TV-Kritik

„Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“: ZDF-Film wirkt wie eine Sketch-Comedy

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Gundula (Andrea Sawatzki) und Gerald (Axel Milberg) versuchen mit einem Essen ihre angeknackste Ehe zu retten.

Die vierte Komödie aus der Filmreihe nach den Romanen von Andrea Sawatzki ist erneut sehr unterhaltsam, wirkt aber wie eine Nummernrevue.

Der Titel „Andere machen das beruflich“ bietet nach Ansicht des ZDF offenbar nicht genug Schlüsselreize, weshalb die Verfilmung von Andrea Sawatzkis Roman nun „Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“ heißt. Das klingt zwar etwas langweilig, betont aber den Reihencharakter und ist immerhin inhaltlich korrekt: Tochter Ricarda droht, durchs Abi zu rasseln. Als der Lehrer der Theater-AG ausfällt, ergreift Mutter Gundula (Sawatzki) die günstige Gelegenheit, um Ricarda zu den fehlenden Punkten zu verhelfen und sich selbst zu verwirklichen. 

Weil jedoch der Titel des ersten Buchs über die Bundschuh-Sippe, „Tief durchatmen, die Familie kommt“, als Motto über der gesamten Reihe schwebt, mischt natürlich irgendwann die ganze Mischpoke mit, weshalb die Proben für „Romeo und Julia“ alsbald komplett aus dem Ruder laufen.

„Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“: Gewisser Abnutzungseffekt

„Wir machen Abitur“ ist erneut vergnügliche Unterhaltung, leidet aber unter einem ähnlichen Manko wie zuletzt „Ihr seid natürlich eingeladen“ (2018). Die Adaptionen der ersten Bücher, „Tief durchatmen, die Familie kommt“ (2015) und „Von Erholung war nie die Rede“ (2017, Regie jeweils Vivian Naefe) waren von Matthias Klaschka und boten eine sehenswerte Kombination aus satirisch überspitzten Charakteren sowie einem auf den Punkt inszenierten Gag-Feuerwerk. 

„Ihr seid natürlich eingeladen“ (2018, Buch: Alexander Dydyna, Regie: Thomas Nennstiel) wirkte dagegen wie eine Nummernrevue, die allzu oft in Klischee und Klamotte abkippte*. Hinzu kommt nun ein gewisser Abnutzungseffekt, weil sich weder die Dramaturgie noch die Stereotypie der Figuren ändern: Jedes Mal versucht Gundula, so lange wie möglich gute Miene zum bösen Spiel und das Beste draus zu machen, aber irgendwann platzt ihr doch der Kragen, weil um sie herum alle nur an sich denken. 

Für ihre Mutter Ilse (Thekla Carola Wied) ist die Redensart von den Haaren auf den Zähnen erfunden worden, Schwiegermutter Susanne (Judy Winter) ist eine Schnapsdrossel, die peinliche sexuelle Anspielungen macht, aber im Alkohol die Erinnerungen an ihre einstigen Träume ertränkt. Bruder Hadi (Stephan Grossmann) ist ein von allen nur denkbaren Allergien und Unverträglichkeiten gepeinigter Versager und laut Ilse mit einem „frömmelnden Flittchen“ (Eva Löbau) geschlagen. Krone der Schöpfung ist schließlich Gatte Gerald (Axel Milberg), ein Durchblickprofi, dessen eheliches Feuer schon lange erloschen ist.

Im Grunde erzählen die Filme stets die gleiche Geschichte. Das Einzige, was sich ändert, sind die Rahmenbedingungen: Weihnachten, gemeinsamer Urlaub, Trauerfeier mit anschließender Hochzeit; die meisten Anlässe für ein Familienfest sind also abgehakt. Deshalb wirkt es auch wie ein Vorwand, dass Hadi und seine Rose nun nach Berlin kommen, weil ausgerechnet Gundulas Therapeut ein Spezialist für die Kinderphobie ist, unter der die hochschwangere Schwäbin leidet. Mutter Ilse wiederum wähnt sich von Alzheimer betroffen und kauft kurzerhand das leerstehende Nebenhaus, obwohl die Maklerin sie vor den Nachbarn warnt, nicht ahnend, dass die Käuferin ebenfalls zu der Familie gehört. 

„Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“: Andrea Sawatzki ist eine angenehme Erzählerin

Da in beinahe jeder Szene was passiert und die Ereignisse zumindest vordergründig allesamt witzig sind, ist „Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“ auch dank der kunterbunten Songauswahl eine abwechslungsreiche turbulente Komödie, aber erneut ist es Buch (diesmal Florian Hanig) und Regie (wieder Nennstiel) nicht gelungen, die Nummern in eine spürbare Dramaturgie zu betten; der Film wirkt wie eine Sketch-Comedy. 

Sehenswert ist er in erster Linie wegen des Ensembles, das gar nicht erst versucht, gegen die jeweiligen Klischees der Rollen anzuspielen, sondern sie vielmehr auf die Spitze treibt. Einige der Blicke, mit denen Gundula den Gatten malträtiert, sind zudem eindeutig waffenscheinpflichtig. Allerdings ist Gerald meist selbst schuld: Sie erinnert sich an eine romantische Szene im Regen, er an die Erkältung, die er sich dabei geholt hat; „Männer sind halt so“, wie Ilse weiß.

Sawatzki ist außerdem eine angenehme Erzählerin, weshalb Gundulas gelegentliche Kommentare aus dem Off im Unterschied zu vielen anderen Filmen nicht stören, zumal sie die Handlung stets sinnvoll ergänzen. Heimlicher Star der Reihe ist trotzdem der fast stets an Nebenfiguren verschwendete Stephan Grossmann, der den wehleidigen Hadi mit kleinen Gesten fast in die Nähe einer Mitleidsfigur rücken würde, wenn der Mann nicht so eine Nervensäge wäre. 

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„Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“: Gastauftritte von Bettina Zimmermann und Uwe Ochsenknecht

16.12., ZDF, 20.15 Uhr, Mediathek

Die schönste Idee des Films dient zwar auch nur als Anlass für einen weiteren Sketch, ist aber ein großes Vergnügen: Weil die Familie überzeugt ist, Gundula sei mit der Leitung der Theater-AG überfordert, reißen Gerald, Hadi und Susanne das Stück an sich. Der Schlagerfreund bereichert „Romeo und Julia“ um allerlei fragwürdiges Liedgut („Ein Bett im Kornfeld“), der Möchtegernautor verwandelt das Drama mit Blick auf die Hauptdarstellerin aus Eritrea in eine Parabel aufs Flüchtlingsthema, und die Schwiegermutter steckt die weiblichen Mitwirkenden getreu der Devise „Alles in die Auslage, so lange es noch frisch ist“ in Dessous stecken. Der Spuk endet erst, als Gundula zum Schwert greift.

Für weitere Kurzweil sorgen die Gastauftritte von Uwe Ochsenknecht als Therapeut, Bettina Zimmermann als Lehrerin von Ricarda (Amber Bongard) sowie Susanna Simon als frühere Mitschülerin Geralds, mit der die stets über Gundula nörgelnde Susanne ihren vergötterten Sohn verkuppeln möchte.

Von Tillman P. Gangloff

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