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Heikler ZDF-Film: Christian Berkel im Interview

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Christian Berkel: Im ZDF-Film "Das dunkle Nest" spielt er einen Pfarrer, der verdächtigt wird, ein Mädchen misshandelt zu haben.

Es ist ein schwieriges Terrain, auf das sich das ZDF mit seinem Krimi "Das dunkle Nest" begibt: Christian Berkel spielt einen Pfarrer, der verdächtigt wird, ein Mädchen misshandelt zu haben. Im Interview spricht er über sexuellen Missbrauch und die katholische Kirche.

"Das dunkle Nest", Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Das ist alles vorbei, als die Leiche einer zwölfjährigen Ministrantin gefunden wird. Sie hatte ein besonders gutes Verhältnis zum Pfarrer – und für die Dorfbewohner ist schnell klar: Der Pfaffe hat das Mädchen missbraucht, der Pfaffe hat das Kind auf dem Gewissen. In der tz spricht der 54-jährige Berkel, der katholisch aufgewachsen ist und eine Laufbahn als Messdiener hinter sich hat, über sexuellen Missbrauch und die katholische Kirche.

Herr Berkel, in dem Film sind viele Themen vereint: Missbrauch, der Generalverdacht gegen die katholische Kirche, Schweigen, Scham. Um was geht es wirklich?

Christian Berkel: Mir ging es bei dem Film besonders um eins: Scham. Wenn eine Vertrauensperson wie ein Lehrer, ein Priester oder ein Vater Kinder missbraucht, kommt das der Aufkündigung einer gesellschaftlichen Vereinbarung gleich. In dem Moment, wo diese Vereinbarung nicht eingehalten wird, ist Scham nicht nur das Problem des Kindes, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, weil alle anfangen, sich zu schämen und keiner wahrhaben will, was passiert ist. So befindet sich der Täter in einem freien und geschützten Raum. Er profitiert von unser aller Scham. Scham ist eines der kompliziertesten Gefühle.

Die gesamte katholische Kirche steht inzwischen unter einem Generalverdacht. Die Kirche trägt selbst Schuld, sagt beispielsweise die Produzentin des Films, Gabriela Sperl …

Berkel: Ein Generalverdacht ist immer problematisch, man kann vom Verhalten Einzelner nie auf die ganze Gruppe schließen. Andererseits hat sich die katholische Kirche zu diesem Problem, das sie zweifellos hat, zu wenig geäußert – und zu spät. Schon im Interesse daran, die positiven Teile kirchlicher Arbeit zu schützen, müsste sie viel eindeutiger Stellung beziehen. Das ist mein großes Problem mit der katholischen Kirche.

Was kann die Kirche tun, um das Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen?

Berkel: Wir haben in den letzten Jahrzehnten nur noch einen Gott gehabt – das war der Gott der Wirtschaft. Der bricht nun weg. Das andere war vorher schon verschwunden. Ein Zustand, den man durchaus bedauern muss. Es gibt kaum mehr eine religiöse Haltung in unserer Gesellschaft. Und daran hat die Kirche tatsächlich ein hohes Maß an Mitschuld. Das fängt schon mit der katastrophalen Nicht-Aufarbeitung des Dritten Reichs an. Das finde ich schlimm. Es ist höchste Zeit für ein Umdenken innerhalb der Geistlichkeit. Die Kirche muss sich modernisieren und muss die schwersten Verfehlungen aufarbeiten. Dazu gehören natürlich auch die Missbrauchsfälle, die in meinen Augen ein schweres Verbrechen sind. Missbrauch ist eine Form von Mord – und zwar Seelenmord.

Sie haben ein Gymnasium besucht, das von Jesuiten geleitet wurde. Gab es Fälle sexuellen Missbrauchs?

Berkel: Ich glaube, einzelne sexuelle Übergriffe hat es auch an meiner Schule gegeben, zumindest redeten wir Schüler untereinander davon. Jeder wusste, mit welchem Lehrer man besser nicht alleine war.

Sie leben mit Ihrer Partnerin, der Schauspielerin Andrea Sawatzki, und Ihren gemeinsamen Söhnen (neun und zwölf Jahre alt) in Berlin. Wie schützen Sie Ihre Kinder vor Missbrauch?

Berkel: Meine Frau und ich sprechen mit beiden offen darüber, dass es diese Gefahr gibt. Der beste Schutz ist noch immer der: die Kinder zu wachen, selbstbewussten Menschen zu erziehen. Sie sollten lernen, auf ihre Gefühle zu hören, und sie müssen wissen, dass sie ein Recht auf diese haben. Dann sind sie auch in der Lage, Widerstand zu leisten.

Interview: Tina Layes

Zum Film

Der heutige ZDF-Film Das dunkle Nest, der zu großen Teilen in Huglfing im Landkreis Weilheim-Schongau gedreht wurde, hat sich hohe Ziele gesetzt: Gleich zwei gesellschaftliche Tabuthemen, zum einen Missbrauch durch kirchliche Amtsträger, zum anderen Missbrauch in der Familie, bunt zusammenzuwürfeln. Eine Handlung, die vielleicht gute Einschaltquoten bringen mag, den schwierigen Themen aber nicht gerecht wird. „Der Film ist keine komplexe Sozialstudie, sondern ein Krimi“, sagte die Regisseurin Christine Hartmann. Doch bei einem so ambitionierten Projekt hätte sich der Zuschauer gewünscht, wenigstens eine Aussage mitnehmen zu können. Gott sei Dank ist Christian Berkel, ein gestandener Schauspieler, in die Priesterkutte geschlüpft. Es ist seiner beeindruckenden Leistung zu verdanken, dass der Film glaubwürdig ist.

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