Die haben doch nichts mit Europa zu tun!

ESC 2019: Warum ist Australien beim Eurovision Song Contest dabei?

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Warum ist Australien beim Eurovision Song Contest dabei? Was passiert, wenn Australien den ESC 2019 gewinnt? Auf diese Fragen gibt es hier Antworten.

Die australische Teilnehmerin Kate Miller-Heidke hat sich mit ihrem Lied „Don't Come Easy“ für das Finale des ESC 2019 qualifiziert. Glaubt man den Quoten der Buchmacher, dann hat sie sehr gute Chancen auf den Sieg.

Moment mal: Die australische Teilnehmerin beim Eurovision Song Contest? Gut, Russland, Aserbaidschan und Israel gehören auch nicht unbedingt zum europäischen Kernland. Aber Australien liegt tausende Kilometer von Europa entfernt. Genauer gesagt: Über 14.000 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt. Warum nimmt dann Australien heute bitteschön am Eurovision Song Contest teil? 

Kate Miller-Heidke (Australien) tritt mit „Zero Gravity“ beim ESC 2019 an

Die offizielle deutsche Seite des Eurovision Song Contest hält zu dieser Frage fest, dass es beim Eurovision Song Contest nicht um einen europäischen Wettbewerb gehe. Aha! Dann ist zumindest der Titel des Wettbewerbs ein wenig irreführend.

So widersprüchlich diese Aussage auch sein mag - Eurovision.de schreibt im Hinblick auf eine Teilnahme am ESC: „Die teilnehmenden Länder sind alle Mitglied in der European Broadcasting Union (EBU) und müssen nicht zwingend Teil der EU sein.“ Na, dann freuen wir uns aber schon auf eine künftige Teilnahme von Argentinien und der Mongolei beim ESC.

Warum ist Australien beim ESC dabei?

Der Hauptgrund für eine Teilnahme Australiens am ESC 2019 ist wohl die Beliebtheit des Wettbewerbs auf dem Kontinent. 1974 wurde der Eurovision Song Contest erstmals in Down Under übertragen. Damals ging die Australierin Olivia Newton-John für Großbritannien mit dem Lied „Long Live Love“ ins Rennen und belegte einen guten vierten Platz (den damaligen ESC haben übrigens ABBA gewonnen). Seither sind auch die Australier große Fans des Eurovision Song Contents.

Eurovision 1974 - United Kingdom - Olivia Newton John - Long Live Love

Es dauerte aber bis 2014, als zum ersten Mal eine Australierin beim ESC teilnahm: 2014 hatte Jessica Mauboy auf Vermittlung des Senders SBS aber nur einen Gastauftritt. 2015 erhielt Australien erstmals eine offizielle Einladung der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den Wettbewerb veranstaltet. Australien durfte gleich ins Finale einziehen und musste sich nicht erst in den Semifinals qualifizieren. Dafür hatte das Land in beiden Halbfinal-Runden ein Stimmrecht.

Zunächst war vorgesehen, dass Australien den Eurovision Song Contest gewinnen müsste, um im folgenden Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Auch wenn das nicht der Fall war, bekam das Land im folgenden Jahr wieder eine Chance, am ESC teilzunehmen: Aber Australien musste sich dieses Mal in einem Halbfinale qualifizieren.

So ist es auch in diesem Jahr. Auch Kate Miller-Heidke muss sich im Halbfinale für das Finale des ESC 2019 qualifizieren. Noch steht eine Entscheidung der EBU aus, ob Australien dauerhaft als assoziiertes Mitglied am ESC teilnehmen darf. Wegen des erfolgreichen Abschneidens der jeweiligen Teilnehmer deutet aber vieles darauf hin, dass dies in naher Zukunft passieren könnte.  Im Februar 2019 gab die EBU bekannt, dass Australien mindestens bis zum Jahr 2023 am ESC teilnehmen wird.

ESC 2019: Was passiert, wenn Australien beim Eurovision Song Contest gewinnt?

Wenn Australien heute mit Kate Miller-Heidke den Eurovision Song Contest gewinnt, dann würde der ESC 2020 wieder in einem europäischen Land stattfinden. Als Australien 2015 zum ersten Mal offiziell an einem Eurovision Song Contest teilnahm, wurde festgelegt: Sollte Guy Sebastian den ESC gewinnen, würde der australische Sender SBS als Co-Gastgeber in einer europäischen Stadt auftreten. In welchem Land? Diese Frage ist offen. In Frage käme vermutlich in erster Linie Großbritannien, das wie Australien zum Commonwealth gehört. Die Queen ist ja auch das Staatsoberhaupt des australischen Kontinents.

Diese Bestimmung widerspricht eigentlich den bisherigen ESC-Regeln. Traditionell findet der Eurovision Song Contest immer im Land des Vorjahressiegers statt. Da ein europäischer Wettbewerb aber nicht nach Australien verlagert werden soll, einigte man sich auf diesen Kompromiss.

Für die Entscheidung gegen den ESC in Australien gibt es neben der Entfernung zu Europa auch einen weiteren wichtigen Grund: Die Zeitverschiebung. So ist die australische Metropole Sydney (wo ein Großereignis wie der ESC wohl stattfinden könnte) Deutschland und Kern-Europa acht Stunden voraus. Sollte der ESC in Australien wie gewohnt um 21.00 Uhr stattfinden, wäre es bei uns 13.00 Uhr. Sollten sich die australischen Veranstalter an die europäische Zeit halten, dann würde der ESC bei uns wie gewohnt um 21.00 Uhr laufen. In Australien müssten die Künstler dann aber um 5.00 Uhr am Morgen auftreten. In Australien wird der ESC wegen der Zeitverschiebung übrigens seit jeher zeitversetzt übertragen.

Die Frage, was passiert, wenn Australien den ESC gewinnt, ist längst nicht mehr nur theoretischer Natur. 2015 wurde der australische Teilnehmer Guy Sebastian mit „Tonight Again“ zwar „nur“ Fünfter. Im vergangenen Jahr wäre dieses Thema aber beinahe akut geworden: Da holte die australische Sängerin Dami Im mit „Sound of Silence“ den zweiten Platz. Sie landete mit 511 Punkten in der Gesamtwertung nur knapp hinter der ukrainischen Sängerin Jamala (534 Punkte). Die Australierin lag übrigens in der Jury-Bewertung vor der Ukrainerin (320 zu 211 Punkte). 2017 kam Isaiah Firebrace auf einen guten neunten Platz. Im vergangenen Jahr reichte es für Jessica Mauboy nur für Platz 20. 

Bei den Buchmachern liegt die australische ESC-Teilnehmerin Kate Miller-Heidke laut Eurovisionworld.com aktuell zwar nur auf dem elften Platz. Aber wer weiß? Am Ende könnte es vielleicht eine Überraschung geben.

Auf jeden Fall wäre es eine interessante Frage, welche Herausforderungen die ESC-Veranstalter bei einem Sieg von Australien denn bewältigen müssten.

Kate Miller-Heidke reist für Australien mit ihrem Song "Zero Gravity" zum ESC 2019.

Kate Miller-Heidke ist die Teilnehmerin für Australien beim ESC 2019

Australien schickt die gelernte Opernsängerin Kate Miller-Heidke mit ihrem Song "Zero Gravity" zum ESC 2019 nach Tel Aviv. Sie gewann die erste öffentliche Vorentscheidung Australiens, Eurovision 2019: Australia Decides.

Von 2002 bis 2004 war Kate Miller-Heidke Mitglied der Band Elsewhere. Nach dem Ende der Gruppe startete sie ihre Solokarriere und veröffentlichte 2007 ihr Debüt-Album "Litte Eve". 

Der Durchbruch als Solo-Künstlerin gelang ihr 2009 mit der Single "The Last Day On Earth", die Platz drei der australischen Charts erreichte. Nebenher ist Kate Miller-Heidke in Down Under noch immer als Opernsängerin erfolgreich unterwegs.

Ihr (geplanter) Auftritt beim ESC 2019 erinnert ein wenig an Disneys Eiskönigin. Vielleicht gelingt ihr mit der spektakulären Inszenierung heute ein Mega-Erfolg bei den Zuschauern.

fro 

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