ZDF hat bestimmte Ideen

Flüchtlings-TV: Das sagen ARD und ZDF zu Scheuers Vorschlag

München - Ist diese Idee bescheuert? CSU-Generalsekretär möchte ein "Deutsches Integrationsfernsehen". Aber das ist mit der ARD und dem ZDF wohl nicht zu machen.

Andreas Scheuer.

Andreas Scheuer ist der Typ Politiker, der gerne mal einen Vorschlag raushaut, bei dem man sich fragen muss: Meint der das wirklich ernst? Vor ziemlich genau einem Jahr zum Beispiel forderte er in Deutschland lebende Ausländer auf, auch daheim, in der Familie, Deutsch zu sprechen. Am Donnerstag nun ein neuer Vorstoß: Scheuer verlangt einen öffentlich-rechtlichen Flüchtlingskanal!

In einem Brief an die Intendanten Thomas Bellut (ZDF) und Lutz Marmor (NDR), der der tz vorliegt, hat Scheuer sein Anliegen formuliert. „Integration ist die Mega-Aufgabe für die ganze Gesellschaft, zu der auch die TV-Anstalten ihren Beitrag leisten müssen“, so Scheuer. Einen Namen für den zu schaffenden Sender hat der CSU-Mann auch schon parat: „Deutsches Inte­grationsfernsehen“, kurz: DIF. Finanziert werden solle das Programm aus der „eingefrorenen Finanzreserve von rund 1,6 Milliarden Euro“, so Scheuer. Und was sollen die Flüchtlinge im DIF zu sehen bekommen? „Das Angebot muss Sprachkurse, Grundgesetz-Unterricht, Informationen über das Leben in unserem Staat...  und selbstverständlich die Vermittlung unserer deutschen Werte und unserer deutschen Leitkultur umfassen.“

Deutsche Werte, deutsche Leitkultur also. Die tz fragte gestern bei Herrn Scheuer nach, was er konkret darunter verstehe. Er hatte leider keine Zeit, die Fragen zu beantworten.

Flüchtlingskanal: ARD und ZDF tun bereits einiges

Dafür äußern sich ARD und ZDF. Beide betonen, dass die Integration von Flüchtlingen natürlich eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung sei, der sie sich auch stellen. Beim ZDF werde etwa daran gearbeitet, die täglichen Logo-Nachrichten in der Mediathek auch mit arabischen Untertiteln anzubieten. Ähnliches gilt für die Tagesschau in 100 Sekunden, die in absehbarer Zeit auch auf Englisch und Arabisch gesendet werden soll. Angebote für Flüchtlinge würden zudem online gebündelt.

Von einem eigenen Integrationsfernsehen ist in keiner der beiden Pressemitteilungen die Rede. Denn: „Ein zusätzliches TV-Programm können und dürfen die Rundfunkanstalten nicht aus eigener Entscheidung veranstalten. Dafür wäre eine gesetzliche Beauftragung durch die Länder erforderlich.“ Mit anderen Worten: Herr Scheuer kann ARD und ZDF zu allem Möglichen auffordern, eine Handhabe hat er selbstverständlich nicht.

Die Gewerkschaft Verdi wies die Idee eines Integrations-TV ebenfalls zurück. „Ein eigenes Programm, das eine wie auch immer definierte deutsche Leitkultur vermitteln soll, ist als mediales Ghetto zum Scheitern verurteilt“, heißt es. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe zudem keinen Erziehungs-, sondern einen Bildungsauftrag.

thy

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

ARD-Kultserie nach 34 Jahren abgesetzt: Fans so entsetzt, dass sie sogar auf die Straße gehen
ARD-Kultserie nach 34 Jahren abgesetzt: Fans so entsetzt, dass sie sogar auf die Straße gehen
Verwirrung bei ARD und ZDF: Was passiert mit dem „Morgenmagazin“?
Verwirrung bei ARD und ZDF: Was passiert mit dem „Morgenmagazin“?
Nach Krebs-Schock: „Rosenheim Cops“-Legende mit Botschaft an Fans - „Vielen Dank für ...“
Nach Krebs-Schock: „Rosenheim Cops“-Legende mit Botschaft an Fans - „Vielen Dank für ...“
Dschungelcamp 2020: Zieht Laura Müller (19) ein? Michael Wendler mit Ansage: „Was wäre ich für ein Freund“
Dschungelcamp 2020: Zieht Laura Müller (19) ein? Michael Wendler mit Ansage: „Was wäre ich für ein Freund“

Kommentare