Alles für die gute Laune

ESC 2021: Jendrik Sigwart für Deutschland dabei - Seine Geheimwaffe ist die Strass-Ukulele

ESC-Kandidat Jendrik Sigwart
+
Jendrik Sigwart singt für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ 2021.

Jendrik Sigwart tritt beim „Eurovision Song Contest“ 2021 mit dem Song „I don‘t feel hate“ für Deutschland an. Wer ist die deutsche ESC-Hoffnung?

Rotterdam - „Ich empfinde keinen Hass - genau das ist der Punkt des Liedes“ - so erklärt Jendrik Sigwart seinen Song „I don‘t feel hate“. Der deutsche Kandidat hat eine klare Botschaft für den ESC 2021: Freiheit, Friede und vor allem Freude für jedermann. So ist der Titel, mit dem der 26-Jährige am 22. Mai 2021 in Rotterdam auf der Bühne stehen wird, nicht nur ein Plädoyer für mehr Toleranz. Er ist vor allem ein Ohrwurm und Gute-Laune-Garant par excellence. Wir haben die deutsche ESC-Hoffnung für Sie unter die Lupe genommen. Ein Experte hat für tz.de außerdem die Chancen von Jendrik beim ESC 2021 bewertet.

Jendrik Sigwart vertritt Deutschland beim ESC 2021 - mit der Regenbogenfahne

„Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht! Holla die Waldfee!“, freut sich Jendrik Sigwart, Deutschland 2021 als ESC-Kandidat in Rotterdam repräsentieren zu dürfen. Der gebürtige Hamburger tritt dabei jedoch nicht nur unter der deutschen Flagge an, sondern gewissermaßen auch für die Regenbogenfahne - also dem Aushängeschild der LGBTQ-Community, die sich unter anderem gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung einsetzt. So kämpft auch Jendrik genau für jenes Ziel:  „Ich finde es schade, wenn Sexualität nicht so akzeptiert wird, wie sie akzeptiert werden sollte“, bedauerte es der bekennend homosexuelle junge Mann einst im Gespräch mit der „Morgenpost“ und fügte an: „ Sexualität ist nicht schwarz-weiß, es gibt nicht nur schwul und heterosexuell. Das ist ein breiter Fächer.“

Das ist das Markenzeichen der deutschen ESC-Hoffnung Jendrik - Expertin gibt sich optimistisch

Was seine Performance beim ESC angeht, ist es vor allem ein breiter Fächer positiver Emotionen, die Jendrik auf die gigantische Bühne in Rotterdam bringen will. Immer dabei: Seine Ukulele, die über die Jahre zum Markenzeichen des jungen Sängers werden dürfte. Denn ohne sein Lieblingsinstrument Musik zu machen, ist für Jendrik mittlerweile undenkbar - „Es ist tatsächlich so, dass die Ukulele gute Laune verbreitet. Das ist wissenschaftlich bestätigt, aber subjektiv auch von mir“, ist er überzeugt. Folglich ist auch sein ESC-Song ursprünglich auf einer Ukulele entstanden - und konnte so zumindest schon mal einige Experten überzeugen.

Die Reaktion auf seinen Song fällt somit zumindest von einer der höchsten offiziellen Stellen aus bereits durchweg positiv aus: Alexandra Wolfslast, Chefin der deutschen ESC-Delegation, sagt beispielsweise über den Künstler: „Jendrik ist durch und durch authentisch, hat eine tolle Ausstrahlung und unglaubliche Entertainment-Qualitäten. Er hat völlig zurecht die ESC-Jurys überzeugt. Wir freuen uns sehr, dass er für Deutschland antritt.“ In einem beim „ESC - Update“ - also dem Podcast des NDR für alle Themen rund um den „Eurovision Song Contest“ - veröffentlichten Interview erklärt der Sympathieträger selbst in Bezug auf seine Teilnahme jedoch, nicht alle müssten ihn mögen, denn jeder könne sich ein freies Urteil bilden. Vermutlich ist es aber genau diese Ungezwungenheit, die ihn so gut ankommen lässt.

ESC -Teilnehmer Jendrik Sigwart - das ist der Mensch hinter dem gut gelaunten Bühnenkünstler für Deutschland

Jendrik zeigt sich einfach so, wie er nun mal ist. Das wird in zahlreichen Interviews mit der deutschen ESC-Hoffnung deutlich. Stets hat man das Gefühl, er würde sich einfach seinem Naturell entsprechend präsentieren, ohne sich für die Kameras groß ins rechte Licht zu rücken.

Es wirkt so, als würde der 26-Jährige einfach so drauflosplaudern - beispielsweise wenn er gesteht, keinen Kaffee zu trinken oder auch, dass das Joggen es ihm nicht sonderlich angetan habe: „Ich hab zwar immer, wenn ich in der Nacht vorher einen über den Durst getrunken habe, das Gefühl, richtig Lust auf Joggen zu haben, um den Kater quasi wegzujoggen, aber das mach ich dann leider doch nie“, lacht der 26-Jährige vermeintliche Laufmuffel über sich selbst.

Wird seine Musical-Erfahrung Jendrik Sigwart auch beim ESC 2021 in Rotterdam ganz nach vorne bringen?

Musikalisch gesehen läuft es dagegen rund für Jendrik Sigwart. Es steckt so einiges in ihm, beispielsweise ein Musical-Studium am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück. Dazu kommen einige praktische Erfahrungen, denn schon während seines Studiums begann Jendrik, in Musical-Produktionen aufzutreten und ergatterte schließlich in den Produktionen zu „My Fair Lady“, „Hairspray“ und in „Peter Pan“ die Titelrolle.

Ganz dem Repertoire eines ausgebildeten Broadway-Darstellers entsprechend, hat Jendrik auch eine kleine Steppeinlage in seinen Song beziehungsweise seine Performance für den ESC 2021 eingebaut. Die muss aber erstmal problemlos über die große europäische Bühne gehen. Lampenfieber scheint nämlich auch für einen so geübten Künstler wie ihn ein Thema zu sein. „Ab einer bestimmten Anzahl an Zuschauern kann man ausblenden, wie viele es sind. Bei zehn Leuten ist es schwerer. Denn da siehst du bei jedem einzelnen die Reaktionen“, gesteht Jendrik, wie ihn vor allem kleinere Auftritte nicht gänzlich kaltlassen. Er räumt auch in Bezug auf den ESC ein, dass er beim Gedanken daran immer aufgeregt ist. In früheren Zeiten hat ihm seine Nervosität schon mal ein peinliches Malheur beschert, wie der 26-Jährige heute lachend berichten kann. So habe er einmal die ganze erste Strophe seines Liedes vergessen und wäre danach am liebsten aus Scham im Boden versunken, erinnert sich Jendrik.

Das darf man von Jendrik Sigwart und seinem ESC-Song für Deutschland „I don‘t feel sorry“ erwarten

Beim „Eurovision Song Contest“ soll dergleichen aber keinesfalls passieren. So ist der gebürtige Hamburger in Rotterdam nicht nur mit einer Reihe Proben beschäftigt, sondern hat auch darüber hinaus nichts dem Zufall überlassen. Stattdessen wirkt sein ganzes Auftreten wie eine perfekt abgestimmte Aneinanderreihung ungezwungener kleiner Verrücktheiten - immerhin ist es auch genau das, woran Jendrik den größten Gefallen bei dem musikalischen Wettbewerb findet:  „Was mich begeistert, ist die Vielfältigkeit. Dass jeder so sein kann, wie er will. Dass jeder auch crazy sein kann“, schwärmt Jendrik vom ESC - wohl auch deshalb, weil es gewissermaßen genau das ist, wofür der 26-Jährige selbst steht: Ein gewisses Maß Verrücktheit gepaart mit blendend guter Laune, einer guten Prise Glamour und der nötigen Portion Kreativität. Ähnlich wie andere deutsche ESC-Acts, die für immer im Gedächtnis bleiben werden. Das wird auch bei einem Blick auf sein Lieblingsinstrument ersichtlich: Mit sage und schreibe 4.000 Strasssteinchen hat Jendrik seine Ukulele über die Jahre verziert - alle einzeln aufgeklebt, versteht sich.

Mit dem gleichen Eifer hat Jendrik Sigwart auch die Produktion des dazugehörigen Musikvideos selbst in Angriff genommen. 18 alte Waschmaschinen, ganz viel Farbe und noch mehr kreatives Chaos, darauf hat die deutsche ESC-Hoffnung dabei gesetzt. Das Ergebnis: Ein knallbunter Clip, der nur eines will: gute Laune verbreiten. Genauso, wie es der 26-Jährige am besten zu können scheint, was auch ein früheres Audio namens „Dibdibidi“ aus dem Jahr 2016 beweist.

Das sagt eine andere Expertin zur ESC-Hoffnung Jendrik Sigwart aus Deutschland

Dass Jendriks Sorglosigkeit gerade in aktuellen Zeiten durchaus gewinnbringend sein könnte, meint auch eine, die es wissen muss: Jane Comerford, einstige ESC-Kandidatin an der Seite von Ulli Dietrich aus dem Jahr 2006. Ihrer Meinung nach könne jetzt womöglich genau der richtige Zeitpunkt für so einen Song beim ESC sein, „weil Vieles ist so ernst und das Leben ist so ernst und Corona ist so ernst.“

Bei so viel Seriosität ist eine gute Portion Zuversicht wohl stets angebracht. Der Meinung ist offenbar auch Jendrik, der über sich selbst meint, er versuche, Optimismus zu trainieren. Das kann er dann auch beim „Eurovision Song Contest“ weiterüben, indem er auf die bestmögliche Platzierung hofft. Welche das sein wird und viele der insgesamt 12 Punkte beim ESC also nach „good old Germany“ gehen, das erfahren wir alle am 22. Mai 2021, wenn das ESC-Finale live im TV und Stream zu sehen ist. (lros)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare