„Können wir uns noch nicht leisten“

ESC 2021 trotz Corona mit viel Publikum: Karl Lauterbach äußert großes Unverständnis

Der ESC 2021 findet trotz Corona mit Publikum statt - und zwar nicht zu knapp. Karl Lauterbach (SPD) äußert sein Unverständnis darüber.

Rotterdam/Berlin - Während bei vielen großen TV-Shows in Corona-Zeiten der Applaus aus der Dose kommt, ist das beim Eurovision Song Contest anders: Der ESC findet am Samstagabend (22.5.) in Rotterdam vor Zuschauern statt. Und zwar vor nicht wenigen! 3500 Fans dürfen in die Ahoy-Halle.

„Falsches Bild“ durch ESC 2021 - Karl Lauterbach übt Kritik

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält es für ein falsches Signal, Live-Publikum bei diesem reichweitenstarken Event zuzulassen. „Konzerte mit 3500 Zuschauern können wir uns noch nicht leisten, dafür ist es noch zu früh“, sagte der
Politiker im Gespräch mit „ZDFheute“. Es zeichne „ein falsches Bild“ davon, wo man in der Pandemie aktuell stehe.

Die Show findet unter strikten Bedingungen statt. Alle Besucher müssen ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen, genauso wie Künstler und Mitarbeiter.

Lauterbach hält das Experiment in Rotterdam zwar für ein „wichtiges Projekt“. Er wisse allerdings nicht, welche Schlüsse daraus gezogen werden sollten. „Wir wissen doch, dass größere Menschenmengen ein Problem sind.“ Für Konzerte in Innenräumen sieht Lauterbach im Sommer noch keine Möglichkeit - im Freien hingegen schon.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

„Es ist die größte und umfassendste TV-Produktion der Niederlande“, sagte der Produzent für die TV-Sender NPO und Avrotros, Sietse Bakker. Die Organisation unter Corona-Bedingungen sei schwierig. „Wir wollen die Risiken auf Infektionen auf ein Minimum beschränken, das ist bisher gelungen.“ Von rund 25.000 Tests nur bei Mitwirkenden waren bis Freitag weniger als 20 positiv.

ESC 2021: Mehrere Corona-Fälle im Vorfeld

Doch es traf auch diverse Stars beim ESC: Der letztmalige Sieger Duncan Laurence kann die Trophäe nicht an
seinen Nachfolger weitergeben. Denn der Niederländer muss wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne bleiben und darf auch nicht live auftreten. Sein neuester Song soll allerdings per Video präsentiert werden.

Auch Island kann wegen eines Corona-Falles bei einem der Band-Mitglieder nur noch mit einem Video teilnehmen, die Band Dadi og Gagnamagnid schaut sich das Finale im Hotel an. Die Truppe habe die „schwierige Entscheidung getroffen, bei den diesjährigen ESC-Live-Shows nicht zu performen, weil sie nur gemeinsam als Gruppe auftreten wollen“, teilte die europäische Rundfunkunion (EBU) am Mittwoch mit. Neben dem Bandmitglied von Dadi og Gagnamagnid wurde nach Angaben der EBU bereits am Sonntag auch ein Mitglied der isländischen Delegation positiv auf das Virus getestet. Einen Infektionsfall in ihren Reihen hatte auch die polnische Delegation gemeldet. Und Corona sorgt auch dafür, dass ARD-Kommentator Peter Urban auf die Reise nach Rotterdam verzichtet hat. (lin/dpa/AFP)

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