Ex-Moderator

Hans Meiser: „Manchmal beneide ich mich selbst“

Hans Meiser wird 75
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Hans Meiser auf der Seebrücke an der Ostsee: Der ehemalige Fernsehmoderator lebt jetzt da, wo andere Urlaub machen.

Mit seiner Talkshow war Hans Meiser früher fast täglich im Fernsehen zu sehen. Inzwischen ist er weitgehend aus dem Rampenlicht verschwunden und genießt das Leben an der Ostsee.

Köln/Scharbeutz - Zu Fuß sind es nur ein paar Minuten bis zum Strand, bei schönem Wetter frühstückt er auf der Terrasse und genießt die gute Luft: Hans Meiser wohnt jetzt da, wo andere Urlaub machen.

Vor ein paar Jahren ist der Moderator vom Rheinland an die Ostsee gezogen. Mit seiner dritten Ehefrau - „sie kommt ja hier her“ - hat er ein Haus in Scharbeutz (Schleswig Holstein) gebaut. „Ich fühle mich hier inzwischen pudelwohl“, sagte Meiser der Deutschen Presse-Agentur. „Manchmal beneide ich mich selbst.“

Auch seinen 75. Geburtstag am 20. August will das TV-Urgestein („Notruf“) in seinem neuen Zuhause feiern - im Familienkreis.

Das Leben in einer Ferienregion sei generell nichts Neues für ihn, sagt Meiser. „Ich habe ja auch lange in Spanien gelebt.“ Von der Costa Blanca sei er Touristenmassen gewohnt und fühle sich damit wohl. Wenn er selbst Urlaub macht, fährt er am liebsten mit dem Wohnmobil los.

Seine Verbindungen ins Rheinland sind immer noch eng. In Bad Münstereifel, seinem vorherigen Wohnort, leben Töchter und Enkel. Der Ort mit der vormals malerischen Altstadt im Kreis Euskirchen ist von der Flutkatastrophe im Juli schwer getroffen worden. „Es ist unglaublich, alles kaputt“, sagt Meiser. „Wenn man das kennt, wie es vorher war - wirklich furchtbar.“

Ganz von der Arbeit lassen will er auch im gesetzteren Alter nicht. Vor kurzem zum Beispiel habe er im Kommunalwahlkampf in einer Nachbargemeinde einen der Bürgermeisterkandidaten gecoacht: „Und zwar mit Erfolg - er hat gewonnen“, erzählt Meiser. Außerdem gehört er schon seit Jahren zum Team von Frank Laufenbergs Internet-Radio „PopStop“.

Im Fernsehen ist Meiser kaum noch zu sehen - obwohl es „immer mal wieder Anfragen gibt“, wie er versichert. Aus dem großen Rampenlicht ist er aber verschwunden, nachdem sein Haussender RTL, bei dem er seit dessen Geburtsstunde 1984 (zunächst RTL plus) beschäftigt war, seine Verträge 2010 nicht verlängert hatte.

Unrühmliches Aufsehen erregte Meiser 2017 mit seinem Rauswurf aus Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ (ZDF/ZDFneo), wo er zeitweise Auftritte hatte. Begründet wurde dies damit, dass Meiser Beiträge für ein umstrittenes Online-Portal geschrieben habe, das Verschwörungstheorien verbreite. „Ich ein Rechtspopulist - das ist einfach Schwachsinn“, sagt Meiser heute dazu. „Ich habe in meinem ganzen Leben nie etwas veröffentlicht, was angreifbar war.“ Auch Werbeauftritte für dubiose Finanzprodukte brachten ihm Kritik ein.

Meiser gilt als Erfinder der täglichen TV-Talkshow in Deutschland. In den 1990er Jahren war er mit der nach ihm benannte Sendung an jedem Werktag bei RTL zu sehen und erreichte teilweise Zuschauerquoten von bis zu 40 Prozent Marktanteil. Die Gäste waren „Menschen wie du und ich“, die von ihren Problemen oder Erlebnissen berichteten. Erfolgreich war auch die von Meiser präsentierte Reality-Serie „Notruf“, bei der Notfälle und Rettungsaktionen nachgestellt wurden. Er moderierte Quizshows und interviewte Kanzlerkandidaten.

In vielen heutigen Talkshows geht es nach Meisers Ansicht zu ruppig zu. „Dieses ständige Politiker-Bashing regt mich wirklich auf.“ Oft würden Moderatoren ihre Gäste unterbrechen und verbal angreifen - das sei unhöflich gegenüber den Teilnehmern und diene weder den Zuschauern noch der Sendung, meint er. „Wenn ich Gast in einer Talkshow wäre und man würde mir dauernd so in die Parade fahren, dann würde ich irgendwann aufstehen und gehen.“ dpa

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