Er ist einer der Besten seines Fachs

ESC 2015: Martin Grubinger trommelt die Welt zusammen

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Martin Grubinger (31) lässt’s beim Song Contest in der Wiener Stadthalle krachen.

München - Martin Grubinger ist 31 Jahre jung zählt seit Jahren zu den führenden Percussionisten weltweit. Beim Eurovision Song Contest 2015 in Wien wird tritt er als "Pausenfüller" auf. Die tz hat ihn zum Interview getroffen.

Update 1 vom 20. Mai 2015: Wann ist das ESC-Finale? Welche Bands treten im zweiten Halbfinale gegeneinander an? Wie heißt das Lied der deutschen Teilnehmerin Ann Sophie? Und was macht Conchita Wurst diesmal in Wien? Wir haben alle wichtigen Fragen und Antworten zum Eurovision Song Contest für Sie zusammengefasst.

Update 2 vom 20. Mai 2015: "Jeder will nur Pop hören, Balladen oder Gesangsgruppen. Wie sind eine etwas andere Band. Wir haben unser Bestes gegeben, aber diesmal keinen Fisch gefangen." Das sagte Sänger Kari Aalto, nachdem seine Band Pertti Kurikan Nimipäivät aus Finnland den Einzug ins ESC-Finale verpasst hat. Was bis Samstag zum großen Finale des Eurovision Song Contest in Wien passiert, verfolgen wir in unserem Newsblog.

Martin Grubinger ist 31 Jahre jung, brennt für Musik und zählt zu den besten Percussionisten unserer Zeit. Spielend füllt er große Hallen. Doch das, was am kommenden Samstag passiert, ist auch für den ebenso sympathischen wie lockeren Salzburger absolutes Neuland: Er tritt als „Pausenfüller“ beim European Song Contest in Wien auf – also nachdem die Künstler ihre Songs vorgestellt haben und bevor Jury und Zuschauer ihre Punkte verteilen. Wir sprachen mit dem Trommel-Star.

Herr Grubinger, welche Beziehung haben Sie denn zum Song Contest?

Martin Grubinger: Ich bin mit ihm aufgewachsen. Ich weiß noch, dass ich als Kind länger aufbleiben durf­te, um ihn zu sehen. Jeder hat seinen Favoriten getippt, und wir haben auf den Sieger gewettet.

Und wie haben Sie abgeschnitten?

Martin Grubinger: Mein Kandidat wurde es nie. Lokalpatriotismus hat sich als Österreicher ja auch nicht gelohnt – nach Udo Jürgens war es jahrzehntelang desaströs. Bis dann Conchita Wurst kam und wie eine Bombe eingeschlagen ist. Das war ein Riesending.

Gefällt Ihnen musikalisch, was beim Song Contest abgeht?

Martin Grubinger: Da hat das Niveau in den vergangenen knapp zehn Jahren ganz schön angezogen. Da sind Songs dabei – etwa von Lena, Conchita oder Loreen –, die richtig gut sind. Toll arrangiert und mit viel Potenzial. Gerade in den mitteleuropäischen Ländern ist da einiges passiert. Mit Leuten wie Stefan Raab hat sich eine ganz neue Professionalität den Weg gebahnt.

Würden Sie sich zutrauen, einen erfolgreichen Song für den Contest beizusteuern?

Martin Grubinger: Ja, natürlich. Manchmal denk ich mir schon: Das wäre schon interessant, das mal zu probieren. Und ich bin ja nicht nur mit Klassik aufgewachsen. Die Helden meiner Jugend waren etwa auch Sting, The Police, U2.

Was werden Sie denn beim Song Contest kredenzen?

Martin Grubinger: Wir versuchen, als Gastland einen großen Querschnitt unserer Musikgeschichte in neuneinhalb Minuten zu präsentieren. Das geht von Bruckner über Mahler bis zu Salsa, Afro, Fusion oder Rock.

Werden Sie die klassischen Musikausschnitte neu arrangieren?

Martin Grubinger: Um Gottes Willen, nein! Alles erklingt – gut, nicht live, das wäre zu riskant – in Original-Besetzungen. Wir sind eine starke Truppe, da sind zum Beispiel auch Musiker von den Wiener und Berliner Philharmonikern und den BR-Symphonikern mit dabei. Und auf der Bühne stehen außerdem rund 80 Schlaginstrumente, die von mir und meinen Freunden etwa aus Südafrika, aus Kuba oder Brasilien bedient werden. Neben der großen Bühne gibt es vier Satellitenbühnen, damit wir ganz direkt das Publikum ansprechen können.

Was springt finanziell dabei raus?

Martin Grubinger: Mei, ganz ehrlich: Das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass wir die Chance haben, Millionen junger Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen auf die Klassik aufmerksam zu machen. Vielleicht sind Leute aus China, Australien und sonstwo dabei und sagen: Wow, die Klassik ist ja total aufregend und emotional! Ich geh mal in ein Konzert!

Stichwort: Martin Grubinger

… wurde am 29. Mai 1983 in Salzburg geboren und zählt seit Jahren zu den führenden Percussionisten weltweit. Seine Spezialität ist die enorme stilistische Bandbreite. Der Rhythmus liegt den Grubingers im Blut, sein Vater, Martin Grubinger sen., ist Schlagzeuger und Lehrer am Mozarteum. Der Junior moderiert seit 2010 im Wechsel mit der Cellistin Sol Gabetta das Musikmagazin KlickKlack im Bayerischen Fernsehen. Seine nächste Sendung ist am 21. Mai um 23.25 Uhr. ­Grubinger lebt in Unterdorf (Thalgau) und ist mit der Pia­nistin Ferzan Önder verheiratet.

Matthias Bieber

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