„Hits macht man wie in der Bootsfahrt“

Dieter Bohlen schimpft über deutsches ESC-Auswahlverfahren: „Alles kacke, so wird das nie was“

Dieter Bohlen hat im Musikgeschäft schon alles erlebt. Klar, dass der Pop-Titan zum deutschen Debakel beim Eurovision Song Contest etwas zu sagen hat. Er hat einen klaren Plan zur Besserung.

München - Das krachende deutsche Eurovision-Debakel - ein Schock für viele Musikfans im Land. Einer, der auch bei diesem Thema nicht mit deutlichen Worten geizt, ist zugleich einer der ganz großen der Branche: Pop-Titan Dieter Bohlen (67). Kernig wie immer gibt er bei Instagram zum Besten: „Was ist schlimmer? Drei Punkte beim Grand Prix oder drei Punkte in Flensburg?“

Der deutsche Kandidat Jendrik Sigwart (26) hatte beim „Eurovision Song Contest“ nur magere drei Punkte (von der Jury, glatte null von allen europäischen Zuschauern) bekommen.

Bohlen nennt bei Bild den Schuldigen für das katastrophale Abschneiden: „Ganz klar die ARD. Diese Gremien-Entscheidungen sind nicht gut, um den besten Titel zu finden. So werden keine Hits kreiert!“

Bohlen weiter: „Da sind zu viele Quatscher am Werk, die null Ahnung haben ... auch die Moderatoren, die das kommentieren, müssen unbedingt ausgetauscht werden. Das war früher okay … jetzt wirklich nicht mehr.“

Bohlen schimpft über den ESC-Auswahlprozess: „So wird das nie was“

Bohlen bei Instagram: „Da sitzen einfach Leute, die noch nie 300 Kilometer entfernt von irgendeinem Hit gestanden haben und machen da so eine Musiksendung, wie soll da was werden? Das ist eben alles kacke, so wird das nie was.“

Sein Rezept für die Zukunft ist ein einfaches: „Hits macht man wie in der Bootsfahrt: Da gibt es einen Kapitän, der bestimmt, in welche Richtung man fährt. Sonst würde man bei Abstimmung an Bord ja immer im Kreis fahren, weil jeder in eine andere Richtung möchte.“

Sein Beispiel lautet Stefan Raab (54) aus dem Jahr 2010, der bei Lena Meyer-Landruts (30) Triumph mit „Satellite“ alles relativ alleine bestimmt habe. Der Kapitän müsse Erfolge vorweisen können und im „Hier und Heute“ stehen.

Bohlen: „In der Ehe sind Kompromisse richtig, beim ESC nicht“

Bohlen auf die Frage, ob er selbst dieser Kapitän sein könne: „Ich möchte nie einer von vielen sein … mich mit anderen abstimmen müssen, da kommen nur Kompromisse raus. In der Ehe sind Kompromisse richtig, beim ESC nicht.“

Der NDR, der für die Auswahl der Songs verantwortlich ist, die beim Grand Prix starten, sieht im Gegensatz zu Bohlen keine Not für eine Änderung des Prozesses.

NDR sieht keinen Grund für eine Änderung des Prozesses

„Dieses Lied wurde von den beiden zuständigen Fachjurys aus 20 internationalen Musikexpertinnen und -experten, die bereits Jurorinnen bzw. Juroren beim ESC waren, sowie 100 Fans, die ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen haben, ausgewählt“, erklärte der Sender der Bild.

Und weiter, ob sich etwas ändern solle: „Beim ESC können nur alle Länder etwas gemeinsam ändern, nicht ein einzelnes.“

Selbst der Sänger Jendrik Sigwart war nicht von der Song-Auswahl überzeugt

Selbst der Sänger war mit seiner Song-Auswahl nicht zufrieden, wie er erklärte: „Beim nächsten Mal würde ich einen Song von mir auswählen, wo ich weiß, der würde auch international gut ankommen.“

Jendrik habe schon vor zwei Monaten vermutet, dass er mit seinem Song nicht die hohen deutschen Erwartungen erfüllen würde. „Aber ganz ehrlich: Mein Ziel war es, zum ESC zu kommen! Und das habe ich geschafft, indem ich die deutschen Jurys mit meinem Lied überzeugt habe.“

In Europa überzeugte der Song bekanntlich dann kaum jemanden - ob sich das dank Bohlens Ideen bald ändert? Man darf gespannt sein, ob der Pop-Titan wirklich einmal das deutsche Ruder übernimmt ...

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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