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Ein schwerer Abschied

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Von: Astrid Kistner

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Für eine Theateraufführung im Gefängnis trägt Serientäter Kai Korthals (Lars Eidinger) einen Strick um den Hals.
Ein guter Mensch? Frauenmörder Kai Korthals (Lars Eidinger) ringt mit der eigenen Existenz. Was er anpackt, mündet in Gewalt und Zerstörung. © NDR

Er ist wieder da! Der Frauenmörder, der an Zahnbürsten lutscht, kehrt für ein finales Duell in den Kieler „Tatort“ zurück. Dabei liefern sich Serientäter Kai Korthals (Lars Eidinger) und Kommissar Borowski (Axel Milberg) ein nervenzerfetzendes Duell.

Als Fernsehkritikerin mit moralisch einwandfreiem Kompass muss man sich ernsthaft fragen, ob es legitim ist, sich über die Rückkehr eines irren Serienmörders so zu freuen. Mit „Borowski und der gute Mensch“ finalisiert Drehbuchautor Sascha Arango seine fulminante Krimi-Trilogie um den stillen Killer Kai Korthals, der „Tatort“-Geschichte geschrieben hat.

Sechs Jahre liegt seine letzte Tat zurück. Eine besonders grausame, bei der er Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) die Verlobte und damit das Liebesglück nahm. Seitdem sitzt Korthals in der forensischen Abteilung der JVA Kiel, kaum therapierbar, aber mit so viel Spielfreude, dass ihm sein Feuereifer bei der Theaterprobe sprichwörtlich zum Ausbruch verhilft.

Lars Eidinger vollendet in diesem Krimi, was er vor bald zehn Jahren begonnen hat: die Odyssee eines zutiefst traumatisierten Menschen, der trotz seiner verstörenden Brutalität hilfsbedürftig und beschützenswert erscheint. Gut und Böse, Hass und Zuneigung, Angst und Wut – Eidinger weicht die Grenzen auf und zeigt, dass manchmal ein kleiner Schritt reicht, um auf der anderen Seite zu landen.

Das Zusammenspiel mit Axel Milberg ist fein ausbalanciert, der Krimi in seinen weiteren Rollen überzeugend besetzt. Von der blinden Telefonseelsorgerin (großartig: Sabine Timoteo), die das wahre Wesen von Korthals „sieht“, bis hin zur Haushälterin (Victoria Trauttmansdorff), die Borowski in diesem spannungsreichen Katz-und-Maus-Spiel mit ihrem Pragmatismus erdet. Autor Sascha Arango und Regisseur Ilker Catak lassen die moralische Kompassnadel ordentlich rotieren und schaffen einen ARD-Thriller, der einem den endgültigen Abschied von Kai Korthals schwer macht.

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