Doppel-Interview

Michael Fitz & Sohn: "Darum ist uns Familie so wichtig"

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Vater und Sohn spielen Vater und Sohn: Michael Fitz (l.) an der Seite von Emanuel.

München - Michael Fitz und sein Sohn Emanuel spielen am Sonntag im ZDF erstmals gemeinsam in einem Film. Im Interview sprechen die Schauspieler über die Dreharbeiten und ihren Zusammenhalt.

Das neue Herzkino am Sonntagabend im ZDF bietet wieder alles, was die Fans zu Recht so lieben: ganz viel Gefühl und auch ein bisschen Spannung, smarte Lieblinge und einen nicht ganz so fiesen Bösewicht, das alles garniert mit der beeindruckenden Kulisse von Cornwall. Und doch ist in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung Liebe, Diebe, Diamanten etwas völlig anders als sonst: Denn Vater und Sohn im Film werden gespielt von – Vater und Sohn in echt.

Erstmals standen Michael (57) und Emanuel Fitz (23) gemeinsam vor der Kamera. Papa Fitz spielt den Diamantengauner und Herzensbandit Rick Johnson, der nach Jahrzehnten im brasilianischen Exil in die englische Heimat zurückkehrt, weil er eine Einladung zur Hochzeit seiner Tochter ­Rose (Cornelia Ivancan) erhalten hat. Sohn Fitz spielt Fernando Johnson, der seinem Vater partnerschaftlich zur Seite steht.

Außerdem dabei: Sybille Canonica als Ex-Partnerin und Mutter Marian, Helmut Zierl als ehemals bester Freund sowie Gedeon Burkhard und Ralph Gassmann. Im Doppelinterview mit der tz sprechen Michael und Emanuel Fitz über den gemeinsamen Dreh und was ihnen an der Familie ganz besonders wichtig ist.

Herr Fitz, Emanuel, mit dem Sohn beziehungsweise dem Vater zu drehen ist …

Michael Fitz: … total angenehm. Wir haben vier Wochen zusammen gewohnt, haben uns ein Cottage in Cornwall geteilt. Ich habe es richtig genossen, weil es ansonsten ja sehr selten ist, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen können. Die Arbeit haben wir auch sehr genossen. Wenn Vater und Sohn auch Vater und Sohn spielen, hat das eine ganz eigene Qualität. Das ist authentisch und macht total Spaß.

Emanuel Fitz: Dem kann ich mich nur anschließen. Das war eine geschenkte Zeit.

Und wenn der Papa als erfahrener Schauspieler den Ton angibt? Wie nervig ist das?

EF: Gar nicht, im Gegenteil: Das ist super. Ich lerne ja dabei.

MF: Aber er kann sich auch wehren, so ist es ja nicht. Wir haben immer versucht, für das Ergebnis die beste Lösung zu finden. Und wenn beide so denken, gibt’s auch keine persönlichen Geschichten.

Gab’s Ratschläge?

EF: Ganz oft. Auch am Abend vor den Drehtagen. Wir haben viel überlegt, wie man welche Szene dreht.

MF: Aber es war ein Geben und Nehmen.

Ist man sich in den vier Wochen nicht auch mal auf den Keks gegangen?

EF: Nee, echt nicht.

MF: Naja, wir haben beide die Eigenart, unseren Frust auch mal herauszulassen. Wer dann halt grad da ist, der kriegt’s ab. Und wir haben ja zusammen gewohnt … Dann versucht man, den Frust des anderen aufzufangen, was bei uns beiden mit Humor läuft. Von daher geht das ganz gut. Das ist der Vorteil, wenn man sich kennt.

Zwei Männer vier Wochen in einem Cottage, einem Häuschen: Wie muss man sich da einen typischen Tag vorstellen?

Szene aus dem ZDF-Film

MF: Ziemlich einfach. Wir sind zusammen oder getrennt abgeholt worden, je nachdem, wer welche Szenen zu drehen hatte. Also sind wir relativ früh aufgestanden und haben uns ein schnelles Frühstück reingehauen. Ich weiß nicht, hast du überhaupt was gegessen … ?

EF: Ja, so ’ne Riesen-Schüssel Müsli …

MF: … dann ist man ’ne halbe Stunde zum Drehort gekarrt worden. Da war es einem meistens übel, wenn man hinten gesessen hat, weil die Straßen in Cornwall leider nicht so ganz gerade verlaufen.

EF: Und weil man sich nicht an den Linksverkehr gewöhnt.

MF: Irgendwann wurde man wieder zurückgebracht und am Supermarkt abgesetzt. Dann haben wir eingekauft, sind nach Hause, haben gekocht und einige der zahlreichen DVDs geguckt, die ich im Gepäck hatte. Mit all den wunderbaren neuen amerikanischen, dänischen und schwedischen Serien.

Der Film erzählt ja eine sehr emotionale Familiengeschichte. Wie wichtig ist Familiengeschichte für Sie?

MF: Für mich persönlich hat das lange nur eine kleine Rolle gespielt. Nachdem mein Vater dieses Frühjahr gestorben ist, merke ich, dass ich nun in der ersten Reihe sitze. Dann ist man plötzlich derjenige, der die Geschichten an die nächste Generation weitergibt. Da vollzieht sich bei mir grad ein Wandel. Vieles von dem, was mir einfällt, schreibe ich auf, damit ich es nicht vergesse. Für kommende Generationen – nicht nur für Emanuel, sondern vielleicht auch für seine Kinder irgendwann mal. So war das mit dem Opa, und der Uropa war so und so … Ich bin gerade in einer Phase, wo mir das wichtig wird.

EF: Das ist ein unerschöpflicher Schatz aus Geschichten. Ich höre da total gerne zu.

Gibt es dann auch Familienwerte, die Ihnen so wichtig sind, dass Sie sie gerne weitergeben möchten?

MF: Meine Generation hat ja eher opponiert gegen bestehende Familienwerte, wie es in den 70er- und 80er-Jahren üblich war. Wir kommen ja eher aus der Revoluzzer-Ecke und haben alles infrage gestellt. Aber je älter ich werde, desto eher gibt es eine Sammlung von Werten, die mir wichtig sind.

Zum Beispiel?

MF: Ehrlichkeit. Anderen gegenüber, vor allem der eigenen Familie gegenüber. Man darf nicht hinterm Berg halten, andere ausschließen von irgendeinem Familienereignis. Die schlimmsten Katastrophen und Streits entzünden sich an Missverständnissen.

Im Film geht es auch darum, dass der Vater 25 Jahre lang keinen Kontakt zu seiner Tochter hatte, dass Briefe unbeantwortet geblieben sind. Will man sich so etwas vorstellen? 

MF: Nein. Das wäre der Super-GAU. Das würde ja bedeuten, dass einer den anderen ausschließt und sagt: Du gehörst hier nicht hin.

Wir reden von einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung mit – natürlich – Happy End. Wie wichtig ist ein Happy End in der Familie und wie erreicht man das?

EF: Durch Ehrlichkeit. Dass man ganz offen miteinander umgeht und den anderen zuhört.

MF: Ein Happy End ist ja kein Zustand, sondern eine Situation, die im nächsten Moment schon wieder vorbei ist. Streiten und sich vertragen ist ein sich ständig wiederholender Prozess. Das lässt sich nicht verhindern.

Peter Schiebel

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