„Open Up“

ESC 2021: Russlands Kandidatin sorgt mit Teilnahme für Aufruhr im eigenen Land

Manizha steht beim Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam auf der Bühne
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Schlägt beim ESC 2021 kritische Töne an: Manizha mit ihrem Lied „Russian Woman“

Beim ESC 2021 nutzt Russlands Kandidatin die Bühne nicht nur für Musik, sondern auch für ein wichtiges, politisches Statement. Und das gefällt in der Heimat nicht allen.

Rotterdam - Dass die Bühne des Eurovision Song Contest nicht nur musikalischen Newcomern die Chance gibt, so richtig durchzustarten, sondern oft auch als Plattform für wichtige politische Statements genutzt wird - obwohl das eigentlich verboten ist - sollte keine Überraschung mehr sein. Unter den 39 Acts, die am 22. Mai in Rotterdam antreten, findet sich auch dieses Jahr vor allem eine Performance, die deutlich sozialkritisch angehaucht ist - nämlich die der russischen Kandidatin Manizha.

ESC 2021: Russland geht mit Manizha ins Rennen

„Russian Woman“ - also „russische Frau“ - heißt das Lied, mit dem die 29-Jährige ihr Land vertreten wird und schon beim Anhören wird klar: Der Song hat eine klare Botschaft. „Jede russische Frau muss wissen“, singt sie im englisch-sprachigen Refrain, „du bist stark genug, du kannst die Mauer durchbrechen“. Mit internationalem Dance-Pop hat das knapp drei Minuten lange Stück auch recht wenig zu tun. Stattdessen setzt man auf Strophen in russischer Sprache, laute Trompetenklänge und einen Rhythmus, der sich ständig ändert - fast so, als hörte man drei Lieder gleichzeitig.

ESC 2021: Russlands Beitrag ist „ein Manifest“

Im Interview mit dw.com spricht Manizha ganz offen über ihren Auftritt und die Bedeutung dahinter. Das Lied „Russian Woman“, das lange vor ihrer Teilnahme am ESC entstand, sei für sie „ein Manifest“ und „ein Monolog der Manizha darüber, was sie durchgemacht hat“. Das Wort „Propaganda“ würde ihr zwar nicht gefallen, dennoch könne man ihr Lied aber als „Propaganda für die Liebe“ beschreiben. Trotz der klaren Bedeutung des Titels lässt sie auch verlauten: „Es geht nicht nur um russische Frauen, sondern um alle Frauen Europas“.

Die Performance beginnt sie in einem, der russischen Hoftracht Sarafan nachempfundenen, weiten und bunten Gewand, aus dem sie sich im Laufe des Auftritts befreit. Darunter trägt sie einen legeren, roten Jumpsuit - eine deutliche Antithese zum traditionellen Flair des ersten Outfits. Dieser Kostümwechsel hat eine starke symbolische Bedeutung, wie sie im Gespräch mit dw.com bestätigt. Er sei das Verlassen von „archaischen Frauenbildern“ und Vorurteilen. Genau so erklingt es im Song auch: Sie durchbricht eine Mauer.

ESC 2021: Russlands Beitrag stößt auf Gegenstimmen in der Heimat

Ein Song und ein Auftritt, die so sozialkritisch sind, kommen wie erwartet in der russischen Heimat nicht bei allen gut an. Wie tagesschau.de berichtet, hätte es nach Manizhas Wahl zum diesjährigen ESC-Act viele Stimmen gegeben, die sich über die Entscheidung und die Performance beschwerten. „Absurdes Theater ist das, völliger Schwachsinn. Ich weiß überhaupt nicht, was das soll“, äußerte sich beispielsweise die Politikerin Walentina Matwijenko.

Ein Problem hätten viele auch damit gehabt, dass Manizha gar nicht in Russland geboren worden ist, sondern in Tadschikistan. Diesen Kritikern habe sie aber nur eins zu sagen: „Ich bin die ‚Russian Woman‘ - eine russische Frau. (...) Russland ist ein multinationales Land. Ich bin der Beweis. In unserem Land gibt es viele Menschen wie mich“. (le)

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