Von Müttern und Töchtern

„Die Diva, Thailand und wir“ – ARD-Komödie mit Tiefgang

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Anneliese (Hannelore Elsner, li.) und Susanne (Anneke Kim Sarnau) nähern sich an

München - Hannelore Elsner und Anneke Kim Sarnau sind die Hauptdarstellerinnen in der dreiteiligen ARD-Komödie „Die Diva, Thailand und wir“. Darum geht es.

Raus aus dem Wintergrau, rein in die Sonne. Susanne hat den Familientrip nach Thailand bis ins letzte Detail geplant. Nichts steht der Reise ins ­Inselparadies im Weg – außer Susannes Mutter Anneliese. Die 72-jährige Operndiva darf nach einem Schwächeanfall nicht unbeaufsichtigt daheim bleiben. Zum Leidwesen ­aller Beteiligten. Die Diva, Thailand und wir ist eine brillant gespielte ARD-Komödie, die in ihren ­besten Momenten zu Tränen rührt. Getragen wird sie von ­Hannelore Elsner als herrlich bösartigem Ekel­paket und Anneke Kim ­Sarnau, die als überforderte Tochter eine überzeugende Vor­stellung gibt.

Für die Mutter sorgen oder sie im thailändischen Pflegeheim entsorgen – das ist die Frage, die sich Susanne im Laufe des Films stellt. 11.000 Kilometer Distanz scheinen die perfekte Entfernung für das höchst angespannte Mutter-Tochter-Verhältnis zu sein. Während die qualmende Diva unter ­Asiens Sonne Giftpfeile in alle Richtungen verschießt und die Enkelkinder mit mieser Laune drangsaliert, fällt Susanne eine Entscheidung und bucht einen Platz in der thailändischen Seniorenresidenz. Dumm nur, dass der Rest der Familie davon nichts weiß.

Aussprache am Meer: Nach einer gemeinsam durchzechten Nacht finden Susanne (Anneke Kim Sarnau, li.) und Anneliese (Hannelore Elsner) die richtigen Worte

Pflege im Alter, Krankheit, Verletzungen in der Kindheit – eigentlich der Stoff für ein ­großes TV-Drama, doch die Drehbuchautoren Aglef ­Püschel und Franziska an der Gassen drechseln daraus eine schwarz­humorige Tragi­komödie. Die ist über weite Strecken vorhersehbar, aber deswegen nicht weniger unterhaltsam. Immer wieder gelingt der Blick in die Tiefe. Es fällt nicht schwer, sich mit der ­Figur der Susanne zu identifizieren, die nur mühsam mit der Mutter Frieden schließen kann. Warum, das kann Schauspielerin Anneke Kim Sarnau ­(Polizeiruf 110) gut verstehen. „Wir tragen alle Altlasten mit uns herum“, sagt sie im Gespräch mit der tz. „Sie hindern uns daran, das Hier und Jetzt zu genießen. Das ist schade, weil ­unsere Zeit auf Erden so ­limitiert ist.“ Mit großer Wahrhaftigkeit spielt Sarnau die genervte, aber pflichtbewusste Tochter. Die 44-Jährige ist selbst Mutter zweier Kinder. Deren Geburt habe ­alles verändert. „Seitdem sehe ich meine ­Eltern nicht mehr aus den Augen eines Kindes, sondern nehme sie bewusst als liebevolle Großeltern wahr. Man rückt vom Kindsein ab und sieht auf einmal die Herausforderungen, die eine Elternschaft mit sich bringt.“ Dazu kommt die Selbsterkenntnis. Ähnlich wie Susanne im Film entdeckte auch Anneke Kim Sarnau mit dem Älterwerden Charakterzüge ihrer Mutter an sich selbst: „Ich bin mit einer Mama groß geworden, die sehr viel Wert auf Ordnung und Sauberkeit legt. Ich war früher immer eine Chaotin. Heute ertappe ich mich dabei, dass ich bei meinen Kindern den gleichen Ton anschlage. ,Räumt die Schuhe auf! Lasst die Klamotten nicht rumliegen‘ – alles Sätze, von denen ich immer dachte, dass sie mir nie über die ­Lippen kommen.“

Es steckt viel Wahrheit in der Komödie Die Diva, Thailand und wir!, die mit Humor nimmt, was manchmal zum Heulen ist. Regisseurin ­Franziska Buch bettet die Geschichte in wunderbare Asienbilder ein. Es dauert eine Weile, bis sich die Diva bei schwülen 32 Grad von ihrem Pelzmantel trennt und damit auch das dicke Fell ablegt.

Schrittweise steuert der Film auf ein versöhnliches Ende zu. Ein konsequenter Schluss findet Sarnau: „Denn so schwer das in manchen Situationen erscheinen mag – dem anderen und sich selbst zu vergeben, ist im ganz egoistischen Sinne heilsam.“

Astrid Kistner

„Die Diva, Thailand und wir“, Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

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