„Auf ärztlichen Rat hin“

ESC 2021: Das war so nicht geplant! Kommentator Peter Urban kurzfristig doch nicht in Rotterdam

Peter Urban ist als ARD-Kommentator fester Bestandteil des ESC. Doch 2021 ist etwas anders - und das kurzfristig. Er erklärt die Hintergründe.

Rotterdam/Hamburg - Was wäre der Eurovision Song Contest ohne Peter Urban? Seit 1997 fungiert der mittlerweile 73-Jährige fürs deutsche TV als Kommentator beim ESC, versorgt die ARD-Zuschauer mit seinen Einschätzungen. Doch dieses Jahr ist etwas anders - er wird nicht vor Ort in Rotterdam dabei sein. Sondern seiner Tätigkeit von Hamburg aus nachgehen. Eine ungeplante Entscheidung. Die Hintergründe erklärte er bei RP-online.de.

ESC 2021: Wegen Corona! Arzt rät Peter Urban von Reise nach Rotterdam ab

„Wir haben kurzfristig entscheiden, dass ich diesmal den ESC ausnahmsweise aus Hamburg kommentiere“, so Urban. „Auf ärztlichen Rat hin, mein Impfschutz ist noch nicht ausreichend.“ Die Eindrücke aus der Halle, die er vom Kommentatorenplatz aus direkt bekommt, fehlen dann natürlich. Doch die TV-Macher haben vorgebaut. Das Team sei „natürlich vor Ort und liefert mir aus der Halle zu.“ Urban selbst konnte auf den Trip verzichten und sitzt in Hamburg - wohin sich auch Barbara Schöneberger samt Kleidersack aufmachte.

ESC-Legende Peter Urban.

Urban erklärt die ungewöhnlichen Corona-Gegebenheiten beim ESC 2021: „Die niederländischen Gastgeber haben diesen besonderen ESC großartig organisiert, aber das geht nur mit sehr strengen Regeln. Nur Aufenthalt im Hotel, nur mit bestimmten Bussen oder Autos zur Halle fahren, mindestens alle zwei Tage testen. Nicht schön, aber notwendig, um Risiken zu vermeiden.“

ESC: Peter Urban liegt öfter mal daneben

Der ESC-Kommentator zählt zu den absoluten Fachleuten in Deutschland für den Wettbewerb, klar. Doch auch er liegt oft genug daneben mit seinen Prognosen. „Ich hätte viele Gewinner auch nicht vorausgesagt“, gesteht er. „Dass eine Hard-Rock-Band wie Lordi für Finnland in den 2000er-Jahren gewinnt, hätte ich nie gedacht. Dass der Portugiese mit dem Jazz-Song gewinnt, hätte ich nie gedacht. Generell ist die Regel: Du musst die Leute bewegen. Man gewinnt nicht mit einer kühlen Routine, man muss Emotionen wecken und zwar in ganz Europa. Große Sieger wie Conchita Wurst haben auch aus Osteuropa, aus Ländern, wo Homosexuelle eigentlich eher schlecht behandelt werden, 10 bis 12 Punkte bekommen.“

Den einen oder anderen Spruch bereut er, verrät Urban. Etwa dass er einen Song schon vor dem Auftritt zu sehr niedergemacht habe. „Außerdem habe ich mal einer sehr voluminösen maltesischen Sängerin angedichtet, dass das ein sehr runder Auftritt gewesen sei. Da gab es dann ein bisschen Stress.“ Auch 2017 kassierte er einen Shitstorm.

ESC 2021: Peter Urban tut sich schwer mit Prognose für Jendrik

Und Urbans Prognose für den deutschen Beitrag „I don‘t feel hate“ von Jendrik? Der ARD-Kommentator findet es „schwer einzuschätzen“. Beim reinen Hören werde der Zuschauer „vielleicht nicht schlau daraus“, erst durch Jendrik bekomme der Song Leben. „Ich hoffe, dass es dann so ein Platz um 12 bis 15 wird.“ Die Wettanbieter sehen jedenfalls schwarz für den Deutschen. Und auch er selbst sprüht nicht gerade vor Selbstbewusstsein.

Auch mit der dpa hatte Urban im Vorfeld des ESC gesprochen. Unter anderem über seine Favoriten. „Es ist, finde ich, ein richtig guter Jahrgang. Mit ungefähr zehn Titeln, die richtig herausragen. Das kann richtig spannend werden“, so Urban. Einen klaren Favoriten sehe er dagegen nicht. „Sicherlich große Chancen wird Italien haben. Die schicken ja immer den Sieger
des San-Remo-Festivals. Die haben einen Beitrag, der ist richtig interessant. Das ist eine Mischung aus richtig hartem Rock mit ein bisschen Rap-Einfluss und auf Italienisch. Richtig klasse.“

Urban ist ein ausgewiesener Musikexperte, der schon mehr als 5000 Konzerte besucht und mit den Größen der Musikwelt gesprochen hat. Er spielt seit seiner Jugend Klavier und Orgel, hat seine Diplomarbeit über Popmusik und ihre Inhalte geschrieben, ist seit 40 Jahren Teil einer Blues-Soul-Band und moderierte bei NDR 2 bereits mehrere Musiksendungen, derzeit immer Donnerstag-Abend „NDR 2 Soundcheck - Die Peter Urban Show“. Im Moment geht er zudem regelmäßig mit dem NDR-Podcast „Urban Pop“ auf Sendung.

Wann ist Jendrik dran? Die Startreihenfolge gibt es hier auf tz.de. Und wir haben auch einen anderen ESC-Experten nach seiner Prognose gefragt. (lin)

Rubriklistenbild: © Georg Wendt

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