TV-Kritik

Dokumentation über Scorpions: Eine Art PR-Film, dem die Tiefe fehlt

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Eine Dokumentaion befasst sich mit der Karriere der Scorpions. Hier im Bild Frontmann Klaus Meine.

Die Scorpions begeistern ihre Fans seit fast 50 Jahren. Eine Dokumentation befasst sich mit der Band, kratzt aber nur an der Oberfläche.

München - Kaum je in der Geschichte der populären Musik waren sich Publikum und Kritik derart einig wie im Fall der Scorpions: Die Leidenschaft, mit der die Band aus Hannover von Fans gefeiert wird, korrespondiert ziemlich genau mit dem Ausmaß der Verachtung von Musikjournalisten. Durchgesetzt haben sich – wie immer – die Fans. Seit einem halben Jahrhundert gibt es die Scorpions, sie haben gut 100 Millionen Tonträger verkauft und weltweit Stadien gefüllt.

Nun hat Arte vor der Macht des Faktischen kapituliert und zeigt Freitag um 21.50 Uhr eine Kino-Dokumentation über die Band als Free-TV-Premiere. „Forever and a Day“ sollte ein Film über die Abschiedstournee der Scorpions werden.

Scorpions: Der fehlt die Stringenz

Während der Dreharbeiten stellte sich allerdings heraus: Abschied ist nur ein Wort, man macht einfach weiter, weil es so schön ist. Katja von Garnier, bislang nicht als Dokumentarfilmerin bekannt, hat fleißig Material angehäuft, das leider nicht besonders stringent montiert ist. Grob chronologisch gegliedert sieht man die Scorpions in allen Teilen der Welt auftreten, vor restlos euphorisierten Fans spielen und dann wieder weiterreisen. Woher diese Begeisterung kommt, erahnt man nur, wenn Kollegen wie Paul Stanley von Kiss befragt werden. Die berichten von spektakulären Konzerten, mit denen die Scorpions sich Ende der Siebzigerjahre den Respekt der Branche und die Liebe des Publikums erarbeiteten.

Scorpions: Doku „Forever and a Day“

In die Tiefe geht es freilich selten, obwohl sich die Musiker sehr zugänglich zeigen. Sänger Klaus Meine etwa gesteht mit sichtbarem Gram ein, wie schmerzvoll es ist, überall auf der Welt bejubelt zu werden, während man in Heimat bestenfalls ignoriert wird.

Scorpions erlebten kuriose Anekdoten zum Beginn der Karriere

Auch über die holprigen Anfänge erfährt man eher wenig, obwohl es viele hübsche Anekdoten gibt. ­Gitarrist Rudolf Schenker etwa erinnert sich an einen Auftritt in einem Tennisclub, bei dem die blutjungen Scorpions beliebte Schlager spielten, weil dem elitären Publikum die Musik der Scorpions zu laut war. „Wir brauchten das Geld.“ Aber solche ­Momente sind rar, über weite Strecken ist das eine Art PR-Film, zu dem die Band sichtlich viel privates Archivmaterial beigesteuert hat.

Weil es keine echte dramaturgische Struktur gibt, schleichen sich gewisse Längen ein, was schade ist. Denn wenn etwa das Ehepaar Meine darüber spricht, wie es ist, eine funktionierende Partnerschaft und das Musikgeschäft unter einen Hut zu bringen, ist das etwas, was man sonst eher selten in solchen Dokumentationen sieht. Alles in allem eine hübsche Bebilderung, die das Phänomen Scorpions nicht zu erklären vermag.

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Kurios war auch die Situation, die sich kürzlich darbot, als die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verabschiedet wurde. Beim großen Zapfenstreich wünschte sie sich einen Sog der Scorpions.

Video: Talk mit Klaus Meine und Rudolf Schenker in der „Harald Schmidt Show“

Zoran Gojic

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