Hella von Sinnen rockt den Promille-Talk

"Der Klügere kippt nach": Einer geht noch rein …

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Einer geht noch: Hugo Egon Balder (Mi.) füllt Hella von Sinnen ab und lässt Gastgeber Wigald Boning auf dem Trockenen sitzen.

München - Von Pegida zum Penis-Propeller ist es nur ein kleiner Schritt – zumindest wenn man ein paar Bierchen intus hat. Am Montagabend feierte Hugo Egon Balder mit seinem Promille-Talk "Der Klügere kippt nach" auf Tele 5 Premiere.

Die Idee: Vier prominente Gäste sitzen in einer Hamburger Kneipe und lassen sich bei zunehmendem Alkohol­pegel über Gott und die Welt aus. „Ist das der neue Tiefpunkt im Trash-TV?“, fragte Gastgeber Wigald Boning (als einziger nüchtern) zur Begrüßung mit gespielter Empörung in die Runde. Als Antwort gab’s ein Prosit (Bernhard Brink) und einen leisen Rülpser von Hella von Sinnen.

Letztere setzte das Konzept ihres langjährigen Weggefährten Hugo Egon Balder, der in seiner St.-Pauli-Kneipe Zwick eifrig den Zapfhahn bediente, konsequent um. Sechs Halbe zog die Krawallschwester des deutschen Fernsehens durch ihren Strohhalm und bestritt danach schrill monologisierend das Stammtischgespräch. Bei dieser Gelegenheit durfte man so allerlei über Frau von Sinnens erotische Erfahrungen und ihre Ansicht über Gott erfahren. „Nicht so schreien“, bettelte Wigald Boning immer wieder, wenn Hella sich unerbittlich Gehör verschaffte.

Premiere mit Promille: Hugo Egon Balder, TV-Urgestein und Kneipenwirt, heizt die Stimmung für den neuen Suff-Talk an.

Lustig war das bisweilen, streckenweise auch peinlich, mitunter aber auch schlicht langweilig. Vielleicht, weil die übrigen Gäste (Schlagersänger Bernhard Brink, Sexpertin Paula Lambert und Comedian Ingmar Stadelmann) in der einstündigen Sendung auffällig blass blieben. Noch dazu hatte der Wasser trinkende ­Wigald Boning seine Mühe, als Moderator eine souveräne Figur zu machen. Ohne Rücksicht auf den Eierlikörkonsum seiner Stammtischbrüder und -schwestern peitschte er ein Thema nach dem anderen durch, anstatt das Gespräch einfach mal ganz entspannt laufen zu lassen.

Entspannt sah dagegen Produzent und Ideengeber Hugo Egon Balder das Debüt seines Promille-Talks, der im Vorfeld scharf kritisiert worden war. Immerhin hatte der Suchthilfeverband vor dem exzessiven Alkoholkonsum vor laufender Kamera gewarnt. „Alles halb so schlimm“, wiegelte Balder nach der Sendung ab. „Es ist doch nicht anders als abends in der Kneipe gewesen.“

So weit, so lapidar – doch ­Hugo hatte ja seine Hella, die auch ernsthafte Themen mit 1,7 Promille noch einordnen kann. Sie habe viele Freunde an den Alkohol verloren, erklärte die platinblonde Comedy-Katastrophe. „Auch mit Tod und so“. Aber im Fernsehen müsse man sich auch mal etwas trauen dürfen.

Recht hat sie. Fünf Folgen von Balders unkonventioneller Quasselrunde sind vorerst geplant. Dass die Sendung den Zuschauer bei allem Flachsinn mit nerviger Promi-PR verschont, ist immerhin schon mal eine erfrischende Innovation.

Astrid Kistner

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