die letzte Instanz“-Talkshow mit Moderator Steffen Hallaschka. „Wir verstehen die Kritik! Sie haben recht. Der Verlauf der Sendung war nicht so, wie wir es geplant und uns vorgestellt hatten. In der „letzten Instanz“ sollen kontroverse Themen auf unterhaltsame Weise diskutiert werden, und dabei darf natürlich jeder Gast seine Meinung äußern. Aber rückblickend ist uns klar: Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt davon betroffen sind. Wir lernen daraus und werden das besser machen“, heißt es in einem offiziellem Statement des Senders.

„Sag‘ mal WDR, brennt ihr eigentlich?“: Hallaschka-Talkshow bekommt Shitstorm

Erstmeldung vom 31. Januar, 13:27 Uhr: Köln - Eine Talkshow ist dafür da, um über verschiedenste Themen zu sprechen. Und ja, vielleicht auch sogar um darüber zu diskutieren. In der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ lädt Moderator Steffen Hallaschka prominente Gäste in seine Talkrunde ein: Thomas Gottschalk, Janine Kunze, Micky Beisenherz und Jürgen Milski. Das Thema, welches am 29. Januar in der Runde besprochen wird, sorgt für einen großen Eklat im Netz: es geht um Rassismus. Es beginnt mit der ersten Diskussion über den Begriff „Zigeuner Schnitzel“. Der 49-jährige Moderator möchte von seinen Gästen wissen, wie sie zu dieser Formulierung des Wortes stehen. Schließlich ist dieses Wort für viele Menschen schon lange ein absolutes No-Go. Doch an alten Formulierungen möchte nicht jeder etwas ändern.

„Die letzte Instanz“(WDR): Janine Kunze äußert sich zu Rassismus-Thema

Aber es fühlen sich ja Menschen diskriminiert. Der Zentralrat der Sinti und Roma sagt: ‚„Zigeuner“ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird – so haben sich die Sinti und Roma nämlich niemals selbst genannt. Haben die kein Recht selber zu entscheiden wie sie genannt werden wollen?“ fragt Steffen Hallaschka in die prominente Talkrunde. Schauspielerin Janine Kunze möchte ihre Meinung dazu äußern: „Doch, sicherlich. Ich meine, wenn denen das nicht passt - gut. Wir können ja Dinge ändern und das ist in Ordnung. Ich finde, da sitzen wahrscheinlich zwei bis drei Leute, ich sag‘ das jetzt echt mal so lapidar dahin, die haben vielleicht auch nichts besseres zu tun. Und fangen dann, in meiner Welt, mit so einem Quatsch an. Es tut mir Leid, ich möchte auch niemanden zu nahe treten. Aber ich finde es nervig!“, so die 46-Jährige.

„Die letzte Instanz“(WDR): Großes Aufsehen nach Talkshow - Janine Kunze erntet Shitstorm

Die Entstehungsgeschichte vieler Worte „ist ja keine negative“, findet Kunze. „War es notwendig die Zigeuner-Soße umzutaufen?, fragt Hallaschka. Jeder der prominenten Gäste zeigt die rote Karte, bedeutet: sie sind der Meinung, dass es nicht notwendig war. Kunze macht eine weitere Aussage zu Formulierungen verschiedener Worte, die bei vielen Zuschauern ein großes Fragezeichen hinterlässt: „Was dürfen wir denn jetzt sagen? Farbige? Afroamerikanische Freunde? Die haben noch nie in ihrem Leben darüber nachgedacht, ob sie sich beleidigt fühlen wenn einer sagt: ‚Kann ich einen Mohrenkopf essen?‘ Wenn du natürlich dir jeden Schuh anziehst und dich beleidigt fühlst... Entschuldigung, hier sitzt eine blonde Frau mit relativ großer Brust. Was meinst du denn, was wir uns anhören?“ erklärt sie. Für viele TV-Zuschauer war das eine Aussage der Schauspielerin, die sie nicht nachvollziehen können. Ein heftiger Shitstorm bricht gegen die Schauspielerin bei Twitter aus.

„Sagt mal WDR, brennt ihr eigentlich, dass ihr Menschen wie Janine Kunze und Jürgen Milski eine Stunde ihren Rassismus verteidigen lasst, anstatt überhaupt mal Betroffene zu Wort kommen zu lassen? Wieso darf so etwas ausgestrahlt werden? Ich bin fassungslos“, kommentiert eine User auf Twitter. „Ugh. Damit hat sich Janine Kunze ganz schön Sympathien verspielt. Ich verstehe es einfach nicht. Ihr muss doch klar sein, was das für Folgen haben wird in der heutigen Zeit“ - die Kommentare unter dem Hashtag #JanineKunze, #WDR oder #DieletzteInstanz häufen sich. Mittlerweile hat sich auch Comedian Enissa Amani über die Talkshow geäußert.

Comedian Enissa Amani äußert sich zur WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“

In einem geteilten Video auf Instagram äußert sich Enissa Amani zu den Aussagen von Janine Kunze & Co.: „Es ist unfassbar, dass es eine WDR-Sendung gab und die WDR-Sendung nennt sich „Die letzte Instanz“. Und ich möchte die Leute nicht beim Namen nennen, weil ich auf gar keinen Fall will, dass solche Leute noch irgendwie einen Push bekommen“, erzählt sie in ihrem Live-Video.

Amani äußert sich in einem 22-minütigen Video dazu, dass sie es nicht in Ordnung findet, wie sich die prominenten Gäste in der WDR-Talkshow verhalten haben. Zu Beginn ihres Videos bestätigt sie sogar, dass sie heute noch einen Podcast zu diesem Thema aufnehmen wird. Nächsten Freitag soll der Podcast auf den verschiedensten Streamingdiensten zu hören sein. Janine Kunze hat sich zu den Vorwürfen der Twitter-User, wie auch zu den Aussagen von Enissa Amani, noch nicht geäußert. *msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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