Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich

Kabarett-Kolumne: Warum wir jetzt erst recht lachen müssen

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Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich schreibt jeden Donnerstag einen Gastbeitrag in der tz.

München - Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich befasst sich heute in der tz mit der Frage, wie wir mit den Terroranschlägen von Paris umgehen sollten.

Darf man jetzt noch lachen? Diese Frage ist mir häufig gestellt worden seit letztem Freitag. Ich war mir auch selber nicht sicher, aber als dann ausgerechnet der Seehofer gesagt hat: „Kein Parteienstreit in dieser ernsten Situation“, da habe ich gewusst, ein Scherz geht immer! 

Was machen wir jetzt? Wenn man Hollande und Sarkozy glauben darf, dann haben wir ja jetzt Krieg. „C’est un acte de Guerre“, hat Hollande gesagt. Sarkozy ist gleich vorbeigeprescht: „Der Krieg muss TOTAL sein!“ 

Hey! Der Goebbels damals, der hat wenigstens noch gefragt! Ich habe mir wirklich gedacht: Geht’s auch eine Nummer kleiner? Gut, die beiden befinden sich nicht nur im Krieg, sondern auch mitten im Wahlkampf, und wenn sie nicht auf die rhetorische Pauke hauen, dann haben sie nicht nur die Islamisten im Land, sondern auch noch den Front National an der Macht. 

Aber wie sieht Besonnenheit jetzt konkret aus? Wenn Thomas de Maizière sagt, unsere Polizei braucht eine robustere Ausstattung, dann klingt das ja auch schon wieder ein bisserl nach Donald Trump, der zu solchen Anlässen eigentlich immer sagt: „Tja, bewaffnet, wenn die Opfer gewesen wären, dann wäre der Abend anders verlaufen…“ 

Und wenn man ein Länderspiel erst großspurig ansetzt, um es eine halbe Stunde vor Anpfiff abzusagen wegen einer Bombe, die dann doch nicht da war, ist dann die Information: „Die Nationalmannschaft ist an einem sicheren Ort“ nicht schon fast zynisch? Ich weiß es auch nicht. 

Aber eine Äußerung, die hat mir gefallen: „Unsere Antwort auf Gewalt ist noch mehr Demokratie, noch mehr Humanität, aber niemals Naivität.“ Formuliert 2011 vom norwegischen Ministerpräsidenten Stoltenberg, nach den Breivik-Attentaten. Der Ansatz ist gut. 

Weil das hasst er, der Dschihadist, dass wir so leben, wie wir leben. Paris, das ist die Welthauptstadt des Lasters, hat’s im Bekennerschreiben des IS geheißen. 

Moulin Rouge, Place Pigalle, Absinth, Cancan, das mag er nicht, der Dschihadist. Cabaret, da graust’s ihm. Und drum mach ich auch jetzt Kabarett - grad zum Fleiß! 

Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich (47) schreibt immer donnerstags zu seiner monatlichen Sendung SchleichFernsehen in der tz. Mehr Schleich gibt es Donnerstagabend ab 21 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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