Alles zum absoluten Topfavoriten

ESC 2017: Hat er den Sieg so gut wie sicher?

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Francesco Gabbani tritt für Italien beim ESC 2017 an.

Kiew/München - „Occidentali's Karma“ hat den Sieg beim Eurovision Song Contest 2017 vielleicht schon so gut wie sicher. Wir erklären den Interpreten Francesco Gabbani, die Bedeutung und die Übersetzung des Songs.

Beim Eurovision Song Contest gibt es jedes Jahr einen Favoriten - oft auch einen sehr klaren. Allerdings gewinnt der nicht immer. Kenner erinnern sich an den ESC 2014 ein paar Jahren, als etwa der Armenier Aram Mp3 Wochen vor dem Song Contest als Favorit gehandelt wurde - und dann, auch aufgrund unglücklicher (mancher würde sagen „dummer“) Äußerungen doch zurückfiel und mit dem Sieg nichts zu tun hatte. Sehr oft hingegen holen die Favoriten am Ende tatsächlich den Sieg. Man erinnere sich an Måns Zelmerlöw aus dem traditionell sehr starken Schweden. Er fuhr 2015 eine spektakuläre Video-Performance auf, was ihn schon im Vorfeld zum Wettquoten-Führenden machte. Am Ende gewann er klar den ESC.

Auch 2017 gibt es einen klaren Top-Aspiranten auf den ESC-Sieg. Einen ganz klaren. Sein Name: Francesco Gabbani. Sein Herkunftsland: Italien. Sein Song für den ESC 2017: „Occidentali's Karma“.

Wer von ihm noch nie gehört hat, der dürfte sich zunächst wundern: ein Italiener soll den ESC gewinnen? Unsere südlichen Freunde sind beim ESC üblicherweise eher schwach. Dazu ist der Titel des Songs, mit dem Francesco Gabbani an den Start geht, unaussprechlich. Und: Er ist in seiner Muttersprache Italienisch gehalten. 

„Occidentali's Karma“ von Francesco Gabbani beim ESC 2017: Das ist der Künstler

Italiens Mann beim Eurovision Song Contest, Francesco Gabbani, ist schon über das Newcomer-Alter hinaus: Er ist 34 Jahre alt. Er spielte jahrelang in einer Band namens Trikobalto und startete nach deren Auflösung 2010 eine Solo-Karriere.

Der im toskanischen Carrara geborene Gabbani veröffentlichte im Sommer 2011 seine erste Single als Solo-Künstler, die den Titel „Estate“ (dt. „Sommer“) trug. Erst zwei Jahre später folgte sein erstes Album („Greitist Iz“).

Doch der Schlüssel zum großen Erfolg war das renommierte italienische Gesangsfestival Sanremo. Er schaffte es über die Fernsehsendung „#SG – Sanremo Giovani“ in die Newcomer-Kategorie 2016 von Sanremo und gewann diese mit dem Song „Amen“. Im Jahr 2017 war er dann in der Hauptkategorie dabei - und räumte auch bei dieser ab. Mit seinem Song „Occidentali's Karma“, mit dem er nun auch beim Eurovision Song Contest antreten wird. Beim prestigeträchtigen Musikwettbewerb setzte er sich gegen die Favoritin Fiorella Mannoia (63) und Ermal Meta (35) durch.

Am 12. Februar 2017 folgte der nächste Meilenstein: Innerhalb eines Tages wurde das Video zu „Occidentali‘s Karma“ auf der Videoplattform VEVO über vier Millionen Mal aufgerufen, so oft wie noch kein anderes italienisches Lied zuvor. Nur wenige Tage danach wird der Song aufgrund von über 25.000 Downloads mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Am 3. April erhielt er sogar Dreifachplatin.

Hat gut lachen: Francesco Gabbani (mit Sonnenbrille) am Rande eines Presseevents in Amsterdam.

„Occidentali‘s Karma“ von Francesco Gabbani beim ESC 2017: Die Geschichte des Songs

Francesco Gabbani singt den Song nicht nur, er hat „Occidentali's Karma“ auch geschrieben. Allerdings nicht alleine. Musik und Text stammen aus seiner Feder sowie aus der seines Bruders Filippo Gabbani, Luca Chiaravalli und Fabio Ilacqua.

Uraufgeführt wurde „Occidentali's Karma“ am 8. Februar 2017 beim Sanremo-Festival, wo er den Sieg holte. „Das hätte ich nicht erwartet“, sagte Gabbani nach seinem Triumph und fügte hinzu: „In einem kleinen Teil meines Herzen habe ich es gehofft, aber ich habe es nicht erwartet.“

Im Anschluss nahm er als Sieger des Musikwettbewerbs das Angebot an, für Italien beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew anzutreten. Seine Entscheidung ist keinesfalls selbstverständlich. Schließlich lehnte erst im vergangenen Jahr die Sieger-Band Stadio die Teilnahme ab. An ihrer Stelle fuhr die Zweitplatzierte Francesca Michielin zum ESC nach Stockholm. Dort belegte sie den 16. Rang.

Doch zurück zu Gabbani: Wie er der Zeitung Repubblica verriet, sollte der Song ursprünglich „Occidentalis Karma“ heißen. Dann erhielt er im Titel aber ein Apostroph - um wenigstens ein bisschen Englisch zu klingen.

Besonders kurios: Sowohl im offiziellen Musikvideo, als auch bei seinem Auftritt bei Sanremo stand neben Gabbani auch ein Mensch im Affen-Kostüm auf der Bühne. Denn im Songtext heißt es: „La scimmia nuda balla.“ Wörtlich übersetzt bedeutet dies: „Der nackte Affe tanzt.“ Es ist somit auch davon auszugehen, dass der etwas andere Tänzer auch beim Eurovision Song Contest auftreten wird.

„Occidentali's Karma“ von Francesco Gabbani beim ESC 2017: Die Wettquoten

Die Seite eurovisionworld.com sammelt die Wettquoten von verschiedenen Anbietern. Und Stand 18. April war die Favoritenrolle ganz klar verteilt: Bei sämtlichen aufgeführten Wettbüros lag Francesco Gabbani mit „Occidentali's Karma“ klar vorne. Einen Sieg vorausgesetzt zahlt zum Beispiel bet365 nur zwei Euro bei einem Euro Einsatz aus, bei Unibet war die Quote zum Zeitpunkt unseres Checks mit 2,3:1 noch am höchsten.

Die dahinter platzierten Kandidaten haben schon gehörigen Abstand: Kristian Kostov aus Bulgarien liegt (niedrigste Quote) bei 6:1, Robin Begtsson aus Schweden bei 8:1, Salvador Sobral aus Portugal auf dem vierten Platz bei 11:1. Deutschland ist übrigens unter ferner liefen.

„Occidentali's Karma“ von Francesco Gabbani beim ESC 2017: Was für einen Sieg spricht

Neben den Wettquoten (siehe oben) spricht einiges für einen klaren Sieg von Francesco Gabbani mit „Occidentali's Karma“. Zum einen natürlich der Song selbst - ein pfiffiger Popsong, der unwiderstehlich ist und trotzdem komplex aufgebaut. Sein durchaus tiefschürfener Text dürfte auch bei Feuilletonisten für Begeisterung sorgen und keineswegs nur Freunde von Tralala-Pop ansprechen.

Für seinen Triumph spricht auch der überwältigende Erfolg, den „Occidentali's Karma“ bisher eingefahren hat: Im Februar belegte der Song drei Wochen lang Platz 1 der italienischen Single-Charts (bis ihn Ed Sheeran ablöste). Auch in der Schweiz ist der Track schon in die Single-Charts eingestiegen.

Der überwältigende Erfolg bei YouTube spricht ebenfalls für eine länderübergreifende Begeisterung: Das offizielle Video zu „Occidentali's Karma“ sammelte bis zum 18. April mehr als 95 Millionen Aufrufe. Der Auftritt beim Sanremo-Festival kam auf 6,3 Millionen.

Zum Vergleich: Der deutsche Beitrag „Perfect Life“ von Levina sammelte zum selben Zeitpunkt nur magere 980.000 bzw. 1,4 Millionen Aufrufe für Musikvideo bzw. Live-Video. Der Schwede Robin Bengtsson, der ebenfalls zum Favoritenkreis gezählt wird, kam auch nur auf  2,9 bzw. 2,5 Mio. Aufrufe.

„‘Occidentali's Karma‘, haut mich um - auf allen Ebenen!“, schwärmt ein Schweizer Autor auf dem ESC-Blog Windmaschinchen. „Was will man mehr? Der Mann hat eine Ausstrahlung, die für ein halbes italienisch Dorf reichen würde, und ein Lachen, das einen ganzen Kontinent in Aufruhr versetzen wird. Als würden diese Äußerlichkeiten nicht schon genügen, um den ESC zu gewinnen, setzt er mit dem Song noch eine Schippe oben drauf und spielt plötzlich, völlig unerwartet, mit den Dimensionen der Äußerlichkeiten!“

„Occidentali's Karma“ von Francesco Gabbani beim ESC 2017: Die Bedeutung des Songs

Puh, jetzt wird es anspruchsvoll. Wie bereits oben erwähnt ist der Text von „Occidentali's Karma“ sehr vielschichtig. Deswegen sammeln wir hier einfach zwei Interpretationsansätze:

Eurovision.de schreibt: „Gabbani singt ironisch über den westlichen Lebensstil und die Rückkehr zu den Verhaltensweisen unserer tierischen Vorfahren.“ Und auf dem ESC-Blog Windmaschinchen heißt es: „‚Occidentali's Karma‘ beschreibt die ‚hinterhältige‘ Überzeugung, dass wir Westler (zu glauben) hoffen, unseren inneren Frieden und die innere Gelassenheit in orientalischen (Glaubens-)Kulturen finden zu können. Dabei sind wir aber trotzdem nicht bereit, die letzte Konsequenz einzugehen und auf die westlichen Annehmlichkeiten resp. ‚Annehmlichkeiten‘ zu verzichten. Man will also trotzdem immer erreichbar sein und man will, weil man ja muss, dem modischen Trend entsprechen. In anderen Worten: Wir ‚verwestlichen‘ uns unsere Suche nach der inneren Gelassenheit nach unserem - abendländischem - Gutdünken und haben halt den Kopf bei Buddha, die Hand am Handy und lassen die Intelligenz eben mal aus der Mode kommen. Wir sind, wie Francesco Gabbani in diesem Interview schön erklärt, bei der Ausübung fremder Kulturen eigentlich nur Touristen!“

„Occidentali's Karma“ von Francesco Gabbani beim ESC 2017: Die Übersetzung des Songs

Wer kein Wort Italienisch spricht, der stolpert zunächst einmal über den seltsamen Titel. Und schnappt dann auch noch einzelne Begriffe aus dem Text auf wie „Sexappeal“. Aber wie passt das alles zusammen? Übersetzt heißt der Titel „Karma der Westler“.

Ansonsten sagt ein Video hier mehr als Tausend Worte - es gibt diesen schön gemachten Erklär-Clip, der nicht nur die deutsche Übersetzung zum Text anbietet, sondern auch diverse Begriffe erläutert:

lin/sk

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