"Spiel für Dein Land" im Ersten

tz-Interview: Herr Pilawa, fürchten sie heute erneute Panne?

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Jörg Pilawa moderiert die Show "Spiel für Dein Land".

München - Jörg Pilawa moderiert am Samstagabend eine neue Fernsehshow. "Spiel für Dein Land" heißt sie. Im tz-Interview spricht der 50-Jährige über den Umbruch des Fernsehens.

Gibt es sie noch, die gute alte Samstagabendshow, bei der sich Großeltern und ­Enkel vor den Fernsehgeräten treffen und gemeinsam schauen? Jörg Pilawa sagt: Ja – ­allerdings kommt seine neue Sendung "Spiel für Dein Land" technisch aufgepeppt daher. Die Zuschauer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können über eine App mitspielen (Infos auf www.spielfuerdeinland.de) – und die Prominenten im Studio (Maria Furtwängler, Hans Sigl, Tatort-Kommissar Stefan Gubser und andere) in Quiz- und anderen Spielen unterstützen. Warum Pilawa (50) genau diese Art von Fernsehen mag, warum es ihm aber auch wichtig ist, regelmäßig „offline“ zu sein, verrät er im großen tz-Interview.

Herr Pilawa, hier in München haben kürzlich die Medientage stattgefunden. Thomas Gottschalk sagte dort, dass es gerade Menschen seines Alters seien, die sich noch Gedanken über das Fernsehen von morgen machen. Den anderen, den Jüngeren, sei es längst egal. Sind Sie einverstanden?

Jörg Pilawa: Ich glaube, wir müssen „Fernsehen“ schlicht neu definieren. Das klassische lineare Fernsehen ist ein aussterbendes Modell – darüber sind wir uns doch alle einig. Die jungen Zuschauer heute würden sich nie den Wecker stellen, um eine Sendung nicht zu verpassen. Die schauen, wann sie wollen und nicht wie wir früher um 20 Uhr die Tagesschau und danach einen Spielfilm. Aber: Was es immer geben wird, ist Bewegtbild in jeglicher Art und Form – ob das eine Show ist oder ein Video, das ich bei YouTube hochlade. Die Verbreitung und die Verfügbarkeit ist einfach eine andere geworden.

Ihre neue Show „Spiel für Dein Land“ atmet aber noch den Charme des guten alten Fernsehens, oder? Es klingt nach einer Mischung aus „EWG“ und „Spiel ohne Grenzen“. 

Pilawa: Es ist unterm Strich eine klassische Samstagabend-Unterhaltungsshow und das finde ich auch richtig. Aber wir bedienen uns einer Technik, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Wir verpartnern sozusagen das Digitale mit dem Klassischen. Das ist für mich als Macher natürlich spannend.

Wie in Ihrem „Quizduell“ am Vorabend können die Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz über eine App mitspielen. 

Pilawa: Genau. Von dieser Interaktion mit den Zuschauern habe ich vor 20 Jahren geträumt. Normalerweise spreche ich als Moderator in ein schwarzes Loch namens Kamera und weiß nicht, was daheim bei den Zuschauern passiert. Dank der App bekomme ich jetzt sofort ein Feedback. Ich sehe, wie viele Leute spielen mit, wie viele kennen die richtige Antwort, wie viele Frauen lagen daneben, wie viele Männer, wie schwer war die Frage und so weiter. Ich find’s super und freue mich total – auch wenn wir damit natürlich komplett auf den Bauch fallen können. Ich bin ja nicht naiv.

In den ersten Folgen vom „Quizduell“ damals hat ja nichts funktioniert ...

Pilawa: Ich erinnere mich.

Pilawa über die Probleme beim "Quizduell"

Sitzt das noch tief?

Pilawa: Naja, ich bin damals angetreten und habe gesagt: Wir erfinden das Fernsehen neu. Ich war testosterongesteuert und habe mir auf die Brust geklopft wie ein Hundertmeterläufer bei Olympia, der dann aber nicht mal aus dem Startblock kommt und sich gleich hinlegt. Aber – wir haben das damals selbstironisch genommen, und die Zuschauer mochten es irgendwie ja auch, dass mal was schiefgeht im Fernsehen. Also: Selbst wenn es bei Spiel für Dein Land auch nicht klappen sollte, freue ich mich, wenn ich bei diesem TV-Super-Gau dann auch dabei bin (lacht). Das ist doch das, was mich immer noch am Fernsehen reizt: Dinge neu auszuprobieren.

Haben Sie ernsthafte Bedenken, dass es schiefgehen könnte oder ist die Technik inzwischen so weit, dass Sie sich drauf verlassen können?

Pilawa: Ehrlich gesagt: Immer, wenn Techniker sagen, sie haben alles im Griff, habe ich Bedenken. Und sie haben mir gerade eben noch gesagt, es läuft … (lacht) Das Problem ist: Wir können nicht wirklich proben. Es ist ja live. Letztlich sehen wir am Samstagabend um 20.17 Uhr, ob es läuft.

Bei aller Liebe zur modernen Technik und zur Lust, etwas Neues zu probieren – Sie sind auch einer, der sich regelmäßig rauszieht aus der digitalen Welt und für mehrere Wochen im Jahr offline ist. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Pilawa: Ich glaube, es hat bei mir vor allem damit zu tun, dass ich Vater von vier Kindern bin, die allesamt sogenannte Digital Natives sind, die mit Handys und dem Internet aufgewachsen sind. Für die ist es selbstverständlich, rund um die Uhr erreichbar zu sein und alles zu haben. Dem möchte ich als Vater ab und zu etwas entgegensetzen. Denn ich frage mich schon: Muss man wirklich alles teilen und posten? Muss man wirklich so viele Bilder in der Welt herumschicken? Ist es nicht auch mal schön, etwas für sich zu behalten? Ich gehöre zu der letzten Generation, die noch weiß, wie es ohne diese ganze Technik ist. Ich finde es wichtig, den Kindern davon zu erzählen.

Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus?

Neulich erzählte mir jemand, dass sein Sohn ihn gefragt habe, wie er, der Vater, früher eigentlich ins Internet gekommen sei, als es noch gar keine Computer gab?

Pilawa: Ha! Ja, genau so ist es. Die Kinder können sich ein Leben ohne Internet einfach nicht mehr vorstellen. Wissen Sie, dass es früher im Preußischen Beamtenrecht einen Paragrafen gab, in dem stand, dass man vor wichtigen Entscheidungen immer eine Nacht darüber schlafen sollte?! Das würde ich mir heute auch manchmal wünschen.

Würden Sie sich das leisten – ein Senderchef meldet sich, bietet Ihnen eine neue Show an und Sie sagen: Ich schlaf eine Nacht drüber...?

Pilawa: Es ist total schwer, denn eigentlich müssen solche Entscheidungen ganz, ganz schnell getroffen werden heutzutage. Aber ich versuche schon, mir in der Hinsicht treu zu bleiben und zu sagen: Ich brauche Bedenkzeit. Das wird meistens geschluckt. Es gab allerdings auch die Momente, wo es hieß: Okay, dann nehmen wir einen anderen. Aber so etwas stecke ich inzwischen, ich bin ja dieses Jahr 50 geworden, auch ganz gut weg.

Interview: Stefanie Thyssen

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