Was Sohn Franz Georg zum neuen Film sagt

Doku-Drama: Franz Josef Strauß abseits aller Klischees

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Edith Konrath und Bernhard Ulrich spielen das Ehepaar Strauß in der Doku.

MÜnchen - Nach der Erstaufführung des neuen Doku-Dramas "Der Primus – Franz Josef Strauß" zeigte sich Sohn Franz Georg Strauß mächtig beeindruckt.

„Der Primus – Franz Josef Strauß“

Montag, 27. Juli, 22.50 Uhr, ARD

Als der Abspann läuft, atmet Franz Georg Strauß (54) einmal tief durch. Dann applaudiert er. Der jüngere Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten ist nach der Premiere des Doku-Dramas Der Primus – Franz Josef Strauß am Freitag in der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film sichtlich bewegt. „Es ist das erste Mal, dass in einem Film über meinen Vater auch die Rolle meiner Mutter dargestellt wird … Sie ist ja vielfach unterschätzt worden. Aber man hat ja spätestens nach ihrem Tod 1984 gesehen, wie wichtig sie für meinen Vater war.“ Aber es ist nicht nur dieser Punkt, der den Film für Franz Georg Strauß zu etwas Besonderem macht. Es ist auch die Art, wie die Beziehung seiner Eltern dargestellt wird. Sehr innig. Mit Momenten von einer fast zerbrechlichen Zärtlichkeit. „So war es tatsächlich. Das trifft es sehr gut.“

Ein viel größeres Kompliment hätte er den beiden Darstellern Edith Konrath (Marianne Strauß) und Bernhard Ulrich (FJS, beide kennt man aus der BR-Soap Dahoam is Dahoam), kaum machen können. Und Autor und Filmteam auch nicht. Denn deren Ziel war es, sich dem Phänomen FJS – aus Anlass seines 100. Geburtstages am 6. September – einmal von einer ganz anderen Seite zu nähern: jenseits aller Klischees.

Franz Georg Strauß (li.) war beeindruckt.

Das beginnt mit der Phase im Leben von Strauß, die seine größte Niederlage einleitet, der Bekanntgabe seiner Kanzlerkandidatur im Jahr 1979. Und begleitet ihn bis zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses am 5. Oktober 1980, das Helmut Schmidt im Amt bestätigt und seinen eigenen Traum von der Kanzlerschaft platzen lässt. Unterbrochen wird dieses Geschehen immer wieder von Rückblicken – auf seine Kindheit, seine Zeit als Soldat, die Ernennung zum Minister, seine Hochzeit, die Spiegel-Affäre … Dafür bedient sich der Film Spielszenen, Originalaufnahmen (auch ganz privaten) und Interviews mit Zeitzeugen, die zeigen, wie aus Strauß der Primus wurde (er machte sowohl das beste Abitur in ganz Bayern wie auch das beste Staatsexamen) und dann der Politiker, der wie kein Zweiter die Gesellschaft der Bundesrepublik gespalten und polarisiert hat. Für die einen war der ehrgeizige Metzgerssohn ein Heilsbringer, für die anderen ein von Affären gebeutelter Kriegstreiber. Der (Grimme-Preis-geehrte) Autor Werner Biermann räumte bei der Premiere offen ein, dass er zur zweiten Gruppe gehörte. Durch die Arbeit für die Doku habe er aber sein Strauß-Bild revidieren müssen. Das beziehe sich allerdings auf den Mensch. Auf eine Bewertung der Politik von Strauß verzichtet das Doku-Drama.

Marianne Strauß war sehr wichtig für ihren Mann. Auch seine Kanzlerkandidatur stimmte er mit ihr ab

Dafür wird man mit eindrücklichen Spielszenen entschädigt. Zum Beispiel, wie Strauß kurz vor Kriegsende einen Kameraden vor den Todesschergen der SS rettet, als Landrat in Schongau zum Frauenschwarm avanciert, in einer Bar in den USA den Einkauf des Kampfjets Starfighter einfädelt oder von Konrad Adenauer (der ihn als Familienminister im Kabinett haben wollte) ermuntert wird, endlich zu heiraten.
Im „Gebirge Strauß“, wie es Sohn Franz Georg umschreibt, „kann man sich leicht verlaufen.“ Der „Primus“ stellt eine gelungene Route dar. Vielleicht nicht zum Gipfel, aber zum Menschen Strauß, der gar nicht so gern der Überflieger und schon gar nicht ein Feindbild war, wie ein Zitat von ihm über sich selbst belegt: „Ich bin weder Heiliger noch ein Dämon. Ich bin kein ausgeklügeltes Buch, sondern ein Mensch in seinem Widerspruch.“

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