Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich

Kabarett-Kolumne: Warum macht Mutti nichts?

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Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich schreibt jeden Donnerstag einen Gastbeitrag in der tz.

München - Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich befasst sich heute in der tz mit dem Freihandelsabkommen TTIP. Er findet: Von unserer Kanzlerin kommt dazu - nichts.

Da waren letzten Samstag also in Berlin 250 000 Demonstranten auf der Straße, um gegen dieses Freihandelsabkommen mit den USA zu demonstrieren – und was kommt von unserer Kanzlerin? Nichts.

Vielleicht, weil’s keine Flüchtlinge waren, sondern Landsleute. Und natürlich, weil sie der Industrie bei TTIP längst versichert hat: „Wir schaffen das!“

In Afrika hat sie’s ja auch geschafft: Alleine 2014 haben mehr als 15 afrikanische Länder eine sogenannte ökonomische Partnerschaft mit der EU unterzeichnet, nachdem Brüssel ihnen mit Importzöllen von 30 % auf afrikanische Waren gedroht hat.

Und wer hat in der EU das Sagen? Mutti. Und was passiert? Vor den westafrikanischen Küsten fischen europäische Fangflotten die Bestände leer und bringen die Fischer dort um ihren Ertrag.

Die sind dann nicht nur arbeitslos, sondern verkaufen ihre Fischkutter gleich nach Libyen, wo sie zu Schlepperbooten umfunktioniert werden. Immerhin hat die EU ihnen schon beigebracht in Afrika, wie Recycling funktioniert. Zumindest bei Schiffen.

Und bei TTIP machen sich die Konzerne ihre Handelsgesetze selbst. Das ist so, wie wenn die Mafia das Strafrecht formulieren würde. „Regulatorische Kooperation“ heißt das schönfärberisch in der Sprache der TTIP-Planer.

Uns erzählt man, die Wirtschaft wäre die Kuh, die uns Milch gibt, in Wahrheit ist sie der Tiger, der uns auffrisst. Und wenn dagegen 250 000 Leute in Berlin auf die Straße gehen, dann steht das nicht mal in der Zeitung.

Wobei das auch nicht ganz stimmt. Es gab einen Artikel auf Spiegel Online, dem Zentralorgan für stromlinienförmigen Schnöseljournalismus. Da hieß es, Zitat, „Die Kampagne gegen TTIP ist wie auf braunem Mist gewachsen“. Zitat Ende.

Klar, wo auch sonst. Auf braunem Mist. Wie alles, was nicht ins Weltbild der ökologisch angehauchten Mitte passt, die zwischen Eigentumswohnung und Biotonne komplett verspießert ist.

Alles Nazis, ganz gleich, ob einer unbequeme Fragen zu Flüchtlingen oder Europa stellt oder eben zu TTIP. Wenn das stimmt, dann würden heute mehr Nazis rumlaufen als einst auf allen Reichsparteitagen zusammen.

Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich (47) schreibt immer donnerstags zu seiner monatlichen Sendung SchleichFernsehen in der tz. Mehr Schleich gibt es Donnerstagabend ab 21 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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