Ausblick auf die nächsten Folgen

"House of Cards": Das bleibt von Staffel 4 – und das könnte kommen

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In seiner Rolle als Frank Underwood sieht Schauspieler Kevin Spacey meist nicht so ehrlich freundlich aus.

München – Die 4. Staffel von "House of Cards" lässt die Zuschauer mit einigen Fragezeichen über dem Kopf zurück. Auf viele Fragen wird aber auch geantwortet.

Die USA im späten Winter 2016: Der Vorwahlkampf ist in vollem Gange. Die Kandidaten von Demokraten und Republikanern bekämpfen sich – teils auch mit schmutzigen Kampagnen – und polarisieren mit teils auch populistischen Äußerungen. Bis zu diesem Satz könnte hier auch die Rede vom aktuellen, realen Wahlkampf mit den Teilnehmern Clinton, Sanders, Trump und Cruz sein. Ist es aber nicht, sondern es geht um Fiktion. Die Anfang März gestartete 4. Staffel der Erfolgsserie "House of Cards" fasziniert die Zuschauer einmal mehr - und die Grenzen zur Realität werden geschickt weiter weich gezeichnet.

Der Präsident der USA, Francis J. Underwood, muss kämpfen. Und zwar nicht nur darum, das höchste Amt der Vereinigten Staaten weitere vier Jahre behalten zu können, sondern auch um seine (immer noch sehr zweckorientierte) Ehe, sein Vermächtnis, gegen seine Partei, gar um sein Leben und schließlich auch gegen Terror im eigenen Land. Die 4. "House of Cards"-Staffel spart wieder einmal nicht an überraschenden Plottwists und schickt die Fans erneut auf eine emotionale Reise zwischen Faszination und Ekel vor der Hauptfigur.

Ein wenig muss man sich ja schon sorgen, ob Underwood die Scherben, die er vor dem epochalen Cliffhanger der letzten Season von "House of Cards" verursacht hat, wieder zusammengekehrt und – geklebt bekommt. (Vorsicht, Spoiler!) Schnell wird jedoch klar: Er und Claire sind nach wie vor aufeinander angewiesen. Das Streben nach Macht, das beiden Ehepartnern inne ist, verlangt nach Kooperation, vor allem in der Situation, in der sich beide befinden. Und so wird die im Sterben liegende ungeliebte Schwiegermutter eben instrumentalisiert, ebenso wie – wie auch schon in den vergangenen Staffeln – das gesamte parteipolitische Umfeld und die Medien sowieso.

4. Staffel "House of Cards": Das Dreamteam Underwood macht ernst

Doch nachdem sich Frank und Claire Underwood für das größere Ziel wieder zusammengerauft haben, läuft der Manipulationsapparat wieder an. Es bedarf dann aber fast tödlicher Schüsse auf den Präsidenten in Texas (eine unverkennbare Anspielung auf das Attentat auf JFK im texanischen Dallas 1963), um die Aufmerksamkeit des Zuschauers vollends auf die First Lady zu richten. War einem ihr Geltungsdrang vorher noch ein wenig suspekt, wird einem hier klargemacht: In der 4. Staffel darf Claire auch einmal Präsident sein. Zumindest aus der zweiten Reihe. Denn Franks Ersatzmann ist derart überfordert mit der Schwere des Amtes, dass er über ihre "Hilfe" mehr als dankbar ist.

In der vorherigen "House of Cards"-Staffel waren ihre Schritte in der hohen Politik noch unbeholfen und nur durch ihren Ehemann und eine sehr unkonventionelle Ernennung erlangte sie überhaupt den Posten eines UN-Botschafters. Und dass sie in einer Situation, nämlich beim Besuch in Moskau, die Beherrschung verlor und sich in einer anderen vom russischen UN-Botschafter manipulieren ließ, senkte die Zweifel weder beim Serien-Volk, noch beim Zuschauer vor der Mattscheibe. Doch während Frank Underwood in der 4. Staffel im Krankenhaus um sein Leben kämpft, spielt Claire elegant und durchsetzungsfähig auf der Klaviatur der hohen Politik.

Den russischen Präsidenten Vitali Petrov packt sie metaphorisch derart an den Eiern, dass der den von ihr entwickelten Plänen zustimmen muss. Und die Außenministerin Cathy Durant wickelt sie um die Finger, so wie sie das sonst nur bei ihren Gespielen macht. Auch ihrem Mann ist nach seiner Rückkehr ins Oval Office endgültig klar: Nur zusammen mit Claire Underwood ist der Wiedereinzug ins Weiße Haus zu schaffen. Womit die Handlung für die restliche 4. Staffel von "House of Cards" auch schon vorgegeben ist. Denn zunächst muss einmal die Partei dahingehend manipuliert werden, dass die First Lady auch die Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten wird.

"House of Cards": Auch in der 4. Staffel hat Frank einen harten Gegenspieler

Als dies geschafft ist, ist der nächste Gegner nicht weit. Denn die Republikaner schicken quasi das komplette Gegenprogramm zum sichtlich ergrauten Frank Underwood ins Rennen. Einen jungen Mann mit einer jungen Familie, der sich auch in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram sicher bewegt. Und der zudem die zögernde Haltung zu militärischen Einsätzen im Nahen Osten auch mit der Unterstützung eines verdienten Generals verdammt (auch hier wieder die Parallele zur Rückzugs-Politik von Barack Obama und seiner Haltung zum Einsatz von Bodentruppen in Syrien). Der Kontrast zwischen beiden Kontrahenten wird besonders deutlich, als sie vis-a-vis unter vier Augen ein öffentlich inszeniertes Gespräch haben, das auch eher ein Schlagaustausch zwischen einem alten Hasen und seinem jungen Herausforderer ist, als eine konstruktive Diskussion.

Der Unterschied zwischen beiden Paaren und ihren jeweiligen Rollen wird dagegen erst am Ende der Staffel wirklich deutlich. Als Terroristen im Inland eine Familie entführen, ist zumindest nach außen hin die Zusammenarbeit beider Präsidentschaftsanwärter gefordert. Underwood will dies natürlich – wie in vorherigen Staffeln von "House of Cards" – ausnutzen, um seinen Gegenspieler alt aussehen zu lassen. Dieser ist zwar darauf gefasst, kann sich dann aber der geballten präsidialen Macht nur schwer erwehren. Währenddessen spricht Claire mit dessen Frau über Familien und deren Rolle in der hohen Politik. Und hier wird klar: Während Underwood eine auch im Geiste total Gleichgesinnte an seiner Seite weiß, hat die Frau des Herausforderers noch hohe moralische Wertsetzungen an die Welt.

"House of Cards": Kommt die 5. Staffel zum Amtsantritt des neuen US-Präsidenten?

Ein schmerzhaft langes Jahr werden die Zuschauer nun also auf die fünfte Staffel von "House of Cards" warten müssen. Bis dahin werden die Vereinigten Staaten auch in der Realität einen neuen Präsidenten haben und man darf davon ausgehen, dass sich die Serie, wie auch bisher, weiter eng an der Realität orientiert. Schon im Vorfeld der 4. Staffel spielten die Produzenten und auch Netflix sehr mit dem Wahlkampf-Thema. Sei es durch einen Webauftritt oder durch fast schon unheimlich real wirkende Spots. Dieser Weg außerhalb der Serie wird bestimmt weitergegangen.

Die Amtseinführung des zukünftigen US-Präsidenten findet traditionell am 20. Januar um 12 Uhr mittags statt. Gut möglich, dass die kommende Staffel von "House of Cards" auch wieder hier einsetzt. Nachdem Frank Underwood in der ersten Season bei der Inauguration seines Vorgängers anwesend war, kennt er die Stufen vor dem Kapitol ja schon. Interessant wird auch zu sehen, wie sich die Beziehung von Stabschef Douglas Stamper zu der Witwe eines Leberpatienten entwickeln wird, wegen dessen Tod ihn ein schlechtes Gewissen plagt. Und auch die Abgeordnete Jackie Sharp und ihr Liebhaber Remy Denton könnten wohl noch den Zorn des (womöglich frisch gewählten) Präsidenten Underwoods und seiner First Lady bzw. Vizepräsidentin Claire zu spüren bekommen.

Einen Wehrmutstropfen gibt es aber für alle Fans von "House of Cards": Anders als in den Staffeln 1-4 wird Serienentwickler und –produzent Beau Willimon nicht mehr mit an Bord sein. Ob die Netflix-Serie also neben der Hochglanzoptik und den hochkarätig besetzten Charakteren auch ihre dramatische Spannung halten kann, bleibt abzuwarten.

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