Aufwühlender Fall im Franken-Tatort

Kritik zum “Tatort“ am Sonntag: Brisanter Krimi um Sicherheit der Lebensmittel

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Im Internet stößt das Team um die Kommissare Ringelhahn (Dagmar Manzel, li.) und Voss (Fabian Hinrichs, Mitte, mit Eli Wasserscheid und Andreas Leopold Schadt) auf den Milchskandal und seine tödlichen Folgen.

Es war ein handfester Lebensmittelskandal, der im gestrigen Franken-„Tatort“ für gesellschaftlichen Zündstoff sorgte. Mit dem Rettungswagen kommt eine hochschwangere Frau, die dioxinverseuchte Milch getrunken hat, in die Klinik und verliert dort ihr Baby.

Sebastian Markas brisanter Fernsehkrimi bekam durch die Tatsache, dass der Molkereibesitzer sich mit einem juristischen Winkelzug aus der Verantwortung für diese menschliche Tragödie stehlen konnte, eine besondere Tragweite.

„Mich hat das Thema schon länger beschäftigt“, sagt Drehbuchautor Erol Yesilkaya. „Es speiste sich aus einem schrecklichen Erlebnis, das ich hatte, als meine hochschwangere Ehefrau nur mit viel Glück einer Lebensmittelvergiftung entging.“ Nachts habe er wegen eines Lebensmittelrückrufs panisch die Mülltonne durchwühlt und dabei eine Mischung aus Hass und Hilflosigkeit verspürt. Bei weiteren Recherchen stieß Yesilkaya auf den Paragrafen 44 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches, der im Krimi den Rachefeldzug des traumatisierten Paares in Gang setzt.

Unternehmer verpflichtet, unerwünschte Stoffe den Behörden zu melden

Besagter Paragraf verpflichtet Unternehmer dazu, ihre Erzeugnisse regelmäßig auf Dioxine überprüfen zu lassen und gesundheitlich unerwünschte Stoffe den zuständigen Behörden zu melden. Dioxine sind hochgiftige chemische Verbindungen, die bei der Verbrennung von Haus- oder Sondermüll oder als industrielles Abfallprodukt entstehen können. Über die Umwelt gelangen sie in Futtermittel und werden vom Menschen hauptsächlich über tierische Lebensmittel wie Eier, Fleisch- oder Milchprodukte aufgenommen. So weit ist eine Meldepflicht zum Schutz des Verbrauchers durchaus sinnvoll. Was aber passiert, wenn kontaminierte Lebensmittel bereits verkauft oder Futtermittel in den Umlauf gebracht wurden? In diesem Fall kann der betroffene Erzeuger eine Selbstanzeige stellen und kommt damit laut Gesetzgeber seiner Sorgfaltspflicht nach. Alle Beweise, die der Unternehmer gegen sich selbst liefert, dürfen in einem späteren Gerichtsverfahren nicht gegen ihn verwendet werden.

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„Unfassbar. Hast du das gewusst?“, fragt Kommissar Voss (gespielt von Fabian Hinrichs) seine Kollegin im Film. „Ich habe es nicht gewusst“, gibt Regisseur Sebastian Marka zu. „Aber der Paragraf macht durchaus Sinn. Man kann ja nicht wollen, dass Unternehmer, die merken, dass etwas schiefläuft, den Missstand vertuschen.“ Zum Schutz der Allgemeinheit sei diese Regelung also durchaus sinnvoll. „Für das Individuum aber kann sie die Katastrophe bedeuten.“

Kritik gab es wegen verschiedener Patzer letztens außerdem auch für den Dresden-“Tatort“

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